Micro Adventure in den Alpen.
Micro Adventure in den Alpen.

Abenteuer vor der Haustür: Biwaknacht zu Winterbeginn

Die Wintersonnenwende, der astronomische Winterbeginn kurz vor Weihnachten, geht bei den meisten Menschen für gewöhnlich im Weihnachtsstress unter. Dabei könnte man den kürzesten Tag und die längste Nacht nutzen und sie ganz bewusst erleben. Am besten geht das fern ab vom Trubel und Lichtermeer, in der Natur. Zum Beispiel bei einem Biwak-Abenteuer.  

Der Sommer in dem ich angefangen habe zu wandern, ist der Sommer in dem ich angefangen habe Vollzeit zu arbeiten. Nach fünf Bürotagen am Stück, Computerarbeit und kaum Frischluft, musste ich einfach raus. Jedes Wochenende ging es woanders bin. Raus aus Wien, der Großstadt, und rein in die Natur. Nahe Ziele in Niederösterreich, aber auch weiter entfernte in Kärnten standen am Programm. Wenn es das Wetter zugelassen hat, waren wir mit Zelt oder Biwaksack unterwegs und haben unter freiem Himmel geschlafen. Oder, uns in Höhleneingängen es gemütlich gemacht. Was ich damals nur als Wandern, bezeichnet habe waren im Grunde erste kleine Abenteuer in der Natur.

Gemäß dem inoffiziellem Pfadfinder Slogan Adventure your life haben wir das „Leben draussen“ für uns entdeckte. Und noch heute, fast 10 Jahre später, sind diese Wanderungen mir gut in Erinnerung. Eindrucksvoller als jede Party oder Festival. Es sind echte Erlebnisse, ungefiltert und roh. Und weil diese viel komplizierter in fernen Ländern sind, am liebsten zuhause vor der Haustür.

Biwakabenteuer mit Simon.
Ein spontanes Biwakabenteuer. Foto: Simon Beizaee

Biwak Abenteuer zur Wintersonnenwende

Es ist der 21. Dezember 2016, Wintersonnenwende. Gemeinsam mit Simon Beizaee breche ich zu einem spontanem Abenteuer auf. Simon hatte die letzten Wochen über schon einige Nächte unter dem Sternenhimmel verbracht und gute Erfahrung mit Winter-Abenteuern. Warme Kleidung, Spagetti mit Sugo, ein Schluck Tee – viel mehr braucht es nicht. Oder etwa doch?

Obwohl ich all das bereits davor weiß, gehen mir natürlich alle möglichen Gedanken durch den Kopf. Was tun, wenn mir doch zu kalt wird? Wird der Akku meiner beheizbaren Handschuhe ausreichen, um meine kalten weißen Finger aufzutauen? Seit einigen Jahren neige ich bereits an kühlen Tagen zu diesem Phänomen und ein bisschen hatte ich Winternächte im Freien in Gedanken bereits für mich abgeschrieben. Aber vielleicht ist es ja doch möglich.

Werde ich schlafen können? Was machen wir nur bei über 12 Stunden Dunkelheit, solange können wir doch unmöglich schlafen. Oder etwa doch? Simon und ich kennen uns nicht gut, aber ich habe ein gutes Gefühl, dass uns nicht so schnell der Gesprächsstoff ausgeht. Außerdem möchte ich ihn über seine bisherigen Abenteuer ausfragen, denn die habe ich in letzter Zeit mit neidischen Blicken über Instagram verfolgt. Gemeinsam mit Freuden ist er einfach losgezogen und hat sich spektakuläre Schlafplätze mit tollen Ausblicken gesucht, mal am Berg, mal am Ufer eines Sees.

Gegen 5 wird es bereits dunkel.
Gegen 5 wird es bereits dunkel und die Sonne verschwindet hinter den Bergen.
Beim Fotografieren in der Nacht direkt beim Biwak.
Simon beim Fotografieren in der Nacht.

„Reisen ist nur im Rückblick eine glamouröse Angelegenheit.“
Paul Theroux

Set Up am Berg. Foto: Simon
Das Set Up am Berg und ich beim Adjustieren meiner fünf Schichten warmer Kleidung. Foto: Simon Beizaee

Bergspagetti, die besten Nudeln der Welt

Kurz vor Sonnenuntergang, gegen halb 6 kochen wir am kleinen Gaskocher Spagetti. Die Spagetti sind bereits zerkleinert, ein Anblick der jedem Italiener im Herzen weh tun würde. Der Grund dafür liegt auf der Hand. In der Kälte muss der kleine Gaskocher Vollgas geben, um das Wasser zum Kochen zu bringen. Bis die Spagetti dann durch sind dauert es ebenfalls nochmal eine Weile, es gibt also keine Zeit mit überstehenden Spagetti zu verlieren. Am Berg muss man praktisch denken. Ein bisschen Luxus darf aber auch sein, frisch gemahlener Pfeffer darf zum Abschmecken nicht fehlen.

Das Tomatensugo Arrabiata, ein bisschen Schärfe kann in der Kälte nicht schaden, kommt zum Schluss rein und dann heißt es schnell sein. Denn sobald die Spagetti dem eisigen Wind ausgesetzt sind werden sie eiskalt. Und wie ich selbst erst lernen muss, lassen sich kalte Nudeln nicht gut kauen. Zumindest dann nicht wenn einem selbst nicht so warm ist. Was hilft ist ein Schluck heißer Tee aus der Thermoskanne zwischendurch.

Die Nacht

Erst nachdem die Sonne verschwunden ist, legt auch der Wind sich wieder. Für Winterbeginn ist es nun erstaunlich angenehm und weil die Nacht so lange und wir noch nicht müde sind, fotografieren wir noch eine Runde. Ohne Stativ habe ich dabei allerdings kaum eine Chance, die verfluchten paar Kilo mehr sind die Mühe doch wert. Vielleicht ist es doch Zeit in ein leichteres bergtaugliches Stativ zu investieren.

Im Gegensatz zum letzten Sommer, der sehr verregnet war, waren die letzten Wochen über die Nächte oft Sternenklar. Auch heute wird es so sein und das glücklicherweise bereits am Anfang der Nacht. Stunden bevor der Mond mit seiner Leuchtkraft seine Rolle als Nachtwächter einnimmt.

Die Morgendämmerung ist für 7:20 vorhergesagt, wir stellen schließlich den Wecker auf 7:00. Obwohl es noch so früh ist, fühle ich mich nun doch müde. Der Körper reagiert hier draussen viel direkter auf die Umwelt. Wir überlegen scherzhaft, ob es wohl hartarbeitende Menschen in Vollzeitjobs gibt, die sich diese Nacht auch irgendwo draußen zum Schlafen legen, um einfach einmal eine richtig lange Nacht durchzuschlafen, ohne Ablenkung.

Nach dem Zähneputzen und einem Schluck Tee aus der Thermosflasche gehen wir dann doch schlafen. Als ich kurz vorm Schlafen nochmal raus aufs Klo muss, traue ich meinen Augen nicht. Hinter dem kleinen Hügel auf dem wir schlafen, kriecht doch tatsächlich gerade noch wer anderer mit einer Stirnlampe in sein Zelt. Dienstag vor Weihnachten. Wir sind also doch nicht alleine mit dieser Idee!

Manchmal pfeift der Wind ums Biwak, dann wiederum liege ich unbequem. Es ist sicherlich keine gute Nacht, aber immerhin habe ich geschlafen. Und ich wache bereits vor dem Wecker auf. Weil im Schlafsack rumliegen und rausschauen aber bei aufkommendem Wind eine kühle Angelegenheit ist, gehen wir auf Entdeckungstour.

Morgens am Berg

Langsam verändert sich die Bergwelt ringsum. Von oben wird der Himmel rosa, unten ist er noch blau, wie als würden die Berge in einem kühlen See stehen. Und dann langsam schiebt sich die Sonne zwischen den Bergen hervor. Es ist bereits 9 am Vormittag als sie auch uns endlich direkt anscheint und wärmt.

Es ist ein einzigartiges Gefühl, frei und unbeschwert das mich in der Sonne überkommt. Und ich bin froh es gemacht zu haben, allen Bedenken zu trotz, die mir nun allesamt lächerlich vorkommen. An den Fragen meiner Freunde in den nächsten Tagen, merke ich aber, dass sie sich genau das gleiche fragen. Und am liebsten würde ich sie alle einpacken und es ihnen auch zeigen. Nur die Neugier am Abenteuer muss man wohl doch selbst mitbringen.

Wir packen zusammen. Nehmen unseren und ein wenig fremden Müll, der leider immer in den Bergen zu finden ist, mit und steigen über die teils vereisten Wege wieder hinunter ins Tal. Die letzten Niederschläge sind nicht in den Boden eingedrungen und über die Waldwiesen abgelaufen und dabei angefroren. Nur in absoluten Schattenlagen ist der Schnee liegen geblieben. Bald wird hier überall Schnee liegen.

Auch wenn ich mich auf eine warme Dusche freue, irgendwas in mir will gerne noch bleiben. Hier, fern vom Trubel der Stadt auf den sonnigen Wiesen am ersten Wintertag. In ein paar Tagen ist Weihnachten, aber für die letzten 20 Stunden habe ich das fast komplett vergessen.

Früh morgens beim Fotografieren. Foto: Simon
Früh morgens beim Fotografieren. Foto: Simon

Ohne Biwak bleiben einem solche Ausblicke meistens leider verborgen.

Übrigens, in einer Woche, am 20. März 2017 ist astronomischer Frühlingsanfang…

Besondere Tage im Jahr 2017 für Mikroabenteuer: 

  • Sommersonnenwende 21.6.2017
  • Hundstage 23. Juli -23. August 2017
  • Perseiden 11.-13. August (Die Perseiden brennen Mitte August ein kosmisches Feuerwerk am Nachthimmel ab, das etwa vom 11. bis 13. August seinen Höhepunkt erreicht)
  • Zeitumstellung: (eine Stunde mehr im Bett) 24.10.2017
  • Thanksgiving/Friendsgiving 26.11.2017
  • Herbstanfang 22.9.2017
  • Wintersonnenwende 21.12.2017

 

Danke Simon fürs Mitnehmen und die Fotos! 

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1 Comment

  • Liebe Lea,
    das klingt super und sieht phantastisch aus – kannst du mir verraten, wo genau das war und wie lange ihr hoch und runtergewandert seit? Und ihr hattet ein eigenes Zelt dabei oder?
    Liebe Grüße,
    Jasmin

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