Damals in Burma, als wir fast alleine waren

Es gibt Tage da wacht man auf und irgendetwas ist anders. Ein seltsamer Geruch liegt in der Luft. Und obwohl man in nicht wirklich riechen kann, man kann ihn fühlen. Und er versetzt einen in ein fernes Land, setzt Glücksgefühle frei, die nur das Reisen wecken kann und trägt gleichzeitig zu einer tiefen Betrübtheit bei.

Das Fernweh. Es sind Attacken die sich selten ankündigen und wenn sie ausbrechen mit sämtlichen Nebenerscheinungen (Flüge schauen, Ideen schmieden, in alten Fotoalben stöbern) auftauchen.

Wenn ich an Burma denke, denke ich an viele Sachen. An eine ganze Hochschaubahn an Gefühlen. Einen knappen Monaten bin ich alleine durchs Land gereist und habe die herzlichsten und interessantesten Menschen kennen gelernt, die ich je in einem anderen Land der Welt getroffen habe. Und nirgendwo anders bin ich so wenigen anderen Touristen begegnet wie dort. Gefühlt waren 500 im Land unterwegs. Wer sich das nicht vorstellen kann: ich bin vier Stunden alleine durch die größte Stadt des Landes, durchs Zentrum gegangen, ohne einen anderen Touristen zu sehen.

Wenn ich an Burma denke, denke ich an so vieles. Ich denke an: 

Eis.
In Mandalay sprach mich ein Junge an, ob ich mit ihm auf ein Eis gehen würde. Ich war mir nicht sicher, wie seine Absichten wirklich waren und meinte ich muss leider weiter. Er bestand darauf mir zumindest den Eissalon zu zeigen. Wir haben uns zwei Stunden über Gott und die Welt unterhalten und als ich aufstand um zu gehen bedankte er sich und meinte: jetzt wo er so viel Englisch geübt hat wird er morgen einen besonders schönen Schulaufsatz schreiben. Über mich.

Die Holzbrücke vom Amarapura
Irgendeine Fehlkalkulation im Zeitplan hat mir und meinen mitreisenden Holländischen Kollegen hier vier Stunden beschert. Hier wo alle anderen nur einmal hin und her gehen, Fotos knipsen und wieder verschwinden. Hier hatten wir Zeit zum Beobachten, zum Plaudern, zum Entspannen.

Schlafende Menschen.
In Yangoon war ich mit einem Fotografen unterwegs. Wir waren im gleichen Hotel untergebracht und am Frühstückstisch ins Gespräch gekommen. Am Markt sprach uns ein Junge an mit dem wir in einen Biergarten gingen. Irgendwann stand er auf und entschuldigte sich, er müsse heim, seine Heimfahrt dauert 1.5h und seine Mutter wartete auf ihn. Sein Vater war bei einem Autounfall ums Leben gekommen und so musste er nun für die Familie sorgen. Er war Angestellter im Magistrat und verdiente 34€ im Monat. Abends legte er manchmal eine Extraschicht ein um ein paar Dollar mehr zu verdienen. Die Menschen hier arbeiten so viel, dass sie oft einfach an Ort und Stelle eine Runde schlafen. Oft ist es auch schwere körperliche Arbeit, denn die riesigen Pakete die die Menschen hier tragen müssen oft unglaublich schwer sein.

Den kaputten Autositz meines Taxifahrers in Yangoon.
Zuerst wollte ich nicht einsteigen. Aber ein anderes Taxi war auch nicht in Sicht. Also stieg ich in das löchrige Taxi und verstaute meine Beine so, dass sie garantiert nicht durch das rostige Loch auf den Boden konnten. Mein Fahrer sass in einem selbstgebauten Sessel aus Nylonschnüren. Der alte war kaputt und einen anderen konnte er sich nicht leisten. Als ich ihn fragte, warum in Burma manche Autos den für Rechts und manche für Linksverkehr gebaut sind, erklärte er mir, dass in den 70er Jahren der General einen Traum hatte und am nächsten Tag den Wechsel befahl. Dem mussten sich alle neigen.

Die Mädchen mit ihren Küken.
Am Markt von Bago verkauften vier Schwestern kleine Küken. Am liebsten hätte ich ihnen eins abgekauft.

Die Pythons, die gewaschen und getrocknet werden wollten.
Im Hmwe Paya Tempel wohnen Python-Schlangen. Die werden täglich gewaschen und getrocknet. Dann verkriechen sie sich wieder hinter deiner der Budastatuen. Gottseidank werden sie bevor die Besucher kommen gefüttert.

Budda Disney-land Höhlen.
Burma hat mich immer wieder mit surrealen Orten überrascht. Die mit Neonlicht beleuchteten Budda Statuen in der Peik Chin Myaing-Höhle im Nord-Osten des Landes waren uns ein Rätsel. Aber für die Burmesen, die hier den größten Anteil der Touristen gestellt haben (wir waren eher die Exoten, Fotos hat man wahlweie mit sich und Budda oder noch besser auch mit uns gemacht), waren hellauf begeistert.

Den Tag am See.
Am Inle Lake habe ich einen der entspanntesten Tage meiner langen Reise verbracht. Gemeinsam mit zwei Australiern, einem Schotten und Helen, einer Schweizerin sind mit mit dem Rad um den See gefahren und haben irgendwo am Weg ein kleines Boot genommen für die Rückfahrt. Abends waren wir beim Burmesischen Italiener essen, mit echtem Basilikum, billigem Gin Tonic den wir selbst mitbringen durften und selbstgemachter Pasta.

Die Alpenvernarrtheit
Mitten in Yangoon war an einer Bushaltestelle eine Werbung mit Skiurlaubern in den Bergen angebracht. Vor der Markthalle nebenan verkaufte ein Mann große Poster, eins davon mit einer wohl europäischen Berglandschaft (wer weiß wo das genau ist?!). Aber immer wenn ich die Burmesen auf die Berge angesprochen habe, war das als würde ich von einem fernen Land in einem Märchenbuch sprechen.

Die Nacht in der ich wirklich nicht aufs Klo gehen wollte.
An den letzten drei Tagen meiner Burmareise wollte ich Bago besichtigen. Ich kann mich an keine anderen Touristen in der Stadt erinnern und die Unterkunft in die ich mich einquartiert hatte war modrig und dreckig. Am nächsten Tag bin ich wieder abgereist.

Die Zugfahrt nach Bago.
Auch wenn Bago sich für mich als Reinfall darstellte, der Weg nach Bago mit dem Zug ist mir in bester Erinnerung. Ich sah den Menschen zu die ihre Wäsche an den Bahngleisen trockneten (und verstehe immer noch nicht genau warum), bekam einen Heiratsantrag von einem jungen Musiker und verkostete leckere Jausensnacks meiner Mitreisenden.

Den Mann in der Shwedagon Pagoda.
Die goldene Pagoda in Yangoon ist so groß, dass es sich auszahlt untertags und abends sie zu besichtigen. Immerhin galt das Ticket auch einen gesamten Tag lang. Als wir abends wieder kamen bat ein alter Mann an uns ein bisschen rumzuführen. Klar bezahlten wir ihn dafür, ohne ihn hätten wir vieles nicht entdeckt. An einem dicken Baum blieb er stehen und betete. Für uns. Für seine Familie. Für unsere Familie. Und insbesondere für unsere Eltern. Und auch dafür, dass sie uns hierher reisen gelassen haben, das freute ihn nämlich besonders.

Und irgendwann einmal, werde ich wieder nach Burma reisen. Und dann wird aus dem Fernweh ein Fernweg. Bis dahin bleiben mir die Bilder, die Erinnerungen und all das was ich über Menschlichkeit, wahre Herzlichkeit und Gastfreundschaft gelernte habe in Burma.

Kennt ihr das? Wohin versetzt es euch manchmal wenn euch das Fernweh packt? Und weiß wer, welche Berge dieses Alpenposter zeigt?

 Anreise:
Am einfachsten geht die Flugroute über Bangkok und von dort weiter nach Yangoon. Günstige Flüge findet man zB auf Jetcost Flights. In Burma selbst kommt man mit dem Flugzeug auf den Hauptstrecken, Zug (Yangoon-Mandalay) oder diversen Bussen weiter.  

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1 Comment

  • Schön und witzig beschrieben…
    Aber um das Klo in Bago beneide ich Dich wirklich nicht.
    Seit diesem Moment hast Du sicher immer eine Extraladung Desinfektionsmittel dabei, oder?
    Grüße…

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