Spitzbergen: Ein Eisbär namens N23996

„Ich will ihnen nicht die Freude nehmen,“ lächelt meine Sitznachbarin und fügt schnell hinzu „Oder, wollen Sie sehen?“ Natürlich will ich ihre Fotos sehen, schließlich wollte ich die gesamte letzte Woche nichts mehr als Eisbären zu sehen.

Die zwei schönsten Unterhaltungen seit langem hatte ich auf meinem Flug von Oslo nach Longyearbyn auf Spitzbergen und retour. Beim Hinflug hatte ich das Glück neben einem Fotografen zu sitzen, der aus privatem Interesse nach Pyramiden unterwegs war um die verlassene russische Siedlung zu fotografieren.

Am Rückweg sitze ich neben einer britischem Pensionistin, die bereits zum dritten Mal eine Kreuzschifffahrt auf Spitzbergen gemacht hat. Die letzten zehn Tage waren die besten, erzählt sie mir und strahlt übers ganze Gesicht.

Ich fand die letzte Woche auch sehr schön und erzähle ihr ein wenig was ich gesehen habe. Unter anderem kann ich stolz berichten, dass wir einen Eisbären gesehen haben. Es war nicht einfach und die Schiff-Rundreise vor uns – die erste der Sommersaison – konnte keine sehen. Aber wir haben einen gefunden!

Sie lächelt und ich erkundige mich, ob sie auch einen gesehen hat?

Nun ja, die Freude nimmt sie mir nicht mit ihren Eisbärfotos. Sie hat in den vergangenen Tagen nämlich ganze fünf Eisbären gesehen, eine Mutter mit zwei Jungen beim Fressen am Eis und zwei weitere. Die Fotos, die ihr Mann gemacht hat, sind traumhaft kitschig und fast wie aus einem Katalog. Wäre sie keine so nette, alte Dame würde ich es vielleicht in Frage stellen, ob es wirklich ihre sind.

Aber ganz im Gegenteil zu ihren Befürchtungen, freu ich mich mit ihr! Denn die rund 3.000 Eisbären auf Spitzbergen haben es nicht leicht, die wärmeren Sommer lassen ihre Jagdgebiete auf ein Eisschollen schneller schmelzen als früher und viele müssen ums Überleben kämpfen.

Auf unserer Suche nach Eisbären haben wir viele Spuren gesehen, diese erkennt man an den großen Abdrücken im Schnee und den Rutschspuren auf den Hängen. Denn wenn der Eisbär wo runter will, dann macht er das ganz einfach auf seinem Allerwertesten. Oft kann man entlang der Fjorde die Spuren lange verfolgen von Bucht zu Bucht, aber dann verlieren sie sich auch wieder am Ufer oder hinter dem nächsten Kamm.

Die Crew an Board der MS Nordstjernen ist darauf spezialisiert Eisbären zu suchen – auch um uns bei Landgängen davor schützen zu können. Wird ein Eisbär an Land gesehen, geht dort niemand an Land. Dann können ihn alle vom Deck aus bewundern. Remi, dem Gruppenleiter der deutschsprachigen Gruppe ist das so auch am liebsten. Dann sind alle in Sicherheit, wir und die Bären.

Unseren Eisbären sehen wir knapp nach dem Abendessen im Norden Spitzbergens im Wood Fjorden. Ich habe kein gutes Teleobjektiv mit, aber kann einige Fotos durch mein Swarovski Fernglas machen. Durch das ist ganz deutlich eine Markierung am Hinterteil des Eisbären zu erkennen.

Gespottet!
Gespottet!
Hallo, Eisbär!
Hallo, Eisbär!
Alle sind an Deck um den besten Platz zu finden.
Alle sind an Deck um den besten Platz zu finden.

Fredrik Samuelsson, einer der Guides, erkennt es sofort als Markierung und erzählt von einem Freund, der Eisbären-Forscher hier auf Spitzbergen ist. Sobald wir wieder Internetempfang in der Nähe von Longyearbyn haben, will er ihm emailen.

Nun ein paar Monate später kam seine Antwort und ich bin sofort wieder im Eisbären-Fieber.

N23996, so heißt der Bär, ist ein 10 Jahre altes Männchen, das als er die Markierung bekommen hat im April 2016 bereits etwas dünn aussah. Fredrik hat ihn erst vor einer Woche wieder gesehen, diesmal in der Nähe des Monaco Gletschers. Frederik weiters: „The overall picture is that the bears in this area have a bit hard times. I have recently spotted many more bears that seem to be a bit stuck on Spitsbergen and spend the summer just relaxing waiting for the winter to come with ice on the fjords, and seals.“

In diesem Sinne, wünsche ich N23996 und dem gesamten hohen Norden einen baldigen Winter und allen Spitzbergen Reisenden viele Eisbären vor der Linse, nur bloss nicht von allzu nah.

Fredrik beim Suchen nach Eisbären.
Danke Fredrik!

 

 

Auf Einladung von Visit Norway, Spitsbergen Travel und Hurtigruten! 

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