Fußball und ich. Ein Spiel in mehreren Akten

1. Akt: Status quo, die Vorankündigung

Ich bin kein großer Fußballfan. Das hat sich einfach so ergeben, daran ist niemand schuld. Unsere Berührungspunkte waren immer sehr flüchtig. Mag daran liegen, dass in meiner Familie keine Fußball-Euphorie herrscht. Wobei mein Vater immer wieder mal betont, dass der Opa ja mal bei der Austria gespielt hat. Und den Ausweis davon gibt’s auch noch irgendwo. Vererbt hat er das Fußballtalent aber wohl nicht und auch auf der anderen Seite der Familie hab ich von klein auf vor allem gelernt, dass Fußbälle nichts in Rhododendronbüschen zu suchen haben. Mit Softbällen macht das Kicken aber einfach keinen Spaß, das habe ich früh durchschaut. 

Lea und der Fussball: it's complicated.
Lea und der Fußball: it’s complicated.

Und trotzdem kommt das Thema Fußball alle paar Jahre wieder auf den Tisch. Und damit meine ich nicht nur diverse Großevents wie WM oder EM, sondern auch kleine, private Begegnungen. Diesmal kam es in einer offiziellen E-Mail von Turkish Airlines. Ob ich mit dem offiziellen BVB-Flieger samt Mannschaft von Dortmund nach Marseille und retour fliegen wollen würde? Und dazwischen das Champions League Spiel live vor Ort anschauen. Als Bloggerin würde ich einen eigenen Platz bekommen und das Spektakel hautnah miterleben dürfen. Turkish Airlines ist seit 2013 nämlich Premium Partner von Borussia Dortmund, denn der Fußballverein steht für Tradition, regionale Identität, harte Arbeit und Erfolg – Prinzipien, die auch Turkish Airlines vertritt. Klingt für mich nach einer guten Partnerschaft. 

Da ist der Funken rübergesprungen und ein kleines Begeisterungsfeuer entfacht. Nun gut, das Feuer war anfangs vielleicht übertrieben – wollen wir am Boden der Tatsachen bleiben, aber ein Funke war schon da.

Wie bereits gesagt, bin ich kein Fußballfan. Aber wie so viele Dinge im Leben, kann sich auch das ja nun ändern. Schließlich mag ich Sport. Und ich mag Sportler. Und ich habe eine Vorliebe für Dinge, die die Menschheit fasziniert. Fußball fasziniert. Er ist emotional wie wohl kaum ein anderer Sport und er verbindet. Ja, auch hier in Österreich. Offenbar muss man nicht gut darin sein um ihn zu lieben. Was mir nun wieder recht gelegen kommt.

Dass ich kein Fußballfan geworden bin ist wenn ich mir die Berührungspunkte genauer überlege, doch etwas seltsam. Bereits in der Volkschule hatte ich ein Champions League Panini-Stickeralbum zum Sammeln, das ich mit meinem Taschengeld heimlich fütterte und das am Ende  des Schuljahres vollgeklebt war. Ich tauschte die Sticker für mein Leben gerne, die Sache mim Fußball blieb trotzdem nebensächlich.

Es war das Jahr in dem ich meinen Tisch mit einem Burschen teilte. Wir waren eine kleine Clique und es hatte sich aus der Sitzordnung heraus so ergeben, dass ich den Tisch mit René teilte. Was okay war, ausser an den Tagen an denen er seinen Rapid-Schal am Tisch ausbreitete. Bis zu meiner Hälfte und nicht weiter allerdings nur… Fußball war mir eben damals schon ziemlich egal.

Das Phänomen mit dem ausgebreiteten Fußballschal wiederholte sich Jahr später auf der Uni. Ich staunte nicht schlecht, als ich wiederum einige Jahre später feststellte, dass beide der Herren nun tatsächlich bei dem Verein ihrer Träume arbeiteten.

Also kam ich irgendwie 2011 auf die Idee einen Freund (und Hobbyfußballer) mit zu einem Spiel zu nehmen und meinen ehemaligen Volkschulfreund kicken zu sehen. Ein bisschen toll fand ich das schon.

Rapid spielte gegen LASK. Im Dauerregen und mit einem Endstand von 0:0.

Das fand ich weniger toll.

Rapid:LASK. Dauerregen und Freibier.
Rapid:LASK. Dauerregen und Freibier.

Immerhin schmeckte das Bier gut und ich hatte Spaß dabei Fragen zu stellen auf der Pressetribüne. Gegen Ende des Spiels sprach ein älterer Journalist meinen Freund an und meinte danach etwas mitleidig zu mir „jetzt hast es bald geschafft“. Nun gut, das kam wohl mal nicht so rüber, als hätte ich mich dafür interessiert.

Meine Idee mich mit dem Fußball anzufreunden war mal wieder nach hinten losgegangen. Immerhin lernte ich in der U-bahn am Heimweg einen sympathischen jungen Mann kennen, der mit einer riesigen Sporttasche unterwegs war und sich weit weg vom grün beschalten Volk zu mir setzte…

Meine schönsten Fußballerinnerungen entstanden 2008 während der EM in Wien. Das Vice Magazin veranstaltete mehrmals die Woche geheime Underground Parties in dunklen Kellern, mit gratis Alkohol und fußballfreier Musik. Die letzte dieser Parties wurde von schwer bewaffneten Beamten mit Schutzschildern aufgelöst, die nicht schlecht staunten als wir ihnen erklärten, dass es hier nicht um ein Fußball-Event ging und wir alle friedlich woanders weiter feiern können. Ich glaube immer noch, dass sie uns das einfach nicht glauben wollten. Wahrscheinlich wären sie selbst lieber im Einsatz im Station gewesen.

Ein weiteres Highlight meiner persönlichen Fußballgeschichte war das Deutschland-Österreich Spiel, das ich auf einer selbstaufgebauten Kinoleinwand in einem Hinterhof im 5. Bezirk sah. Dafür hatte ich mir sogar eine kleine Österreich-Flagge umgehängt. Als das Spiel verloren war, gab es viele Trübsal blasende Seelen ringsum. Wohl der Punkt wo Frauen ins Spiel kommen. Entweder gibt es wen zu trösten oder mit wem zu feiern. Juhu.

Nach dem verregneten 0:0 Rapid Spiel war Fußball erstmal wieder für mich gestorben. Mit dem Umzug letztes Jahr nach Innsbruck fand zugleich ein Wechsel der Hauptsportarten in meinem Umfeld statt. Ohne je eine Statistik gesehen zu haben würde ich sagen, Snowboarder-Dudes schauen tendenziell weniger Fussball. Ideal.

Bis man dann natürlich doch auf einen stösst der Fussball-affin ist und gar selbst spielt. Da lernt man dann sogar was ein Fallrückzieher ist. Ich hatte damals natürlich keinen blassen Schimmer was ein Fallrückzieher ist, aber offenbar handelte es sich um ein geglücktes Manöver. Also freute ich mich mit, gratulierte und verschob das Nachfragen auf den nächsten Tag… 

Nun denn. Wenn man nun erzählt, dass man Mitte Dezember nach Marseille zu einem Champions League Spiel fliegt gibt es meistens die gleiche Reaktion: glitzernde Augen, ein wenig Neid, das Angebot im Koffer mitzukommen oder für mich zu fliegen. Eins ist es jedenfalls immer: unterhaltsam für mich, und die anderen.

Ich weiß jetzt immerhin, dass nicht Hummel ausfällt, sondern Hummels. Erkältung hat der auch keine, der ist verletzt. Und solltet ihr mal auf einen Bayern-München Fan stossen… die kennen ganz üble Gesänge über die Dortmunder. Da geht es um Bonbons und andere schockierende Dinge, die ich nie im Leben mich trauen würde laut auszusprechen.  Ich bin sicher die gibt es auch auf der anderen Seite, aber die lern ich dann vor Ort. Oder vielleicht ja schon im Flieger?

Und ein bisschen Unterricht gibt’s meistens auch für mich. Danke an dieser Stelle Paul für die Erklärung wie die Champions League funktioniert, danke Julian für das eigens verfasste Paper (!) rund um Dortmund selbst. Ich weiß jetzt wer dort zum Party machen taugt und wen ich an der zerstörten Nase wohl schnell erkennen werde. Und sonst auch noch so einiges.

Gestern ging mein Vorbereitungsspiel in die nächste Runde. Julian war so nett mich zu einem Spiel Wacker Innsbruck zu begleiten und mir alles zu erklären. Wacker hat zwar verloren, meine Füße sind erfroren, aber das mit den Spielregeln haut jetzt soweit hin, behaupte ich mal.

So ein Tor ist den Sturm-Fans schonmal eine Zündelei wert.
So ein Tor ist den Sturm-Fans schonmal eine Zündelei wert. 
Ganz nah am Geschehen.
Ganz nah am Geschehen.
Action.
Action zwischen Wacker Innsbruck und Sturm Graz.

So, jetzt noch ne Runde wuzzeln, Fifa zocken und auch mal einen echten Ball kicken. Dann bin ich ready. Ready für Marseille. Ready für den Flug mit Turkish Airlines und ready für den Fußball. Komme was wolle. (Idealerweise nur keine Bälle direkt in meine Richtung…) 

Mit Turkish Airlines nach Marseille, morgen geht's los!
Mit Turkish Airlines und der gesamten Mannschaft nach Marseille, morgen geht’s los!

Und wenn ihr das auch seid, könnt ihr meine Erlebnisse am Mittwoch Abend beim Marseille: Dortmund Spiel, bzw Dienstag und Donnerstags im BVB-Flieger live mitverfolgen. Auf Facebook, Twitter oder Instagram.

Von einem angehenden Fußballfan für angehende Fußballfans.

Oder zur Unterhaltung für den Rest.

 

 

 

 

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1 Comment

  • als angekommener fußballfan bin ich mal auf eine passiv/aktiv abseits diskussion mit dir gespannt… “ aber das mit den Spielregeln haut jetzt soweit hin, behaupte ich mal.“ ;)

    viel spaß in marseille.

    bin gespannt!

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