Montana: Die Going-to-the-Sun-Road

Ein Tag, zwei Tage, mindestens 5 Tage. Die Zeitangaben für den Glacier Nationalpark sind so unterschiedlich wie seine Besucher. Einen Tag braucht man für die Going-to-the-sun Road, die Hauptattraktion im Nationalpark. Am Weg gibt es viele Stops und Anhaltemöglichkeiten und ebenso viele Besucher. Auf den kurvigen Straßen in die Berge wird der Radioempfang immer schlechter und nach den Nachrichten ist er einige Zeit mal unterbrochen. In Missoula schätzt man, dass momentan 25 Bären umgehen, die mit Vorliebe Birnen und Äpfel ernten. Den Hörern wird empfohlen mit elektrischen Zäunen vorzugehen. Soeben fühle ich mich bestätigt in unserer Entscheidung doch noch ein Bear-Spray zu kaufen. 8 Sekunden lang sprüht es wie ein Pfefferspray im Notfall. 8 Sekunden hat man Zeit sich aus dem Staub zu machen und zu hoffen, dass der Bär nun andere Sorgen hat. Im Notfall eben.

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Am Hotspot, dem Logan Pass, tummelt sich alles was gehen kann oder gerade noch gehen kann auf dem breiten Wanderweg zum Hidden Lake. Die meisten drehen nach einigen hundert Metern wieder um und so dünnt sich der Touristenstrom mit den Höhenmetern nach oben hin etwas aus. Uns begegnet ein Biker mit kaputtem Bein und Pistole am Oberschenkel des anderen. Ebenso wie eine Horde ziemlich dicker Menschen. Das Menschen-Beobachten ist fast so spannend wie die Natur ringsum und zumindest anfangs fast aufregender, denn der Rauch der Waldbrände ringsum hat den Ausblick auf einige hundert Meter limitiert. Vor lauter Aufregung und Beine vertreten haben wir das Bear Spray im Auto vergessen, verdammt.

Ein Stück weiter den Weg entlang lichtet sich der Rauch etwas und ich werde von einer Park Rangerin hingewiesen, dass mein Fuß sich zurück auf den Wanderweg bewegen sollte. Denn ich bin gerade über die säuberliche Markierung getreten. Das ist fast unbewusst passiert, denn vor uns ist eine Mountain Goat unterwegs mit ihren Jungen. Und sowas hab ich tatsächlich noch nie gesehen. 25 Yards Abstand sollte man von allen Wildtieren halten, 100 bei Bären. Ich schüttle den Kopf und notiere mir innerlich endlich eine App aufs Handy zu laden die Yards, Meilen, etc. umrechnet. Aber was 25 nicht sind weiß ich nun.

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Etwas später kommen wir zu einer kleinen Aussichtsplattform auf den Hidden Lake. Der ist tatsächlich etwas versteckt und sieht wunderschön aus. Den steilen Abstieg sparen wir, denn neben dem Bear Spray haben wir auch vergessen Wasser einzustecken, geschweige denn Müsliriegel. Sehr zum Verdruss der kleinen Eichhörnchen und Chipmunks, die hier herumsausen und auf verbotene Abfälle von Wanderern warten.

Nach der kleinen Wanderung machen wir uns weiter auf den Weg zum Tagesziel, dem St Mary’s Campground am East Entry. Ein junger Ranger sitzt im kleinen Häuschen und begrüßt uns herzlich. Ob wir schon einmal im Nationalpark gecampt haben will er wissen. „Nein? Okay, dann nehmt das mit den Bären ernst, wir bekommen hier jede Nacht Besuch von mindestens einem. Und vor einer halben Stunde ist einer hinter der Registrierung aufgetaucht.“ Eine bessere Werbung für das Bear Spray, das nun an meinen Gürtel wandert hätte es nicht geben können. „Ich bewach die Umgebung und du baust das Zelt auf, ja?“ scherze ich, aber ganz wohl ist mir noch nicht bei dem Gedanken, dass hier jederzeit ein Bär um die Ecke biegen könnte.

Nachdem das Zelt steht fischen wir noch ein wenig am Fluss und waten barfuß zur Mündung in den See. Wie immer, wenn wir in der unmittelbaren Nähe von Campingplätzen fischen, fangen wir nichts. Macht aber auch diesmal nichts, denn die Natur ist wunderschön.

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Nützliche Reisenotizen: 

  • Bear Spray kostet unterschiedlich viel, wichtig ist, dass es mit Tragetasche kommt, denn im Rucksack hinten ist er im Fall des Falles nicht sehr hilfreich. Wir haben 39USD gezahlt für den der Firma UDAP in dem kleinen Supermarkt am Weg in den Nationalpark in Hungry Horse. Die Broschüre die man dazubekommt wird auf der Website des Unternehmens recht gut widergespiegelt. Ob es wirklich notwendig ist bleibt offen. Mein Gefühl sagt: für Backcountry Wanderungen ja, für alles andere wohl eher nicht. Nicht blöd sind auch die kleinen Glocken um ständig ein Geräusch zu erzeugen und so dem Bär die Chance zu geben abzuhauen um böse Überraschungen zu vermeiden. In Apgar kann man es auch um 5USD pro Tag mieten…
  • Wanderungen: Avalanche Lake und Hidden Lake sind wohl die beliebtesten Wanderwege, es gibt aber auch Shuttle Service im Park. Wenn man besser vorab plant könnte man mit einem Hiker-Permit locker eine 2 Tageswanderung mit Übernachtung auf einem der Campingplätze machen und sich dann wieder zum Auto shutteln lassen.
    Im Nationalpark, bzw in St Mary und Many Glacier ist Essen teuer, am besten kauft man zB im Superfood 1 in Kalispell oder im Safeway oder Walmart in Polson ein vor dem Trip. In St. Mary Campground gibt es zudem keine Duschen, dafür ist gleich nebenan das Visitor Center beim Osteingang, wo es gratis schwaches Wlan gibt. Just in case.
  • Aktuelles: Auf der Website des Glacier Nationalparks findet man die aktuellen Infos, sowie im monatlichen Magazin, das man beim Eingang bekommt (25 USD pro Auto für einen 7-Tagespass). Abends finden in den Campingplätzen sogenannte Ranger-Talks statt – wirklich nett gemacht, für Kinder und Erwachsene.
  • Diese Umrechner App ist gratis und besitzt die Grundfunktionen zum Umrechnen zw. Kilometer und Meilen sowie Celsius/Fahrenheit.

 

Der Oregon & Montana Roadtrip wurde von diversen Partnern unterstützt. Alle Eindrücke und Meinungen blieben wie immer meine eigenen. 

 

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