Südtirol | Hotel Pragser Wildsee

Ein Besuch im einmaligen Grandhotel am Pragser Wildsee in Südtirol. Eine Reise in eine andere Zeit, die man erstaunlich schnell ins Herz schließt und die einlädt zu verweilen. Sommerfrische am See, wie damals.   

Beim Betreten des Hotels fühle ich mich an das Haus meiner Großeltern in Wien erinnert. Alles hier ist alt, aber gleichzeitig gut erhalten und anders als im Museum gibt es hier keine Absperrung. Man darf sich also ruhig setzen – auf die alten Thonet Sessel oder die stilsicher ausgesuchten Couchen im Cafe. Als wir an die Rezeption treten bewegt sich etwas rechts von mir am Boden. Ein großer Berg schwarzer Haare in der Größe eines Schwarzbären. Müde hebt der vermeintliche Bär seinen Kopf und lässt ihn nach einem kurzen Blinzeln wieder nach unten fallen. Happy ist hier der Haus und Hofhund und schon recht alt. Neue Gäste bringen ihn sicherlich nicht aus der Ruhe.

Als wir einen Blick in den Speisesaal werfen bereue ich es sofort, dass wir ausgehungert von der langen Wanderungen bereits am Weg für eine Pizza gestoppt haben. Allein das Ambiente hier zu dinieren, den Tag Revue passieren zu lassen und sich verköstigen zu lassen, würde mir gefallen. So wird es ein Gläschen Rotwein am Balkon des Zimmers, das direkten Blick auf den See bietet.

Wir schlafen in Terence Hill seinem Zimmer. Also dem Zimmer in dem er mal genächtigt hat, als hier die italienische Serie „Un passo di Cielo“ gedreht wurde vor einigen Jahren. Mehrere Monate dauerten die Dreharbeiten, es muss ihm also gefallen haben. Mir gefällt es auch sofort. Die gepolsterten, doppelten Zimmertüren, die noch von früher erhalten ebenso wie der Waschtisch mitten im Zimmer. Das Bad hingegen ist modern und wurde neu gemacht, alles andere wirkt wie aus früheren Zeiten. Ist es auch, bestätigt die Hotelchefin Caroline Heiss. Das Hotel, das bis heute im Familienbesitz ist, will es auch weiterhin bleiben und so werden die Zimmer eben nach und nach renoviert. Ganz vorsichtig, denn den alten Charme möchte man erhalten. Und der kommt mit den Details. Der dezent bemalten Wand, dem Waschtisch, den zusammengeschobenen Betten, die als Doppelbett dienen oder auch dem mit Herzen und Edelweiß bedrucktem Papier, das als Einlage im Schrank und in der Lade des Nachtkästchens dient.

Unplugged am Pragser Wildsee

Der Handyempfang springt hin und her, für den meiste Zeit verabschiedet sich das Netz. Wlan gibt es zwar, aber es funktioniert derzeit nicht. Schlimm finden das maximal einige Hotelbesucher, so richtiges Verständnis hat man im Hotel aber nicht dafür. Immerhin wohnt man in abgelegener aber exzellenter Lage, da kann so ein bisschen Internet doch nicht so wichtig sein. Bis vor einigen Jahren gab es hier auch keine Fernseher auf den Zimmern. „Früher,“ erzählt die Hotelbesitzerin,„saß man Abends noch in zusammen und unterhielt sich. Heute gehen alle nach dem Essen auf ihr Zimmer oder schauen auf ihr Handy“.

Man kann es sich richtig vorstellen, wie es damals hier zugegangen ist. Und ein bisschen wünsche ich es mir für diesen Ort, dass es einiges Tages wieder so wird. Ein herrliches Ambiente um bei einem Gläschen Wein und vielleicht ein wenig Musik einen Abend im Urlaub am See zu genießen und mit den Zimmernachbarn zu plaudern. Aber auch mit aufflackerndem Handyempfang lässt es hier gemütlich machen. Im alten Schrank gibt es eine Auswahl an Literatur über die Kultur der Region und ihre Berge.

Geheimnisvoll, wunderschön und alt im allerbesten Sinne 
Geheimnisvoll, wunderschön und alt im allerbesten Sinne

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Das Zimmer im Hotel am Lago die Brais 

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Eine wilde Geschichte

Am 10. Juli 1899 wurde das Hotel eröffnet. Bald kamen die ersten Gäste, viele aus aristokatischen Kreisen der Donaumonarchie. 1906 besuchte die Erzherzogin Marie Valerie von Österreich, die jüngste Tochter von Kaiser Franz Joseph, das Hotel am Pragser Wildsee. Zwei Jahre später kehrte sie wieder, diesmal mit ihrem Mann Erzherzog Franz Salvador.

Ein paar Tafeln rund um den Computer, der heute ohne Internet auskommen muss, erzählen die Geschichte des Hotels und seine Rolle im zweiten Weltkrieg. Die Hotelbesitzerin Emma Heiss-Hellenstainer nahm damals prominente SS-Geiseln nach ihrer Befreiung auf und half ihnen am langen Weg zurück in die Freiheit. Es waren die ersten Tage in Freiheit für ua. Dr. Kurt von Schuschnigg (bis 1938 österreichischer Bundeskanzler) mit seiner Ehefrau Vera und Tochter, sowie Angehörige der Familien Goerdeler und Stauffenberg. Insgesamt waren es 139 Häftlinge die im unweit entfernten Niederdorf ankamen. Noch heute besuchen Nachkommen der damaligen Hotelgäste immer wieder das Hotel.

Jedes Stück erzählt eine Geschichte

Man wünscht sich als Gast einen Audioguide, der auf Knopfdruck alles an verfügbarer Geschichte abspielt. Zum Beispiel auch zu den ausgestopften Tieren, die im Frühstückssaal die Wände zieren. Oder der hübschen Deckenmalerei, oder auch den großen Bildern im Vorraum. Alles hier ist mit dem letzten Jahrzehnt eng verbunden und es ist eine Freunde die Dinge zu entdecken.

Und weil Entdecken hungrig macht, sollte man hier immer genug Zeit für das Frühstücksbuffet einplanen. Das ist zwar nicht unendlich groß, bietet aber viele Köstlichkeiten aus Italien, wie Ricotta und Hartkäsesorten, Speck, Schinken, Butter, Müsli, Joghurt, frische Eier, ein Stück Kuchen zum Cappuccino oder ein italienisches Cornetto (Croissant).

 

Wer hier nächtigt sollte sich eins nicht entgehen lassen: eine Bootsfahrt am Pragser Wildsee. Auch wenn das Wetter mal nicht so recht mitspielen möchte. Der Blick vom See auf das Hotel und die Anlagen daneben samt der kleinen Kapelle am Seeufer, wirken vom Wasser aus nochmal märchenhafter.

Bootsfahrt im Regen 

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„Der Pragser Wildsee ist so schön, so vielfältig und allseits schön; er ist so abwechselnd in seinen Reizen, dass ihn keine Reklame je wird schildern können, so wie er wirklich ist. Kein Fotograf wird ein annähernd vollkommenes Bild davon machen.“
Pfarrer Anton Schwingshackl, St. Veit

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Wunderschön, alt und voller Geschichten

Wer den Pragser Wildsee besucht, sollte auch eine Nacht im Hotel direkt am Seeufer einplanen. Am besten reserviert man ein Zimmer mit Seeblick und nimmt sich abends und morgens Zeit den See zu erkunden, beobachten und einfach die Füsse darin zu erfrischen. So vermeidet man die Touristenmengen, die untertags hier umherwuseln. Tipp: Am besten vorher gleich offline melden, dann erspart man sich die Suche nach einem Handynetz und kann die Zeit in vollen Zügen genießen!

Preise Sommer 2016 Pro Person und mind. 3 Tage, zB:
Hochsaison (3.8.-23.8.) 98€ Premium Doppelzimmer
Standard Zimmer (mit Blick zum See): 92€, Suite mit Seeblick: 130€
Nebensaison ab 62€ im einfachen Doppelzimmer
Winterpreise: ab 52€ im Doppelzimmer mit Bad

Alle Preise sind inkl. Frühstück und Abendessen! (Halbpension)

Wertung 

Grandhotel-Charme: ★★★★★
Lage: ★★★★★
Frühstücksbuffet: ★★★★

HOTELTIPP: Das alte Grand Hotel am Pragser Wildsee in Südtirol - Drei Zinnen Region.

www.lagodibraies.com

 

 

Auf Einladung, danke! 

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