Igluübernachtung auf der Zugspitze

“Wie man sich bettet, so schläft man.”

Mir ist kalt, alles ist weiß und vom Himmel sausen dicke Schneeflocken in Windeseile herab, die der Wind – kaum am Boden angekommen – auch schon wieder weiterverschleppt. Es gibt aber dennoch drei Gründe warum mir das nichts ausmacht.

Erstens ist Montag und statt in meinem Bett nach einem langem Arbeitstag befinde ich mich auf über 2000m in einem Igludorf, zweitens gibt es gleich Schweizer Käsefondue und drittens wartet danach nicht nur ein Kirschwasser auf mich sondern auch ein Sprung in den heißen, sprudelnden Whirlpool. Also ziehe ich mir einfach noch Pullover über und hole mir noch eine Tasse Tee. Davon gibt es hier soviel man will und braucht gratis. Martin, einer der Guides hat aber noch einen Geheimtipp: die heiße Schokolade mit Schuss. Die schmeckt nicht nur gut und süß, sie wärmt auch. Lumumba oder war’s Lumbumba? Egal, Hauptsache noch eine davon.

Käsefondue gehört hier fix zum Programm.
Käsefondue gehört hier fix zum Programm. Lactosefrei übrigens.
Warme Decken für erfrorene Iglubesucher.
Warme Decken für erfrorene Iglubesucher.
Darf's noch ein Lumumba sein?
Darf’s noch ein Lumumba sein?

Voll retro, voll modern

Vor 10 Jahren waren Iglu-Übernachtungen noch Alpinisten mit Abenteuerlust und echten Eskimos vorbehalten gewesen. Doch dann wurden die weißen Schneewelten von der Tourismusbranche für sich entdeckt und Dank ausgetüftelter Techniken müssen die Igluhotelbetreiber nun nicht mehr Ziegel für Ziegel ihre Unterkünfte jedes Jahr aufbauen, sondern können sich auf aufblasbare Ballons, einer Menge Schnee und einiges an Schaufelmannkraft verlassen. Immer noch eine Menge Arbeit, die einige Woche am Saisonbeginn hier auf der Zugspitze in Anspruch nimmt. Mit Silvester hat dieses Jahr dann das Igludorf seine Türen geöffnet und hofft sie bis April offen zu halten.

Nachdem der Rohbau steht kommen die Schnitzer aus dem Tal auf den Gletscher und shapen das Iglu innen mit viel Talent und Kunst. Jedes Jahr gibt es ein anderes Thema, 2014 ist es die Karibik und mein Schlafraum wird von einer riesigen Pina Colada geschmückt.

Dieses Iglu schmückt ein Krokodil.
Dieses Iglu schmückt ein Krokodil.
Ja, Klo gibt es auch. Das sieht dann so aus. Nur Spülung gibts leider keine, die würde einfrieren.
Ja, Klo gibt es auch. Das sieht dann so aus. Nur Spülung gibt’s leider keine, die würde einfrieren.
Der Hotelgang zu den Zimmern in weiß.
Der Hotelgang zu den Zimmern in Weiß.

Die hätte ich etwas später im Whirlpool auch gerne. Auf den Sternenhimmel müssen wir verzichten und nehmen stattdessen mit Frau Holle Vorlieb, die uns ihre Flocken um die Ohren weht. Wer will springt zur Abkühlung in den Schnee. Wer nicht will heizt sich einfach solange auf, bis er bereit ist die eigentlich Hauptattraktion zu begehen: die Übernachtung.

Den Gästen werden dicke Expeditionsschlafsäcke zur Verfügung gestellt. Die sind so dick, dass garantiert niemand kalt wird. Ganz so kalt ist es im Iglu auch gar nicht, um die 0 Grad hat es. Eine angenehme Schlaftemperatur. Wäre da nicht die Nase des menschlichen Körpers so ungeschickt abstehend angelegt, würde man auch komplett warm bleiben. Aber nicht-atmen ist nun mal keine Option.

Die angenehme Schlaftemperatur ist natürlich subjektiv 

Beim Einschlafen bin ich ganz froh alleine hier zu sein, ein bisschen neidisch war ich bei der Schlafsackvergabe im circa 300m entfernten Restaurant am Nachmittag schon. Die meisten der regulären Besucher hier sind nämlich „Romantiker“. Ein Iglu-Romantiker zeichnet sich hier durch sein gebuchtes Paket, ein Doppelzimmer, ein ankuppelbarer Schlafsack und auf Wunsch auch ein zwei Personen Innenschlafsack aus. Oder man nimmt getrennte Innenschlafsäcke, damit die Romantik nicht Überhand nimmt. Schwitzen ist im übrigen keine gute Idee, dann kühlt man ganz schnell wieder aus und darf den Rest der Nacht dafür mit kaltem Schweiß büßen. Nun gut, alles Probleme, die sich mir nicht stellen. Ich bin ja schließlich alleine in meinem Innen und Überschlafsack und muss mich nur mit meinem eigenen Körperteilen absprechen, wobei meine Nase immer mehr droht sich der Temperatur der ewigen Baumasse anzugleichen.

Irgendwann schlaf ich dann doch ein und wache erst wieder auf, als einer der Guides uns weckt. Zum Aufwachen gibt es Kräutertee. Der schmeckt und fährt wie zehn Ricola-Bonbons, die in einem Becher mit heißem Wasser aufgelöst wurden. Da kommt der Kreislauf in Schuss und auch die Blase will entleert werden. Gottseidank ist die Toilette unweit entfernt – und sie hat sogar eine Klobrille. Nur die Spülung bleibt aus, die würde schließlich nur zufrieren.

Warmes Schuhwerk wie Snowboardboots eignen sich gut für eine Igluexkursion.
Warmes Schuhwerk wie Snowboardboots eignen sich gut für eine Igluexkursion.
Rückkehr aus dem Igludorf.
Rückkehr aus dem Igludorf.
Morgens bei Schlechtwetter ist es hier recht einsam.
Morgens bei Schlechtwetter ist es hier recht einsam.

Statt Sonnenschein und Powder sieht es am nächsten Morgen draußen immer noch aus wie am Vorabend. Viel weiß und Schneesturm. Als wir etwas später zusammengepackt haben und zurück zum Restaurant stapfen, schwanke ich zwischen dem Gefühl einer kleinen Expedition beigewohnt zu haben und dem ein kleines Eskimo-Tourist im Frau-Holle-Land in weißen Socken zu sein. Ein wenig absurd ist es schon.

Nach dem Frühstück geht es auf die Piste, die letzten Kräfte als Erste auf der Piste verpulvern und dann… ja dann kommt das Beste: der Spa-Bereich des Hotels im Ort.

Talfahrt mit der Gondel.
Talfahrt mit der Gondel.
Blick aus der Gondel auf den Eibsee.
Blick aus der Gondel auf den Eibsee.
Zurück nach Garmisch-Partenkirchen geht es mit der Bayrischen Zugspitzbahn.
Zurück nach Garmisch-Partenkirchen geht es mit der Bayrischen Zugspitzbahn.

 

 

Offenlegung: Ich wurde der Tiroler Zugspitzarena und Garmnisch-Partenkirchen auf die Pressereise eingeladen, meine Eindrücke sind wie immer meine eigenen.   

 

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