Highlights in Namibia

Namibia Roadtrip

Meinen Traum von einer Reise mit Dachzelt durch Namibia gebe ich kurzerhand auf, als ich von einem namibischem Unternehmen das Angebot bekomme ihre neue Mietwagen-Route zu testen. Gondwana Collection gehörten mehrere Lodges im ganzen Land, geführt von Menschen, die ihr Land lieben und sich Gedanken um die Umwelt und Ausbildung ihrer Mitarbeiter machen. Das sagt mir zu. Und weil wir ohnehin nicht viel Zeit haben und dies unsere erste Afrikareise ist, kommt uns ein 10-Tages Roadtrip zu den Highlights gerade richtig.

Los geht es in der Kalahari, einer Trockensavanne, die gern als Wüste bezeichnet wird. Sie erstreckt sich über mehrere Länder im Süden Afrikas und nimmt den kompletten Südosten Namibias ein. Wie ich schon beim Segelflug über die Kalahari vor unserer Rundreise gesehen haben, stossen wir auch mit dem Geländewagen immer wieder auf rote Erde. Die ersten Wildschweine, Kühe und Esel queren unsere Wege und hinter den Zäunen entdecken wir die ersten Zebras und Gnus. Namibia ist durchzogen von Zäunen, Löwen und andere gefährliche Wildtiere können einem hier also nicht einfach so auf der Strasse begegnen.

Die Kalahari

Bei einem sogenannten Game Drive lernen wir das unmittelbare Land rund um unsere erste Unterkunft, der Anib Kalahari Lodge kennen. Wir befinden uns auch hier in einem eingezäunten Gebiet in dem sich Gnus, Antilopen, Springböcke, Zebras, Strauße und Giraffen tummeln. Letztere finden wir kurz vor Sonnenuntergang, darauf stossen wir mit einem Gin Tonic auf einer großen, roten Sandfläche an.

Nicht minder spektakulär ist die Sonnenuntergangsfahrt in der anderen große Wüste Namibias: der Namibwüste. Sie ist eine der ältesten Wüsten der Welt und grenzt direkt an den rauen – und von Schifffahrern gefürchteten – Atlantik. Dieses Ding mit dem Sundowner kurz vor dem Abendessen läuft bei uns. Hungrig fallen wir über das Buffet her und anschließend ins Bett.

Im Geländewagen zum Game Drive.
Im Geländewagen zum Game Drive am Rand der Namib Wüste.
Ndumba erklärt die Fauna und Flora - und weiß von so einigen Bushman Skills zu berichten.
Ndumba erklärt die Fauna und Flora – und weiß von so einigen Bushman Skills in der Kalahari zu berichten.
Zeit für den Sundowner.
Zeit für den Sundowner in der Kalahari.
Hoch auf dem Geländewagen… windet es ganz schön.
Hoch auf dem Geländewagen…

Sossusvlei – Wandern in der Mitte der Namib Wüste

Der nächste Tag startet früh. Viel zu früh für meinen Geschmack, aber wir wollen der Mittagshitze entkommen, die in der Wüste bereits am Vormittag zur Höchstform aufläuft. Noch im Dunkeln steuern wir das Gate zu Sossusvlei in Sesriem an und kommen tatsächlich einige Minuten zu früh an. Wir und alle anderen Wagen müssen warten bis ein extrem schlecht gelaunter Angestellter des Namib Naukluft Parks das Gate öffnet. Wir werden angewiesen erst bei unserer Rückkehr das Permit zu kaufen, seine Kollegen vom Schalter machen erst um 8 auf. Leider bedeutet das auch, dass wir hier erstmal keine weiteren Informationen bekommen über unser Tagesziel.

Am Ende des „Tals“ steigen wir für die letzten 5km um in einem Shuttelbus, der uns etwas vor dem Ziel aussteigen lässt. Wir wollen auf die höchste Düne, Big Daddy. Weil es die höchste ist und meine Freundin Kathi sie empfohlen hat. Wie oft bekommt man im Leben schon eine Düne empfohlen? Die Düne 45 lassen wir links liegen und auch Big Mamma bleibt hinter uns. Big Daddy haben wir in 45 schweißtreibenden Minuten bestiegen. Mittlerweile ist es 8 Uhr morgens. Jetzt bereue ich es, mein Sandwich nicht selbst gemacht zu haben. Was mir entgegen lacht, ist eine dicke Paprika-Extrawurst und die mag ich so gar nicht. Der Apfel rettet die Situation.

Big Daddy war eine gute Empfehlung. Der Abstieg ist schnell und sandig und führt direkt in die trockene Pfanne Deadvlei, hier stehen tote Akazienbäume. Ein surrealer Ort. Bis wir wieder am Shuttle-Parkplatz angekommen sind es ist 10 und die Sonne brennt ohne Erbarmen auf uns herab.

Auch wenn es barfuß möglich wäre, ich bevorzuge meine Schuhe.
Auch wenn es barfuß möglich wäre, ich bevorzuge meine super leichten Teva Arrowood Wanderschuhe. 
Es ist ein schweißtreibender Weg zum höchsten Punkt. Big Daddy.
Es ist ein schweißtreibender Weg zum höchsten Punkt. Big Daddy.
Deadvlei.
Deadvlei.

Am  Rückweg stossen wir das erste Mal auf eine deutsche Busreisegruppe, wie sie im Buch steht. Oder, wie wir sie in ein paar Tagen liebevoll nennen werden „unsere Sunshiners“. Die machen nämlich dem Klischee aus Tommy Jauds Buch „Hummeldumm“ allergrößte Ehre. Da gibt es jetzt aber nichts, drüber stehen weiterreisen heißt das Motto. Ein bisschen sind wir ja auch solche Hummeldumms, auch wenn wir es nicht gerne zugeben. Und uns zB mit alternativen Straßenrouten vehement dagegen wehren.

Abseits des Touristenpfades

Für den Weg nach Swakopmund wählen wir eine alternative Route. Wir lassen sogar den Kuchen an der Tankstelle in Solitaire links liegen, der in jedem einzelen Reiseführer empfohlen wird. Und so landen wir gut durchgeschüttelt abseits von Touristenpfad bei Gemsbockwater, ganz ohne andere Touristen. Später am Abend in Swakopmund treffen wir sie dann wieder, unsere Mitreisenden. Denn egal ob Selbstfahrer oder Gruppenreisenden, im Groben hat hier jeder den gleichen Reiseplan.

Was denn eigentlich das „Spiel“ auf der Speisekarte soll, will einer von uns wissen. Das Ehepaar ist ehrlich irritiert, aber das Rätsel können wir schnell aufklären. Game, so heißen auf Englisch nicht nur Spiele sondern auch das Wild. Und davon gibt es in Namibia fast immer etwas auf der Speisekarte.

Swakopmund – Ein Stadttag

In Swakopmund kaufen wir ein. Fünf paar Schuhe werden es, denn Schuhe aus weichem Kudu Leder bekommt man in Namibia nur hier. Vellies heißen die klassischen Farmarbeiter-Schuhe, die bis nach New York geschafft haben. Dort kostet ein Paar, das unter dem Label Brother Velly verkauft wird 235 USD, im Fabrikshop in Namibia sind es umgerechnet rund 30€ das Paar. Die Nachfrage ist groß und die Auswahl daher im Shop eher klein. Wir werden trotzdem fündig.

Vellies aus Kuduleder.
Vellies aus Kuduleder.
Das Museum in Swakopmund.
Das Museum in Swakopmund.
Hartgesottene Sonnenanbeter am Strand in Swakopmund.
Hartgesottene Sonnenanbeter am Strand in Swakopmund.
Schwarzwälder Kirschtorte in Walvisbay.
Kaffee und Schwarzwälder Kirschtorte – Hallo, Namibia!

Die Küstenstadt Swakopmund selbst ist liebt bei den Namibiern. Hier ist es das ganze Jahr über kühl und oft bewölkt, eine willkommene Abwechslung in Afrika. Etwas befremdlich sind die vielen deutschen Schilder, die man bei einem Stadtspaziergang sieht. Damit fällt es mir etwas leichter mir vorzustellen, wie es vor über 100 Jahren hier wohl zugegangen ist, als Namibia noch deutsches Kolonialgebiet war und Deutsch-Südwestafrika hieß. Wir lachen, wundern uns und sind uns schnell einig, dass wir hier sicherlich nicht wohnen würden wollen. Trotzdem genießen wir die Autofahr-Pause und schlendern durch die Straßen.

Ich genieße den morgendlichen Nespresso im modernen Hotelzimmer des Delight Hotels, wir essen frischen Fisch im Tug und im Fishdeli  (Sushi sogar!), und wir sammeln Kräfte für die lange Autofahrt am nächsten Tag.

Ein ungewöhnlicher Tag in Afrika.

Die Skelettküste

Statt direkt ins Damaraland zu fahren, steuern wir den nördlichsten Punkt im Skeleton Nationalpark an: Torra Bay. Am Weg machen wir Halt bei den brüllenden – und stinkenden – Seehunden am Cape Cross. Wir sehen kurz davor zwei Schakale und auch eine Hyäne kreuzt unseren Weg. Sie sind – neben den Menschen – die größten Feinde der Seehunde. Vor allem jetzt, wo die Neugeborenen das Licht der Welt erblicken. Die Skelettküste heißt übrigens so, weil hunderte Schiffwracks hier liegen. Einige davon kann man von der Straße aus sehen und sich freuen, nicht als Seefahrer unterwegs zu sein, sondern als ganz normaler Tourist mit Geländewagen. Die Sunshiners, welche wie sie mittlerweile entpuppt hat, die gleiche Reiseroute haben, haben wir für den Großteil dieser Strecke übrigens abgehängt.

Seehunde und ihr Nachwuchs am Cape Cross.
Seehunde und ihr Nachwuchs am Cape Cross.
Salzkristalle gibt es am Straßenrand zu kaufen.
Salzkristalle gibt es am Straßenrand zu kaufen.
Die Skelettküste hat schon viele Opfer gefordert.
Die Skelettküste hat schon viele Opfer gefordert.

Die Fahrt erscheint endlos, in der Wüste im Norden sehen wir kaum Tiere. Die Wüstenelefanten sind vor einigen Tagen durchgekommen, doch außer ein paar Haufen Elefantenkot, bekommen wir sie nicht zu Gesicht. Im Radio hören wir einige Tage später, dass eine Herde ein Dorf verwüstet hat. Allerdings in der Omusati Region weiter nördlich. Immer wieder entflammt die Diskussion darüber wo die Elefanten sein dürfen und wo nicht. Als Dorfbewohner, der seine Existenz bedroht sieht und und aus Sicht der Tierschützer. Uns jedenfalls haben die hier lebenden Herden in diesen Tagen den Rücken gekehrt. Oder, vielleicht wollen Sie auch nur sagen: kommt mal wieder.

Twyfelfontein

Welche Tiervielfalt früher in dieser Region gelebt hat, zeigen die Felsbilder in Twyfelfontein, was auf Afrikaans soviel heißt wie „zweifelhafte Quelle“. Die Quelle ist tatsächlich eher zweifelshaft, aber für eine durstige Wüstenratte führt sich gerade richtig viel Wasser. Die Felsbilder selbst können nur mit Guide besucht werden. Unserer heißt Deon. Deon ist ein sehr aufrecht gehender Mann, der über den Dingen zu stehen scheint. Mehrmals täglich erzählt er das gleiche und trotzdem scheint er seine Worte weise zu wählen. Als ein polnischer Tourist, der für seine Daheimgeblieben jeden Felsen filmt, ihn bittet auf ein paar Worte in der Klicksprache zu sagen, kommt er so richtig in Schwung. Da muss der Pole jetzt durch, denn so eine Ansage mit „Klick“ braucht seine Zeit.

Am Weg zu den Felsbildern.
Am Weg zu den Felsbildern.
Twyfelfontein
Twyfelfontein
Hallo, Giraffe!
Hallo, Giraffe!

Im Etosha Nationalpark

Die letzten Tage verbringen wir am Rande des Ethosha Nationalparks. In der Hotelanlage, zu der Lodge und Camp zählen, gilt auch hier ein Templimit von 40km/h, wegen der Tiere. Und davon sehen wir gleich mehrere in Form von einer Gruppe an Giraffen. So nahe sind wir ihnen bisher noch nie gekommen wir hier. Sie fressen unbeeindruckt weiter.

Zebra Nachwuchs in Etosha
Zebra Nachwuchs in Etosha
Auf der Salzpfanne darf man auch mal aussteigen.
Auf der Salzpfanne darf man auch mal aussteigen.

Etosha selbst ist riesig und die Empfehlung niemals aus dem Auto zu steigen wegen der gefährlichen Raubtiere, muss man gleich beim ersten Klo-Stop nicht ganz so ernst nehmen. Denn irgendwer muss das Tor zum sicheren Ort ja schließlich öffnen. Ich, als Löwe, würde mich genau hier platzieren. Aber Gott sei Dank denken Löwen wohl anders, denn wir bekommen keinen zu Gesicht. Dafür jede Menge Tierbabies: Straußenbabies, Zebrafohlen, Gnu Kleinkinder, usw. Und zwei Nashörner sehen wir auch. Ein steht unter einem Baum und bewegt sich kaum. Ob es wohl glaub gut versteckt zu sein? Nashörner sind schlechten Augen und hie und da schlechte Laune bekannt. So gern ich das Tier näher sehen würde – ein bisschen froh bin ich auch, dass es sich einfach nicht weiterbewegt. Also fahren wir weiter.

Knappe 2 Wochen  in Namibia sind um. Am letzten Tag fahren wir nur mehr zurück nach Windhoek, geben das Auto zurück und fahren direkt zum Flughafen. Zum Abschied leuchtet die Sonne noch einmal in voller Pracht durch die Fensterscheiben der Wartehalle am Abflugsgate und ich weiß schon jetzt: ich werd sie vermissen.

 

Mehr über Namibia, ein paar praktische Reisetipps, Hotels und weitere Eindrücke findet ihr in Kürze hier am Blog!

 

Danke an Condor und Gondwana Collection für die teilweise Unterstützung dieser Reise! Condor fliegt zweimal die Woche direkt von Frankfurt nach Windhoek, einmal die Woche ab München. Gondwana Collection besitzt mehrere Lodges in Namibia und stellt mit dem neuen Go Epic Namibia Paket ihr erstes Produkt auf den Markt, bei dem Mietwagen und Unterkunft gleichzeitig gebucht werden können.

 

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