Neuland Gambia: Reisevorbereitungen für Westafrika

„Kohletabletten, eine 30er Sonnencreme und einmal No Bite für die Kleidung“ lese ich der Apothekerin von meiner Liste runter.

„Wohin geht’s denn?“

„Gambia.“

“ Ah“ sagt die Dame im weißen Kittel und schaut mich leicht verlegt an. „Und wo ist das nochmal?“

„In Westafrika, beim Senegal!“ sage ich wissend und bin heimlich ein wenig froh, dass das hier niemand so genau zu wissen scheint. Ich wusste es damals, als die Idee aufkam nach Gambia zu reisen auch nicht. Das ist inzwischen aber immerhin einige Monate her.

Packen kann auch Vorfreude bereiten.
Packen kann auch Vorfreude bereiten, vor allem wenn man schöne Dinge einpackt.*

Ich komme mir ein wenig so vor, wie als würde ich auf eine Expedition in die Wildnis aufbrechen und gerade Material einkaufen für einsame Tage in der Wildnis Afrikas. Tatsächlich wird mein erstes Afrika-Erlebnis allerdings eine organisierte Pressereise sein.

Exotisch klingt Gambia trotzdem für mich, trotz Warnungen vor Engländer und Holländermassen und großen Hotelanlagen an Stränden, die von Straßenverkäufern belagert werden. Und dann wäre da noch ein Krokodil-Pool von dem ich mich fern halten werde, soll er doch Kindersegen bringen. 

Da bin ich mit Rucksack und Nokia 3310 einmal um die Welt gereist, hab ich wackligen Hütten am Strand geschlafen und bin alleine durch Nationalparks gestapft und werde trotzdem nervös bei Gambia. 

Afrika ist Neuland für mich

Da braucht man andere Impfungen, es werden andere Sprachen gesprochen, die politische Situation sollte einen interessieren und schon jetzt mach ich mir Gedanken, wie die Menschen dort wohl aussehen und wie sie auf mich, das große, blonde Mädchen reagieren werden. Haare können unten Turbanen verschwinden, aber meine Hautfarbe wird wohl immer hervorblitzen.

Neues Land fordert neue Reisevorbereitungen

„Um Himmelswillen Kind, da gibt’s Malaria!“ Die erste Reisewarnung kommt wie gewohnt von meiner Mutter. Genauer gesagt kommt sie per Post mit meinem Visumantrag, den sie für mich in Wien erledigt hat und wenig später auch per Telefon. Am Konsulat in Wien wurde Sie gewarnt und ihr die prophylaktischen Pillen ans Herz gelegt. Das Problem dabei sind für mich aber die Nebenwirkungen und, dass sie keine 100% Sicherheit bieten. Malaria kann man trotzdem bekommen nur verläuft dann die Krankheit etwas sanfter.

Visumsantrag für Gambia.
Visumsantrag für Gambia in Österreich.

Mein erster Anti-Malaria-Plan besteht daran mich mit Insektenspray einzudecken und hier fahre ich eine dreibeinige Strategie: 1. Insektenspray für die Haut von No Bite, 50 Deet. 2. Insektenspray für die Kleidung, ebenfalls von No Bite. Mit beiden habe ich bereits gute Erfahrungen in Südostasien gemacht. 3. ein billiges Insektenraumspray, dass ich mir wohl erst vor Ort zulegen kann, mit dem ich den Schlafraum vorm Abendessen gehen aussprayen kann um mögliche Bösewichte zu vernichten.

Da Anfang Juni die Regenzeit in Gambia anbricht nehme ich Malerone (bzw. das Generika von Malerone, das etwas billiger ist) auf in meine Packliste.

Gelbfieber-Schreck

Über meine Recherchen lande ich bei einer Liste an Krankheiten gegen die man sehr wohl impfen kann. Also krame ich meinen Impfpass raus und überprüfe Abkürzungen von Impfpräparaten auf ihre Haltbarkeitsdauer. Das einzige was fehlt ist Gelbfieber. Da man Gelbfieber in Österreich nur in wenigen Zentren impfen lassen kann um eine gültige Bestätigung zu bekommen (was sich durchaus rechnet, die Impfung hält mind. 10 Jahre und es gibt Länder wo sie gesetzlich vorgeschrieben ist), suche ich mir eine der Gelbfieberimpfstellen in Innsbruck heraus: die Gemeinschaftspraxis für Reisemedizin von Dr Christina Jamnig und Dr Anton Petter, die sind sogar auf Facebook verteten. Like. 

Reisemedizin und die Sache mit dem Impfen

Also rufe ich dort an und vereinbare noch am gleichen Tag einen Termin für die Gelbfieberimpfung nach einer kurzen telefonischen Beratung. Abschließend erkundige ich mich noch was die Impfung kosten wird: 61€.  Ich werde von Hr. Dr. Petter empfangen und auf meine Aussage, dass ich für die Gelbfieberimpfung da bin fragt er mich auch sofort ob ich auch Malaria Prophlaxe nehme. Ich erkläre ihm, dass ich mich noch nicht entgültig entschieden habe, worauf hin er alle Impfungen durchgeht und mit Masern/Mumps/Röteln, sowie Menigokokken ebenfalls ans Herz legt. Zweimal muss ich versichern, dass ich nur für Gelbfieber hier bin bevor ich die Impfung bekomme. Wobei es für Gambia nicht vorgeschrieben ist. Was mit der Arzt übrigens nicht glaubt (eigentlich auch vollkommen irrelevant ist, weil ich ja dafür hier bin) und sicherheitshalber nochmals in seinem fetten Wälzer nachschlagt.

Als ich im Warteraum zur Kasse gebeten werde zahle ich dann 22€ mehr für die Beratung. Worauf hin ich mich ziemlich grün und blau ärgere, hätte ich das gewusst, hätte ich den Arzt wahrscheinlich noch eine Stunde Löcher in den Bauch gefragt. So habe ich mich extra zurückgehalten. Würde ich jedes Mal 22€ verlangen, wenn mich wer nach Reisetipps fragt, würde ich auch nichts anderes mehr machen. Naja, nicht nur in fremden Ländern muss man sich über versteckte Kosten ärgern. Wobei es hier ja auch keine Sprachbarriere gibt und man mich ja durchaus kurz informieren hätte können. Unlike.

Schlussendlich landen eine Menge Dinge auf meiner Packliste für Gambia Mitte Mai 2014, nach der Reise gibt es die dann auch hier am Blog samt Ergänzungen.

Woher nimmt man eigentlich die Informationen?

Ich checke meistens zuerst online die Website des Österreichischen Aussenministeriums für spezifische Reisebestimmungen. Immer hilfreich ist einen Gegencheck mit dem Schweizer Pendant, hier werden Warnungen oft weniger hysterisch ausgesprochen. In Bezug auf Reiseführer bin ich noch auf keinen grünen Ast gekommen, meistens ist Gambia nur in Senegal-Reiseführern zusätzlich inkludiert.

  • Eine exzellente Quelle an Reisetipps ist der englischsprachige Gambia Blog www.thegambiablog.co.uk
  • Kate, eine der Autorinnen, hat auch einen eigenen Blog mit guten Informationen: travelwithkat.com
  • Die beiden Deutschen von reise-geil.de waren auch schon in Gambia, ihre Erzählungen sind eher ernüchternd
  • Seit Anfang Mai gibt es eine offizielle deutsche Seite von Gambia Tourismus: www.visitthegambia.de  
Das Konsulat von Gambia in Wien 23.
Das Konsulat von Gambia in Wien 23.

Gambia Visum in Österreich beantragen

Das Visum kann man am Konsultat recht einfach für 52 Euro beantragen. Entweder per Post oder persönlich, wobei das Konsulat sehr spärliche Öffnungszeiten hat. Aktuell findet der Parteienverkehr nur Di, Mi und Do von 9.00 – 12.00 Uhr statt. Das entsprechende Formular bekommt man per Email zugeschickt, wenn man sich an gambia@aon.at wendet.

Sonstiges

Irgendwas hab ich bestimmt vergessen. Irgendwas vergess ich immer. Nur was ist es diesmal?

So, und nun ist der Tag gekommen. Der Tag vorm Abreisetag. Ich bin alles noch einmal durchgegangen, habe meine Kleidung mit No Bite besprayt, sämtliche Akkus geladen und Ladegeräte parat gelegt. Sogar online bin ich nun bereits eingecheckt. Morgen in der Früh um 4:40 geht’s los. Auf ins Neuland Gambia!

Auf Facebook, Twitter und Instagram könnt ihr mich die nächste Woche über live begleiten.

EDIT: Nach der Reise habe ich meine Gambia Packliste noch einmal überarbeitet und hier online gestellt.

 

 

 

*Auf dem ersten Bild zu sehen: Wasserfeste Mawaii Sonnencreme 30, No Bite Insektenspray gegen fiese Stechmücken, Ray-Ban Wayfarer, Casio Fake-Uhr aus Spanien, Stirnlampe Tikka 2 von Petzl, sollte mal der Strom ausfallen. 

 

 

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5 Comments

    • Danke, Ulrike! Warum sollten sie denn nicht mehr helfen? Ich hoffe mal sie bleiben die gesamte Reise hinweg in der Reiseapotheke und werden nicht benötigt…

  • Hi,
    ich könnte wetten, Du willst hinterher sofort noch einmal auf eigene Faust hin. :)
    Was die Malariaprophylaxe angeht: Ich würde sie nicht nehmen. Das ist meine ganz persönliche Erfahrung aus Ostafrika und total unwissenschaftlich, also bitte nur als Hinweis verstehen. ;) Als ich mit einer recht großen Gruppe dort war, haben Dreiviertel der Leute (wir haben unterschiedliche Präparate genommen) über leichte bis relativ schwere Nebenwirkungen geklagt, es ging meistens um Niedergeschlagenheut und Depression – total unschön.
    Außerdem hast Du verdammt Recht: Man ist ja dennoch nicht geschützt, und tatsächlich bekam einer von uns eine relativ schwere Form. Vor Ort kennen die Ärzte sich aber super aus, das habe ich auch von vielen anderen gehört, die können in der Regel Malaria binnen kurzer Zeit feststellen, während ein Berliner Tropeninstitut immer noch 3 Tage dafür braucht. Wir waren im tiefsten Hinterland und der Arzt hat den Betroffenen 1A behandeln können. Ich werde beim nächsten Mal sicher keine Prophylaxe nehmen.
    Beste Grüße und furchtbar viele tolle Eindrücke
    /inka

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