Sommertage im Süden Finnlands

Kimitoön ist die größte Insel entlang des südlich Archipels und was man hier vorfindet kann man getrost (wenn auch geographisch inkorrekt, die „echte“ Pampa liegt in Südamerika) Pampa nennen. Dalsbruk (auf finnisch auch Taalintehdas, aber das wird kompliziert bei der Aussprache), ist einer der größeren Orte hier und besteht aus einer geschlossenen Stahlfabrik, zwei Supermärkten, zwei Restaurants, einer Burger Bude und einem „Alko“, dem staatlichen finnischen Alkoholmonopol. Und einem kleinen Keramikstudios mit Ferienwohnungen, hier werden wir drei Blogger aus drei Nationen untergebracht. Es ist eine illustre Runde, und unsere drei Tage „Schnupperkurs für finnischen Sommerurlaub“ versprechen bereits in den ersten Stunden eine gewisse Skurrilität.

In der Tourismusinformation im Ort werden unsere Fragen mit wenigen englischen Worten beantwortet und mit einigen finnischen/schwedischen Flugblättern haben wir den Laden einige Minuten später wieder verlassen. Offenbar gibt es hier nicht viele internationale Touristen. Toll, von genau diesen Orten schwärmen wir doch immer? Oder war das nur Angeberei?

Auf Entdeckungstour

Der von Hand gezeichnete und mit einem Schwarz-Weis-Kopierer kopierte Plan erklärt uns den kleinen Wanderweg hinter dem Museum, das es hier auch gibt. Unsere Vermieterin hat uns geraten alle Türen als Eingangstüren für das Museum in Erwägung zu ziehen, meistens sei man bei einer erfolgreich. Wir sind es nicht und begeben uns so auf unsere erste kleine Exkursion in die finnische Wildnis entlang des Wanderweges. 

Auf geht's auf Entdeckungstour.
Auf geht’s auf Entdeckungstour.
Na, wenn das nicht nach Mitbringsel schreit.
Na, wenn das nicht nach Mitbringsel schreit. Gesehen am Flohmarkt in der Stadt.
The Road to Nowhere.
The Road to Nowhere, dreimal rechts hinter dem Museum.
Alles was lebendig ist stört das Spiegelbild.
Alles was lebendig ist stört das Spiegelbild.

Ich kann mir nicht helfen, aber es hat keine 24 Stunden gedauert und ich fühle mich in einen Arto Paslinna Roman versetzt. Nun denn, ein Sommerurlaub, wie er im Buche steht, soll es werden. Am Morgen fahren wir mit den alten Rädern in den Ort, um im Supermarkt einzukaufen und den Nachmittag vertreiben wir uns auf dem kleinen Ruderboot. Marco, unser Italiener mit wachsendem Rudertalent, kutschiert uns mit stählender Geduld über die Kanäle zu einer kleinen Insel. Hier stecken wir die zuvor ausgegrabenen Regenwürmer auf unsere Haken und versuchen uns im Fischen. Die dicken Regenwürmer zuerst, die langen teilen wir, schließlich wollen wir viele Fische fangen.

Mit dem Ruderboot auf unsere eigene kleine Insel.
Mit dem Ruderboot auf unsere eigene kleine Insel.
Hooked. Dieser Regenwurm hat sein Leben leider umsonst geopfert.
Hooked. Dieser Regenwurm hat sein Leben leider umsonst geopfert.
Warum sind wir hungrig und die Fische nicht?
Warum sind wir hungrig und die Fische nicht?

Und so vergehen die Stunden. Langsam knurrt uns der Magen, leider nur uns, die Fische scheinen noch satt zu sein und lassen unsere hakendurchsetzten Würmer links und rechts liegen. Wahrscheinlich wissen die Fische mehr vom Fischen als wir. Man kann es ihnen nicht über nehmen. Ein gewisser Frust, der auch mit dem späteren Abendessen nicht gestillt werden kann, macht sich breit. Zeit das Nachtleben auf dem Land kennenzulernen.

Vom Nachtleben

Leider ist die heutige Abendveranstaltung 18 Kilometer entfernt und wir sind Autolos. Frohen Mutes ziehen wir erneut los, diesmal fischen wir am Strassenrand nach Mitfahrgelegenheiten. Und siehe da, endlich sind wir erfolgreich! Ein entzückendes, junges finnisches Pärchen nimmt uns doch tatsächlich mit und bringt uns sogar direkt zum Tanz. Ein kleiner Umweg sei es, und wir fragen lieber nicht nach wie viele Kilometer der schöne Mann hinter dem Steuern nun für uns  extra gefahren ist. Und er ist wirklich sehr schön zum Anschauen, jeden extra Kilometer.

Wer keinen Bus, kein Auto und kein Taxi hat, stoppt eben Auto. Wenn eins kommt.
Wer keinen Bus, kein Auto und kein Taxi hat, stoppt eben Auto. Wenn eins kommt.
Hier ist einfach den Altersdurchschnitt zu senken. Die Musik mit 10 Akkordeonspielern ist trotzdem schön
Hier ist einfach den Altersdurchschnitt zu senken. Die Musik mit 10 Akkordeon-Spielern ist trotzdem schön.

Der Ausflug mit den Himbeeren

Der nächste Tag ist ein Sonntag und wir sind zum Himbeeren pflücken auf einer Farm verabredet. Kasper, der Sohn der Familie ist ein herzlicher Mensch mit exzellenten Himbeer-Pflücking-Skills. Eifrig füllen wir unsere Behälter und spazieren gemeinsam mit anderen Gästen der Farm zum kleinen Cottage am Wasser. Nun kommen wir in dem Kapitel an, das meine Vorstellungen vom finnischen Sommerurlaub trifft und sogar übertrifft. This is the real deal, seid ihr bereit?

Rein ins Gestrüpp.
Rein ins Gestrüpp.
Eine Stunde, sieben Leute.
Eine Stunde, sieben Leute.

 

Ach Finnland <3.
Ach Finnland <3.

 

Ein Cottage, wie es im Buche steht.
Ein Cottage, wie es im Buche steht.

 

Ein Blick ins Cottage.
Ein Blick ins Cottage.

 

Hierher würde ich auch meine Freunde einladen.
Hierher würde ich auch meine Freunde einladen.

 

Pfannkuchen, Palatschinken, Pancakes. The best.
Pfannkuchen, Palatschinken, Pancakes. The best.

 

Finnland, so möchte ich dich in Erinnerung behalten.
Finnland, so möchte ich dich in Erinnerung behalten.

Das kleine Haus ist in den 80ern renoviert worden und hat sich seinen Charme beibehalten. Die Toilette ein Plumpsklo und das kleine Häuschen am Ufer – eine finnische Sauna. Es ist zwar schon 8:00 am Abend, aber die Sonne denkt noch nicht unterzugehen. Bei Tageslicht macht Kasper finnische Pfannkuchen und wir trinken Bier. Es ist schön hier Gast zu sein. Zum Essen wechseln wir dann die Bierdose mit einem Becher Milch, das traditionelle Getränk zu Himbeer Pfannkuchen, wie wir lernen.

Schwitzen, wie die Finnen

Nach dem Abendessen geht es ab in die Sauna. Und was für eine Sauna. Die heißeste Sauna meines Lebens. Und ich gehe gern in die Sauna, auch mit hartgesottenen Tirolern, die das Aufguss-Ritual zu zelebrieren wissen. Glücklicherweise mag ich’s heiß.

Heiße Sauna, kühles Nass.
Heiße Sauna, kühles Nass.

Nach 15 Minuten bin so aufgeheizt, dass ich im kalten See mehrere Runden drehe, bevor ich einen weiteren Aufenthalt im Schwitzraum wage. Wie gerne würde ich hier eine Woche verbringen. Sauna, Himbeeren und Pilze sammeln, ein wenig mit dem Boot rumfahren, schwimmen und vielleicht einen Roman schreiben. Doch bevor ich mir überlegen kann, wer in dem Roman welche Rolle übernehmen soll, müssen wir Abschied von diesem wunderschönen Ort nehmen.  Der Schnupperkurs geht dem Ende zu. Aber immerhin kann ich es  nun verstehen. Die Finnen, ihre kleinen Häuschen an wunderschönen Orten, die Einsamkeit, die Saunakultur und das Beeren sammeln. Es ist eine Tradition, die den Trend „zurück zur Natur“, „Lust aufs Landleben“ und dergleichen trifft. Wer es zuhause nicht hat, kann es sich hier im Urlaub holen. 

Und davon will auch ich mehr haben. Das nächste Mal. 

Sonnenuntergang zur Schlafenszeit.
Sonnenuntergang zur Schlafenszeit.

Offenlegung: Ich wurde von Finnland Tourismus auf diese Bloggerreise eingeladen. Alle Meinungen und wiedergegeben Eindrücke bleiben, wie immer, meine eigenen. 

 

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