Mit dem Expeditionsschiff nach Spitzbergen

Ich finde Zertifikate für Leistungen, die nicht so wirklich eine grandiose Leistung waren, unnötig. Aber manchmal durchaus amüsant. Mein Zertifikat aus Neuseeland auf dem mir die Spitzenleistung bestätigt wird die Kuh Lisi auf der Bühne im Agrodome Rotorua gemolken zu haben, zählt zumindest zu jenen, die ich aufgehoben habe. Zumal alle Asiaten in der Show blass vor Neid und grün vor Ekel dabei geworden sind. Was mich zu dem Zertifikat bringt das aktuell meine Schranktüre ziert:

Polar Hero Certificate
„for intrepidly entering the high Arctic, crossing 80 degrees North and connecting with their inner explorer“

Das klingt für mich wie eine absolute Meisterleistung, die trotz widrigsten Bedingungen erfolgreich geglückt ist. Dabei bin ich lediglich vier Tage auf einem alten Schiff gesessen, der MS Nordstejnen. Diese wurde nach dem Polarstern benannt und manövriert seit 60 Jahren in diesen Gewässern. Wenn also wer den Titel Polar Hero verdient hat, dann dieses Schiff.

Was mir an dem Zertifikat aber so gut gefällt, dass ich es trotzdem aufgehängt habe ist der Nachsatz „and connecting with their inner explorer“. Denn trotz Lachs zum Frühstück, einem schaukelnden Bett und Sekt am 80. Grad Nord ist auf dieser rauen Inselgruppe mein Sinn für Abenteuer geweckt worden. Ich habe das Wissen über die Insel und ihre Geschichte und Geschichten nur so aufgesogen. Aber seht selbst…

Spitzbergen mit der MS Nordstjernen 

Tag 1 – Longyearbyn nach Barentsburg

Nach einer kurzen Nacht in Longyearbyn geht es am Nachmittag los. Eigentlich heißt Spitzbergen Svalbard und nur wir kennen es fast ausschließlich als Spitzbergen. Dabei ist Spitzbergen streng genommen nur die größter der Inseln, die gesamte Inselgruppe heißt Svalbard. Und einen Teil davon werden wir nun in den kommenden vier Tage fernab von Handymasten und WLAN erkunden.

Am Weg nach Barentsburg sehen wir verlassene Häuser und es gibt das erste Mal eins der köstlichen Abendessen, die wir die nächsten Tage serviert bekommen. Recht spät erst erreichen wir die russische Siedlung. Hier gibt es keinen Flughafen, die Russen fliegen mit dem Helikopter von Longyearbyn ein. Es ist eine der zwei aktiven Steinkohleminen, in Longyearbyn wird derzeit nur für den Eigenbedarf abgebaut. Verkaufen wäre absurd weil der Preis niedriger ist als die Kosten des recht mühsamen und aufwendigen Abbaus. In Barentsburg wartet auch eine Folklore Show auf die Besucher in einem gut geheiztem Theater. Gezeigt wird eine Mischung von allem, sehr bunt, laut und ein wenig absurd. Im Nachhinein betrachtet aber eine schöne Sache, denn die folgenden Tage werden sehr ruhig und farblich eher karg.

Dann geht es nach einem Gläschen Wein an Deck in der Mitternachtssonne ab in die Kabine des Schiffs, die war renoviert wurde, aber sicherlich kein Luxuszimmer ist. Das gesamte Schiff steht sogar unter Denkmalschutz.

Longyearbyn ist die größte Siedlung auf Spitzbergen.
Longyearbyn ist die größte Siedlung auf Spitzbergen.
Die Passagiere gehen an Bord.
Die Passagiere gehen an Bord.
Die MS Nordstjernen ist dieses Jahr 60 geworden!
Die MS Nordstjernen ist dieses Jahr 60 geworden!
Ein Blick in den Speisesaal.
Ein Blick in den Speisesaal, Fensterplätze sind begehrt.
Aiai, hier sitzt der Captain.
Aiai, hier sitzt der Captain.
Das Bullauge in meiner Kabine.
Das Bullauge in meiner Kabine.
Ein verfallenes Haus in Barentsburg.
Ein verfallenes Haus in Barentsburg.
Und eine neuere Wohnsiedlung der Steinkohlearbeiter.
Und eine neueren Wohnsiedlungen der Steinkohlearbeiter in Barentsburg.
Die hübschen Ladies bei der Folkloreshow.
Die hübschen Ladies bei der Folkloreshow.
Vor einer Wald-Kulisse wird die Stimmung gleich gemütlicher.
Vor einer Wald-Kulisse wird die Stimmung gleich gemütlicher.

Tag 2 Magdalenefjorden & Smerenburgfjorden 

Der Tag beginnt mit meinem persönlichen Walross, dass nur ich und zwei Franzosen sehen. Ein guter Start in den Tag. Es wird noch besser. Mit den Polarzirkel Booten gehen wir in kleinen Gruppen erstmals an Land. Die Grabstätten auf der Graveneset Halbinsel aus dem 17. und 18. Jahrhundert von sind zwar abgesperrt und nicht zu sehen und der Räucherofen auch wirklich nur mehr ein Haufen Steine, aber endlich Land unter den Füßen! Das dachte sich vermutlich auch Willem Barents der 1596 den Fjord als Erster entdeckte. Benannt wurde er nach der schönsten Frau die die Seemänner kannten: Magdalena aus der Bibel.

Und dann wäre da noch der Ausblick auf die gewaltigen Gletscher ringsum, die ins Meer münden. Mitten drinnen thront die MS Nordstjernen wie eine Königin. Alle Schiffs-Fanatiker sind entzückt und können gar nicht genug Fotos machen. Ich muss gestehen, ich bin auch beeindruckt.

Am Nachmittag fahren wir mit den Polarbooten eine Runde durch die das treibende Eis am Fuße des Smerenburggletschers. Wenn man den Motor abstellt, kann man das Knistern des Eises hören. Ich wünsche mir ein Kajak und wär gern noch länger geblieben. Ein faszinierender Ort!

Auf diesem Bild hat sich ein Walross versteckt.
Auf diesem Bild hat sich ein Walross versteckt.
Erster Landgang mit den Polarzirkel-Booten.
Erster Landgang mit den Polarzirkel-Booten.
Sandstrand und Schnee. Gut, dass ich fünf Schichten trage.
Sandstrand und Schnee. Gut, dass ich fünf Schichten trage.
Vor dem Smerenburggletscher im Boot mit dem Expeditionsleiter Heiko.
Vor dem Smerenburggletscher im Boot mit dem Expeditionsleiter Heiko.
Ice, ice, baby!
Ice, ice, baby!

Tag 3 Bockfjorden & Woodfjorden & Moffen Island 

„Ladies and Gentlemen, as promised you’re waking up in Bockfjorden this morning“

Der morgendliche Landgang führt uns zu heißen Quellen, die eher lauwarm sind, aber für hiesige Verhältnisse ein kleines Wunder. Es ist eine von zwei warmen Quellen auf Spitzbergen. Rund um das Rinnsal wachsen kleine violette Blümchen: der Rote Steinbrech ist ein tapferer Kerl und hart im Nehmen.

Am Nachmittag landen wir bei einer alten Trapper Hütte und ich friere erstmals unglaublich. Zu wenig Bewegung und trotz aller Schichten vielleicht doch noch eine Schicht zu wenig. Eine heiße Dusche zurück an Bord hilft.

Und dann endlich sehen wir ihn! Unseren Eisbären. Er trägt ein großes W (oder eine 3) am Hintern und ist recht mager. Gut, dass wir ihn vom Schiff aus sehen. Wir beobachten ihn eine ganze Weile wie er auf und ab an der Küste entlang geht. Und alle sind im Glücksrausch nun auch einen Polarbären gesehen zu haben. Denn dieses Privileg hat man nicht immer. Ein Eisbär ist wie ein Topmodel mit Starallüren. Man weiß nie wann und wo er auftaucht und in welchem Gemütszustand er sich gerade befindet.

Für das Abendprogramm bin ich wieder durchgewärmt: wir überqueren den 80 Grad Nord und sehen auf Moffen Island die Walrosse rumlungern. Drei spielen im Wasser, der Rest schläft. Angeblich stinken Walrosse unglaublich. Aber wir halten und strikt an die 300 Meter Sicherheitsabstand und so bleibt uns auch der Gestank erspart.

Eine Dame aus der chinesischen Reisegruppe tanzt heute noch für uns. Barfuß und bauchfrei.

Frederik von der Crew sucht die Küste nach Eisbären ab.
Frederik von der Crew sucht die Küste nach Eisbären ab.
Manchmal ist die Wasseroberfläche so still wie auf einem See.
Manchmal ist die Wasseroberfläche so still wie auf einem See.
Ein bewölkter Sommertag auf Spitzbergen.
Ein bewölkter Sommertag auf Spitzbergen.
Die warmen Quellen haben den Schnee schneller schmelzen lassen.
Die warmen Quellen haben den Schnee schneller schmelzen lassen.
Eins meiner Lieblingsfotos.
Eins meiner Lieblingsfotos.
Und endlich, ein Eisbär!
Und endlich, ein Eisbär!
Moffen Island ist eine sehr flache Insel.
Moffen Island ist eine sehr flache Insel.
Die chinesische Tänzerin.
Die chinesische Tänzerin.

Tag 4 Ny-Ålesund & Ny-London

Montag der 13. Juni ist ein sonniger Tag im hohen Norden.

Wir wachen auf vor dem gewaltigen Tinayre Gletscher und als ich das Bullauge aufmache treiben Eisschollen vorbei. Nach dem Zähneputzen sind wir aber bereits weitergefahren und ich hab die Fotomöglichkeit verpasst. Das erste Highlight richtet sich an alle Ornithologen, denn das Kliff bei Cadiopynten ist voller Vögel. Ich finde die drei Rentiere unterhalb auch spannend, denn sie müssen wahre Meister der Spitzbergen-Kletterei sein um hierher zu gelangen.

Dann kommen wir in Ny-Ålesund an, der internationalen Forschungsstation. Vorsichtig versuche ich herauszufinden, ob auch die Österreicher hier ein Haus besitzen und stolpere durch Zufall selbst drüber. Eine kleine Hundehütte. Zu meiner Überraschung hängen drinnen zwei Poster der Tirol Werbung mit verschneiten Hängen in Tirol. Verrückt. Waren sicher Schneeforscher, die sich das aufgehängt haben.

Ein Polarfuchs rennt uns kurz vor der Abfahrt über den Weg, ein lustig aussehender Geselle!

Danach geht es nach Ny-London, Neu London. Hier hatte der Entdecker und Entrepreneur Ernest Mansfield 1906 eine kleine Eisenbahnstrecke erbauen lassen um Marmor abzutragen und aufs Schiff zu transportieren. Dabei hatte er nur mit einem nicht gerechnet: dem Permafrost. Der lies Marmor auf Spitzbergen wunderbar aussehen, in England angekommen zerbröselte er dann aber. Das Unternehmen war gescheitert.

Der Grund warum jeder kleine Rest hier immer noch rumliegt ist jener, dass alles auf Spitzbergen was vor 1945 erbaut wurde unter Denkmalschutz steht.

Dann geht es wieder zurück nach Longyearbyn. Am Weg sehen wir zwei Wale, die uns scheinbar zuwinken. Ein schöner Abschied.

Willkommen an Deck.
Willkommen an Deck.
Ny-Ålesund ist eine internationale Forschungsstation
Ny-Ålesund ist eine internationale Forschungsstation
Rechts steht das Austria House.
Rechts steht das Austria House.
Ein Blick ins Austria House.
Ein Blick ins Austria House.
Auf Ny-London stehen noch die alten Häuser von Ernest Mansfield.
Auf Ny-London stehen noch die alten Häuser von Ernest Mansfield.
Und die Reste der Eisenbahn.
Und die Reste der Eisenbahn.
Zum Abschluss: ein Wal.
Zum Abschluss: ein Wal.

Nur vier Tage an Bord des Schiffs hat es gedauert um meinen Polar Hero zu entdecken. Und ich würde sogar soweit gehen hinzufügen: mein innerer Explorer ist „alive and well“ und vermutlich irgendwo in einer Buchhandlung dabei sich durch alte Entdeckergeschichten zu lesen und weitere Reisen zu planen. Denn „wer einmal hier war, der kommt wieder“, so zumindest sagt man hier.

Bis bald also, liebes Svalbard.

Ein kleines Video von meiner Reise findet ihr hier. Mehr über Spitzbergen findet ihr in Kürze hier am Blog.

Spitzbergen mit dem Expeditionsschiff

Danke für die Einladung an Visit Norway, Hurtigruten und Spitsbergen Travel! Alle Meinungen bleiben wie immer meine eigenen. 

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1 Comment

  • Hallo Lea,

    interessanter Artikel mit wirklich schönen Fotos. Je älter ich werde, desto mehr zieht es mich tatsächlich in den Norden. Zu Spitzbergen hatte ich bis eben aber ehrlich gesagt keine klare Vorstellung… Toll dass du Eisbären und Wale sehen konntest! Zumindest Eisbären wird man wohl leider nicht mehr so lange in freier Wildbahn beobachten können…

    Viele Grüße
    Julia

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