Von nun an ging’s bergab

Mit dem Mountainbike vom Tremalzo-Pass hinab zum Gardasee

„Die große Tremalzo Runde sollte jeder ernsthafte Mountainbiker einmal im Leben gefahren sein. Mindestens einmal.“ So wird mir unsere Unternehmung für den vierten und gleichzeitig letzten Tag des Samsung xcover Camps angekündigt. Nun. Gut, dass ich keine ernsthafte Mountainbikerin bin und, dass ich mich für den leichteren Teil entschieden habe. Für mich geht es heute nur bergab. Oder fast nur bergab, wie bereits immer wieder im Vorfeld korrigiert wird.

Der Shuttlebus bringt uns von Riva del Garda in etwa einer Stunde auf den Tremalzo Pass. Dort laden wir die Räder, die wie Schlachtvieh im Anhänger hängen, wieder aus und kontrollieren sie. In meinem Fall lass ich es kontrollieren, so richtig bin ich noch nie auf einem Mountainbike gesessen. Federung auf oder zu, ich hab keinen blassen Schimmer. Aber immerhin weiß ich, dank meines ehemaligen Mitbewohners, was eine Federgabel ist. Das Teil vorne am Rad. Das federt. Und leicht bekleidete Damen halten es besonders gerne für Downhill-Fotoshootings in der Hand. Diese landen in Poster-form durchaus auf WG-Toiletten. Und genau dort kann man sich schonmal in Ruhe anschauen was so eine Federgabel so zu bieten hat. Heiße Teile!

Hier darf man übrigens nur aufs Klo wenn man etwas konsumiert. Happy Freiluft-Pinkeln.
Hier darf man übrigens nur aufs Klo wenn man etwas konsumiert. Happy Freiluft-Pinkeln.

 

Ein Blick zurück ins Hinterland.
Ein Blick zurück ins Hinterland, bevor es auf der anderen Seite bergab geht.

 

Nun gut. Federung zu und los geht’s. Obwohl wir am Pass starten geht’s nun erstmal bergauf. Gefällt mir gar nicht. Bergauf ist nämlich ziemlich anstrengend und das mit der Schaltung hab ich auch noch nicht heraus. Ich ahne schon, dass Andi, einer der Bergführer der mir gut zuspricht heute mein bester Freund werden wird. Ob er (oder ich) will, oder nicht.

Endlich ist der höchste Punkt erreicht, von nun an geht’s nun wirklich bergab. Also solange, bis es angeblich irgendwann wieder bergauf geht, aber das verdränge ich erstmals. Nun folgt eine kurze Technikeinschulung. Wichtiges Zeugs, schließlich habe ich keine Ahnung. Sattel runter, Popo runter, in die Knie und nicht zu viel bremsen. Ja klar, geht ja auch kaum runter seitlich des Weges da kann man schon mal Gas geben.

Ich mache also gleich mal alles falsch. Ich bremse was geht und äuge immer dem Abgrund hinab. Und dann ist da noch mein neuer Freund, der Schotter. Er will, dass alles noch ein bisschen schneller passiert und spornt mich an. Jetzt ist es soweit, ich wünsch mir ein blödes Rennrad her, und eine blöde gerade Strasse, vielleicht die am See unten. Und ich frag mich, warum ich eigentlich so blöd war mitzufahren, wenn ich das doch gar nicht kann? Alles blöd. Nur Andi bleibt ruhig und spricht gut zu. Und was er sagt klingt gar nicht so blöd.

Kurve um Kurve bessert sich die Situation ein bisschen. In erster Linie, weil es plötzlich noch andere gibt, die meinen Freund den Schotter nicht so toll finden. Das macht Mut. Ich lass das Rad ein wenig mehr rollen und bremse im Wissen, dass mein Hinterrad jetzt gleich mit dem Schotter High Five schlägt. Im Gegensatz zum Anfang der Gruppe brauche ich immer noch ewig, aber es wird.

Am Ende des ersten Stücks wartet eine Erfrischung auf einer kleinen Hütte auf uns. Und Schokolade. Die kann nie schaden. Danach geht’s zu meiner Freunde durch den Wald. Leider bergauf. Macht aber nichts, hier schieben fast alle.

Ein kurzer Stop zwischendurch mit Ausblick auf die Berge.
Ein kurzer Stop zwischendurch mit Ausblick auf die Berge.
So sehen übrigens Bergführer-Beine aus.
So sehen übrigens Bergführer-Beine aus.

 

Der Anfang des Single-Trails liegt malerisch.
Der Anfang des Single-Trails ist eigentlich sehr malerisch.

Was nun kommt hätte ich nicht erwartet. Ein Single-Trail wie aus dem Bilderbuch. Oder vom großen Poster am WG-Klo, dem ohne die leichtbekleideten Damen. Dem, wo der Ritter in Sicherheits-Rüstung einen Berg hinunter fetzt. Wir folgen nun also einer schmale Spur durch den Wald, über Wurzel und Steine, immer am Abgrund. Der weiche Untergrund gefällt meinem Rad und die festsitzenden Steine sind eine willkommener Schotterersatz. Neue Freundschaften schließt man eben schnell. Rollen lassen, bremsen, Gewicht nach hinten und volle Konzentration wieder nach vor. 

„What I love about Downhilling is that you have to be there every single second. There is no time for the mind to rest or think about anything else“ Die Worte John Olas, jenem Norweger, den ich letzten Winter in Gala getroffen habe fallen mir wieder ein. Wie recht er doch hat.

Langsam lerne ich, dass ich nie den Abhang hinab und nie direkt nach unten aufs Vorderrad schauen sollte. Wenn mein Blick circa 4-5 Meter vor mir die Hindernisse erkennt und meine Finger die Bremsen freigeben für die steinigen Passagen geht es eigentlich ganz gut. Stop and go and stop and go. Stop! War das ein Lächeln, das mir gerade entkommen ist? Gefällt es mir gar? Kann doch fast nicht sein.

Und dann passiert es. Eine Kurve vor mir schützt eine aus der Gruppe in Zeitlupe 150 Grad den Abhang hinunter. Ihr Rad bleibt oben, sie rutscht noch einige Meter hinab. Gottseidank passiert ihr nichts, der Schock sitzt trotzdem. Bei ihr und bei allen die den Sturz gesehen haben. Es ist fast ein kleiner Weckruf.

Gut, dass ich keine Schützer mithabe. Aber, ich dachte ja auch wir gehen Mountainbiken. Das was bierbäuchige 50jährige machen, ein bisschen strampeln und dann in der Sonne auf der Alm einen Radler genießen, ihr wisst schon.

Ich bin trotzdem froh, dass ich langsam den Dreh raushabe und wünschte nur ich könnte das Ganze ein bisschen mehr genießen, denn nun nach all der Überwindung verlässt mich ein wenig die Konzentration und auch die Muskeln fordern immer mehr Beachtung ein. Der See ist leider noch in weiter Ferne.

Bald ist es geschafft. Riva del Garda in greifbarer Nähe.
Bald ist es geschafft. Riva del Garda in greifbarer Nähe.

Durch den Wald und schlussendlich über eine asphaltierte Strasse durch tiefschwarze Tunnel geht es die letzte Stunde hinab zum Gardasee. Schön ist es hier. Richtig schön.

Jetzt, wo alles gut gegangen ist, und ich selbst dem Schotter am Anfang des Tages vergeben habe, weiß ich eines ganz sicher: ernsthafte Mountainbikerin werde ich wohl keine. Aber so ein bisschen Downhill fahren würde ich durchaus nochmals in Erwägung ziehen. Und ein Gläschen Wein hab ich mir auch verdient. Vielleicht ist das ja sogar meine Chance die Delfine zu spotten, denn so schnell wie heute ist der Wein schon lange nicht mehr gewesen.

Grüße vom Gardasee und den heimischen Delfinen!
Grüße vom Gardasee und den heimischen Delfinen!

 

Offenlegung: Ich wurde von Samsung auf das xcover Camp powered by Sportscheck eingeladen. Alle Meinungen und Erfahrungen sind, wie immer, meine eigenen.

 

 

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2 Comments

  • Klingt nach ner Menge Spaß :) Mir gehts ähnlich mit dem Mountainbiken, nach ein paar Stunden in Kalifornien mit dem Rad, hatte ich keine Lust mehr und bin den größten Teil mit einer Fähre zurückgefahren…

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