Seiser Alm: Rund um den Plattkofel

Die Luft ist klar und den blauen Himmel zieren ein paar kleine Wölkchen. Das satte Grün der Wiesen, das leuchtende Blau des Himmels und die schroffen, grauen Felsen der Langkofelgruppe könnten unterschiedlicher nicht sein. Und trotzdem wäre das eine oder das andere nicht so prachtvoll. Irgendwo in der Ferne pfeift ein Murmeltier. Wir befinden uns nicht nur in einem kleinen Paradies, sondern einem großen Paradies. Dem UNESCO Welterbe der Dolomiten, zudem auch die Seiser Alm gehört.

Rund um den Plattkofel

Statt der klassischen Umrundung der Langkofelgruppe, zu der auch der Plattkofel gehört, haben wir uns für eine Umrundung des Plattkofels entschieden. Los geht es beim Berggasthaus Zallinger, wo wir auch übernachten.

Zunächst führt uns der Weg über Weidewiesen und anschließend ein paar Meter bergab zum Einstieg in die Scharte. Wir queren wir das Geröll bis wir auf den Weg zur Langkofelhütte gelangen. Die erste Etappe ist sanft, es geht etwas bergab und dann wieder bergauf. Genau richtig für eine erste Einkehr – und, um ein großes Glas Apfelsaft zu trinken.

Wir starten beim Zallinger auf der Seiser Alm.
Wir starten beim Zallinger auf der Seiser Alm.
Malerisch schön ist die Seiser Alm an diesem Morgen.
Malerisch schön ist die Seiser Alm an diesem Morgen.
Anhalten, innehalten und fotografieren.
Anhalten, innehalten und fotografieren.
Ausblick auf den Schlern.
Ausblick auf den Schlern.
Dann geht es steil nach oben zur Langkofelhütte.
Dann geht es steil nach oben zur Langkofelhütte.

Rast auf der Langkofelhütte

Die Hütte ist bereits gut besucht, die Kellner sprechen besser Italienisch als Deutsch und die Speisekarte ist gespickt mit Rechtschreibfehlern, die ausnahmsweise aber eher Vertrauen in die Küche wecken. Lieber auf Deutsch falsch geschrieben und gut italienisch zubereitet als andersrum. Für uns ist es noch zu früh zum Mittagessen und so ziehen wir nachdem wir die Wasserreserven aufgefüllt haben weiter.

Es folgt ein mühsamer Anstieg über loses Geröll. Die ersten getragenen Hündchen in Täschchen und Schulrucksäcke lassen uns über die Vorbereitung der entgegenkommenden Wanderer staunen. Nach einem flacheren Stück fängt dann die eigentliche Scharte an, die zur Toni Demetz Hütte führt. Allmählich wird es richtig alpin. Links und rechts ragen die Felswände hoch empor und wir sind ganz gleich in Mitten der Langkofelgruppe. Wir ziehen zügig weiter.

Die Langkofelhütte in voller Pracht.
Die Langkofelhütte in voller Pracht.
Welches wohl die richtige Temperatur anzeigt?
Welches wohl die richtige Temperatur anzeigt?

Drama in der Scharte

Bald begegnen und überqueren wir die ersten Schneefeldern. Schneefelder sind nicht meine Stärke. Ich mag sie einfach nicht. Diese hier sind immerhin weich und matschig – und somit gar kein Problem, auch ohne Wanderstöcke. Wir steigen also stetig nach oben, das Mittagessen nun doch schon vor Augen. Mit der Zeit kommen immer mehr Menschen von oben uns entgegen. Wir sind fast alleine bei unserem Aufstieg, dafür kommen unzählige Menschen von oben nach unten. Plötzlich steht ein älteres etwas hilfloses Paar vor uns. Genauer gesagt stehen sie leicht neben der Spur. Der Mann hat einen einbandagierten Arm und wären da nicht Blutspuren auf seiner Hose und am Hemd, hätte ich eine ältere Verletzung vermutet. Doch sie scheint frisch zu sein und auch die Frau hat eine Schürfwunde auf der Wange. Die beiden sprechen Italienisch.

Nach oben wollen sie nicht, zu anstrengend. Doch auch der Weg nach unten ist noch lange und nicht ganz einfach. Diese Nachricht nehmen sie schulterzuckend auf. Wackelig gehen sie nachdem meine Freundin ihnen die Wasserflasche aufgefüllt hat weiter. Viel können wir nicht machen, auch wenn wir am liebsten die Bergrettung gerufen hätten.

Gleich eine Wegbiegung weiter sehen wir die Rutschspuren und Blut am Stein. Der Mann scheint einige Meter abgestürzt zu sein. Umso vorsichtiger gehen wir weiter. Doch die Menschen, die von oben kommen sind immer schlechter ausgerüstet. Ein Mann klettert mit Kleinkind am Rücken eine Abkürzung hinunter anstatt am Weg zu bleiben, ein paar Kinder meiden das gut ausgetretene Schneefeld und klettern in Turnschuhen über wacklige Felsen. Wir können nichts tun und ziehen weiter, aber wohl ist mir dabei nicht dieses Spektakel mit anzusehen.

Ich bin immer dafür in die Berge zu gehen, aber doch nicht für jeden Preis. Oben angelangt sehen wir den Grund für die vielen Wanderer von oben: bis zur Scharte fährt die alte Stehgondel vom Sella Joch hinauf. In den kleinen Kabinen haben gerade mal zwei Personen Platz. So ist man sicherlich leicht verleitet „einfach nur bergab“ zu wandern. Viele haben sich das sicherlich leichter vorgestellt.

Anfangs noch recht flach geht es die Scharte hinauf.
Anfangs noch recht flach geht es die Scharte hinauf.
Blick hinunter, hier kommt die Stehsteilbahn nach oben.
Blick von oben hinunter, hier kommt die Stehsteilbahn nach oben.
Blick aufs Sella Massiv.
Von hier sieht man das Sella Massiv in voller Pracht.

Hungersnot und Knödelbrot

Der Trubel an der Bergstation lässt uns schnell weiterziehen. Der Abstieg ist wieder steil aber sehr gut gesichert und verankert. Wir lassen das Sella Joch links liegen und queren über die Wiesen auf einem schmalen Pfad zum Friedrich August Weg. Der Abstieg macht sich belohnt, unzählige Murmeltiere strecken ihre Köpfe aus den Löchern am Wegesrand.

Immer wieder kreuzen Murmeltiere den Weg.
Immer wieder kreuzen Murmeltiere den Weg.
Und spähen neugierig aus ihrem Bau hervor.
Ein Murmeltier späht neugierig aus dem Bau hervor.

Langsam erfasst auch uns der Wanderern wohlbekannte „Hungergrant“. Die Sonne scheint nach wie vor erbarmungslos. Und so freuen wir uns, dass die Hütte hinter der nächsten Kuppe am Beginn des Friedrich August Wegs offen hat. Sie hat nicht nur offen, es spielt auch Musik und die Karte liest sich phenomenal gut, wenngleich auch teuer.

5€ für ein Skiwasser, günstig ist es hier nicht. Aber was sein muss, muss sein. Auch die „Speckknödel in Consommé vom Bio-Hochlandrind“ müssen sein. Dass der Kellner den Begriff Consommé nicht kennt, hätte ein erster Hinweis darauf sein können, dass wir hier gerade eine Fehler begehen. Die Suppe, ein milchig trübes Wasser, das definitiv zu wenig Salz und vermutlich auch kaum Bio-Hochlandrind jemals gesehen hat, überzeugt nicht. Die formschönen Knödel mit klein geschnittenem Speck sind außen hui und innen gummiartig roh. Nicht so ganz zufrieden, aber mit prall gefüllten Bäuchen, die nun ordentlich rumoren, stampfen wir weiter. Nicht alles kann eben wie im Bilderbuch sein. Der Ausblick ist weiterhin phenomenal und so verzieht der Ärger mit jedem Schritt.

Am Friedrich August Weg

Der malerische Weg führt an den Wänden der Langkofelgruppe entlang. Nach einiger Zeit erreichen wir die Sandro Pertini Hütte (2.300m) vor der es eine kleine Seilrutsche und Liegestühle gibt. Nett sieht es hier aus, doch jetzt wollen wir einfach nur weiter.

Der letzte Anstieg führt oberhalb der Plattkofel Alm vorbei. Die Hirten versuchen gerade die Schafe einzufangen. Ein Spektakel für sich!

Die Plattkofel Alm von oben.
Die Plattkofel Alm von oben.

Von dem modernen Neubau der Plattkofelhütte, die von außen riesig aussieht, geht es nun über die Forststraße steil wieder nach unten. Vorbei an Murmeltieren, Eseln, einem Pferd und den hübschen Fohlen des Berghaus Zallingers endet die Wanderung mit vielen Stops.

Mittlerweile schieben sich die Wolken über die Seiser Alm. Sie lassen das Sonnenlicht nur wie Scheinwerfer auf bestimmte Flecken fallen lassen. Und ich? Ich liege bereits auf den heißen Holzplanken in der Sauna und genieße das Schauspiel. Handyempfang gibt es hier übrigens keinen. Wie im Paradies.

Gruß aus dem Paradies!
Gruß aus dem Blumen-Paradies!

Anreise

  • Ab dem wunderbarem Berghaus Zallinger (heißer Übernachtungstipp!)
  • Oder Einstieg am Sella Joch (Parkplatz)

Beschreibung: Bergtour rund um den Plattkofel

Ich hab die Tour nachträglich auf Bergfex eingezeichnet. Ingesamt sind es ca 18,8km, 1765 Höhenmeter die wir gegangen sind und gebraucht haben wir mit Pausen rund 7 Stunden. Wobei dies nur ein Richtwert sein soll.

Und im Winter…

Wie eine Skitour durch die Scharte zwischen Langkofel und Plattkofel habe ich vor Jahren hier mal beschrieben. Man verzeihe die Fotos und Texte, sie sind schon eine Weile her.

 

 

Offenlegung: Presseaufenthalt im Berggasthof Zallinger mit Unterstützung des Tourismusverbands Seiser Alm, vielen Dank!

2 Comments

  • Toller Bericht und was für schöne Fotos!

    Ich bin auch schon einmal durch die Scharte. Damals ist die Seilbahn aber nicht mehr gefahren (im Oktober) und es war zum Glück deutlich leerer dort!

  • Ein sehr schöner Bericht. Wir haben in diesem Jahr nur einen gemütlichen Ausflug aus dem Eisacktal zur Seiser Alm gemacht. Aber wandern würde ich dort auch noch mal sehr gerne.

    Ähnlich wie einige der von dir beim Drama in der Scharte beobachteten Wanderer habe ich mich in einer anderen Region aber auch schon mal gefühlt. Dabei lag es gar nicht an mangelnder Ausrüstung, sondern an falscher Information. Auf meine Nachfrage an der Hotelrezeption war mir eine Tour als deutlich einfacher beschrieben worden, als sie es tatsächlich war. So etwas möchte ich echt nicht mehr erleben.

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