Kulinarische Kleinode entdeckt man öfters mal auf Instagram, auch in Tirol. Immer mehr Restaurants haben plötzlich einen Instagram Account. Ob dieser persönlich und mit Leidenschaft geführt ist erkennt man sofort – meistens ein Zeichen, dass man es in der Küche nicht viel anders hält. Ich gebe es gleich zu Beginn zu: ich bin ein kulinarisches Instagramopfer. Je mehr und je besser es aussieht, umso eher möchte ich dort essen gehen. Seit April 2017 gibt es in Ranggen ein neues Restaurant, das sich auf saisonale, regionale Küche spezialisiert hat: Die Weiberleit. Zeit für einen Besuch!

Im ehemaligen Dorfcafe in Ranggen

Jeder sollte einmal im Leben zu Sonnenuntergang im Frühling nach Ranggen fahren! Die schmale Straße durch das für Tirol ungewöhnlich sanfte Tal stimmt einen auf den Abend ein. Mit der Hohen Munde im Hintergrund könnte das Setting nicht schöner sein. Eine scharfe Rechtskurve und schon steht man vorm Lokal.

Ein bisschen ernüchternd ist das Anblick dann schon. Vermutlich sind wir nicht die Ersten die zweimal die Adresse checken und vorm Eintreten noch kurz zögern. Das Restaurant befindet sich nämlich in den Räumlichkeiten des ehemaligen Dorfcafes – und das ist weder charmant noch urig. Oben probt die Dorfmusik, unten wird fein gekocht. Das passt nicht wirklich zusammen, oder vielleicht doch? Man hat sich zwar sichtlich bemüht, die Räumlichkeiten zu „entschärfen“ – mit edler Wandfarbe und abgestimmten Vorhängen, aber die klobigen Stühle, die Bar und die baulichen Gegebenheiten machen es einem nicht leicht.

Das „Drumherum“ vergisst man aber dann doch. Spätestens bei einem Glas Weiberleit Spritzer, das unverzüglich serviert wird. Die Speisekarte ist noch etwas länger als schriftlich festgehalten, der sehr freundliche Kellner ergänzt sofort und das auffallend detailliert. zB gibt es heute statt dem Saibling aus Ranggen eine Leutascher Forelle. Ich wette es gibt ausreichend Leute, die wenn der Fisch filetiert vor ihren liegt keinen Unterschied merken würden. Die Speisen werde inklusive Preisangabe vorgestellt, eine Rarität! Und auch auf Englisch für unseren Besuch ist es spontan kein Problem alles übersetzt zu bekommen. Was für 1 Service!

Brennessel Lasagne & Wildkräuter Caprese

Wir teilen uns ein paar Vorspeisen und verkosten quer über die Teller die Hauptgerichte. Problemlos bestellt man hier ein Achterl Wein nach und bekommt es (nach kurzer Nachfrage, ob es ein neues Glas sein soll) mit einer edlen Glaskanne nachgeschenkt. Das geht obendrauf noch ruck-zuck, so dass man ihn auch noch wirklich zum Essen genießen kann. Von einer solchen Aufmerksamkeit können die Personalchefs von den meisten Innsbrucker Restaurants wohl nur träumen.

Die Hauptgerichte liegen preislich zwischen ca 15€ (zB 14,90€ Brennessel-Champignon Lasagne) und 25€. Die Portionen sind auf den modernen Teller nicht nur schön arrangiert sondern auch großzügig bemessen. Kein Schnäppchen, aber die dafür gebotene Leistung stimmt. Regionalität hat eben auch seinen Preis und nicht jeder kann Brunnenkresse, Schafgarbe Blätter, Bärlauch oder Vogelmiere einfach selbst im Garten pflücken um die Gerichte mit heimischen Wildkräutern zu verfeinern.

Einzig der Brownie aus einer Konditorei aus der Umgebung hat seine klebrige Browniekonsistenz verfehlt und entpuppt sich als luftiger Schokokuchen. Der Espresso Macchiato schmeckt dafür so himmlisch wie in Italien.

Räucherforelle als Vorspeise bei den Weiberleit.

Fazit: Ein heißer kulinarischer Tipp in Innsbruck Umgebung! Wer die äußeren Räumlichkeiten ausblendet, gewinnt. Denn hier zählen die inneren Werte: eine frische, kreative und vor allem regionale Küche sowie das zuvorkommende Service.

Die Weiberleit
Unterdorf 6 |6179 Ranggen | Tirol
Öffnungszeiten: Mo & Di geschlossen, Mi – Fr 16:00 bis 23:00, Samstag 10:00 – 23:00, Sonntag 09:00 – 17:00
Tel: +43 664 88 199 227
Website: www.dieweiberleit.at