Am Anfang des Lechwegs.

Überarbeitet im Oktober 2019

Es ist eine Mischung aus Entdeckungslust und Neugier, die mich antreibt, mich eine knappe Woche lang auf den Weitwanderweg Lechweg zu begeben. Neugier, wie es wohl so ist jeden Tag seine Wanderschuhe anzuziehen und loszugehen. Neugier, ob ich sechs Tage am Stück wirklich wandern kann und will. Und Lust selbst zu sehen, wie ein Fluss entspringt und sich Kilometer für Kilometer, manchmal auch Meter für Meter, verändert.

Zum ersten Mal weitwandern

Für mich war der Weg ein guter Einstieg ins Weitwandern und im Laufe der Tage habe ich so einiges gelernt. Am meisten über mich selbst, wie zB dass Lebkuchenherzen mit heißem Tee meine absoluten Lieblingssnacks in den Pausen in kühlen Monaten sind. Aber auch über die Natur, die sich auch mit den Höhenmetern verändert. Grundsätzlich geht es zwischen Formarinsee und Füssen zwar bergab, aber es sind oft Gegenanstiege mit 1000hm pro Tag dabei sind. Das sollte man nicht unterschätzen. Ich lerne auch, dass ich im Flachen gehen für mehrere Tage stinklangweilig finde. Da kann der Fluss noch so schön sein, ich wünsche mir nichts sehnlicher als ein Fahrrad… Das abwechslungsreiche, bergige Terrain an den ersten Tagen hingegen ist genau meins.

Da ihr einige Fragen hattet, die mich auf unterschiedlichen Wegen erreicht haben, habe ich für alle, die auch den Lechweg gehen wollen, mein gesammeltes Wissen zusammengefasst und euch bereit gestellt.

Der Lechweg

Der Lech ist ein besonders schöner Fluss, in Mitten einer besonders schönen Landschaft in Österreich. „Besonders“ ist natürlich komplett subjektiv, aber bisher hat mir auch noch niemand widersprochen. Der Lechweg führt von der Quelle am Formarin See in Vorarlberg über das Lechtal in Tirol bis nach Füssen im Allgäu.

Von der Europäischen Wandervereinigung (EWV) wurde er als erster Wanderweg in Europa mit dem sogenannten Qualitätssiegel „Leading Quality Trails – Best of Europe“ ausgezeichnet.

Kondition und Dauer der Wanderung

Wie lange braucht man für den Lechweg?
Supersportliche Wanderer brauchen fünf Tage, sportliche sechs und wer es ganz langsam angeht nimmt sich volle zehn Tage Zeit und macht ein paar Abstecher (sogenannte „Schleifen“) am Wegesrand. Ich war sechs Tage unterwegs und fand das gut so.

Was tun, wenn die Kraft ausgeht?
Erprobte Methoden: rasten, Musik hören, Hörbuch hören, Kilometer runter zählen. Alternativen: Bus, Kanu oder Fahrrad nehmen für einen Teil des Wegs.

Wie funktioniert das Wandern ohne Gepäck?
Wer seine Unterkünfte vorab bucht. kann das Gepäcktransport Service am Lechweg in Anspruch nehmen (8€ pro Transport). Dh ganz ohne Gepäck ist man natürlich nicht unterwegs, aber es reicht ein leichter Tagesrucksack für Regenjacke, Jause, Wasserflasche, usw.

Wo kann man rasten?
Am Wegesrand stehen regelmäßig Bänke, es gibt also ausreichend Gelegenheiten zu rasten. Alternativ ist man fast immer in Fluss-Nähe und kann seine müden Füsse ins kühle Wasser halten. An kalten Wandertagen schmeckt ein Schluck Tee mit Honig und Lebkuchen, an heißen Tagen kann ein Müsliriegel und ein Schluck von einem isotonischem Getränk Wunder wirken.

Verpflegung und Unterkünfte

Wie finde ich meine Unterkünfte?

Im Grunde gibt es drei Möglichkeiten den Lechweg zu planen: a) man bucht eine geführte oder nicht-geführte Wanderung und ein Reiseveranstalter bucht somit die Unterkünfte für einen. b) man bucht sie selbst vorab oder c) man geht einfach drauf los und bucht sie Mittags telefonisch für den Abend, sobald man weiß wieweit man es heute noch schafft. In der Hochsaison kann das für größere Gruppen stressig werden, wer alleine oder zu zweit unterwegs ist, wird vermutlich immer etwas finden. Oftmals hängen Schilder am Weg mit Hinweisen und Telefonnummern für Unterkünfte.

Wieviel kostet eine Wanderung am Lechweg?

Je nach Unterkunftsart und Dauer der Wanderung variieren die Kosten. Wer zB bei ASI Reisen bucht 8 Tage/7 Nächte zahlt ab € 695,- pro Person im Doppelzimmer, im Einzelzimmer sind es 795€. Das inkludiert 7 x Frühstück und 4 x Abendessen. Ein guter Richtwert.

Wo finde ich günstige Unterkünfte am Lechweg?

Da der Lechweg zwar durch schöne Berglandschaften, aber im Prinzip entlang des Flusses „nur“ von Dorf zu Dorf führt, finden sich am Weg keine Hütten. Das ist ganz normal, Schutzhütten wurden eben in den Bergen und nicht im Tal gebaut. Mit einer Ausnahme: die Freiburger Hütte gleich am Startpunkt am Formarinsee.

Die Freiburger Hütte gehört zum DAV (Deutschen Alpenverein) und die Übernachtungskosten im Matratzenlager betragen 20€ pP (10€ mit AV-Ausweis) – ohne Essen. Die begehrten Doppelzimmer (10 Stück! Trotzdem sollte man sehr früh buchen) mit Stockbetten kosten 27€ pP (17€ mit AV-Ausweis, ebenfalls ohne Essen). Die Halbpension (4-gängiges Abendessen + Frühstücksbuffet) kommt zusätzlich auf 29€ – nur das Frühstück alleine wären 12€. Trotzdem kommt man mit Übernachtung und Halbpension im Doppelzimmer hier verhältnismäßig günstig weg mit zB 56€ pP.

Lech ist ein teueres Pflaster. Ich durfte auf Einladung im Hotel Lech nächtigen, die Nacht kostet dort ab 77€ pP im DZ, inkl. Frühstück. Eine günstigere Alternative wäre das Jugendheim Lech ab 44€ pP im DZ mit WC/Dusche und Frühstück.

Für den nächsten Abschnitt muss man sich für kurz oder recht lang entscheiden. Entweder man übernachtet in Warth, bzw gegenüber in Lechleiten – oder marschiert nochmal ein ordentliches Stück weiter nach Steeg. Wer verzeifelt nach einer Unterkunft in Lechleiten sucht, wird vielleicht hier fündig: der Gehrner Bio-Bauernhof bietet Zimmer ab 42€ pP mit Frühstück.

In Steeg habe ich im Kräuterhotel Der Stern übernachtet, wo das Abendessen dementsprechend gut war. Nur die Übernachtung kostet ab 80€ im DZ. Wer schlau ist, bucht sich vorab eine Teil-Massage (zB für die Füße) für 25min um 29€.

Für weitere günstige Unterkünfte würde empfehlen direkt in den Tourismusbüros der Ortschaften telefonisch nachzufragen, wo man günstig übernachten kann. Zu den Preisen dazu kommt immer noch die Ortstaxe – unterschiedlich hoch je nach Tourismusgemeinde. Bei einigen Regionen zB findet man die Liste der Privatpensionen und Unterkünfte auch online, zB www.lechtal.at auf einer Buchungsunterseite fürs Lechtal, wo sich auch Unterkünfte und Privatzimmer finden. zB Gästehaus Wolf ab 18€ im DZ mit Dusche/WC. Perfekte Lage bei der Wunderkammer und neben dem SPAR-Supermarkt in Elbigenalp noch dazu!

Ein weitere Tipp ist einen Blick auf Google Maps zu werfen. Da sehe ich zB nur eine Straße weiter vom Gästehaus Wolf das Gästehaus Bellevue – wunderbar kitschig mit vermutlich Zirbenholz Vertäfelung (in Design Hotels zahlt man dafür extra) um 36,50€ (nur 7€ EZ Aufschlag) inkl Frühstück und Kurtaxe.

In Füssen selbst gibt es wieder ein Hostel um 18€ pP + 5,95€ fürs Frühstück (wobei man in der Stadt beim Bäcker auch bekommt).

Meine Ansprüche an die Wanderung am Lechweg wären: warm, trocken, Dach über dem Kopf und wenn geht eher EZ oder DZ anstatt Lager – weil ich dort erholsamer schlafe. Wie es aussieht ist mir recht egal, außer es gäbe etwas was mir besonders zusagt. Dafür würde ich dann auch mal mehr zahlen. Wie diese Anforderungen bei jedem aussehen, ist natürlich unterschiedlich.

Woher bekommt man am Weg Essen?

Da der Weg durch viele Ortschaften führt, kann man recht gut am Wegesrand einkehren und sich stärken. Fast alle Unterkünfte bieten auch ein Lunch-Paket an, oder aber man fragt, ob man sich am Frühstücksbuffet (gegen einen kleinen Aufpreis) selbst etwas zusammenstellen darf. Wichtig ist es genug Wasser und bei Bedarf Tee oder isotonische Getränke mitzunehmen. Im Lechtal führt der Weg oft nicht in die Ortschaften hinein, wer also einen Supermarkt braucht muss mit einem Abstecher rechnen.

Beste Reisezeit & Fototipps

Ab Mai 2019 ist die Lechweg Frühjahrsvariante von Steeg bis Füssen offen. Ab 19. Juni 2019 startet dann die offizielle Lechweg-Saison von Lech am Arlberg bis Füssen im Allgäu. Der Weg ist bis Anfang Oktober begehbar, je nach Wetter. Dabei kann es im Oktober oben schon recht frostig und eisig werden und in Lech haben zu der Zeit die meisten Hotels und Restaurants für die Zwischensaison geschlossen. Vorteil: man hat den Weg fast für sich alleine. Nachteil: die Infrastruktur ist nicht mehr so gut wie in den Sommermonaten.

Wo sind die besten Foto-Spots?

Der Formarinsee am Anfang des Lechwegs ist ein absolutes Highlight, für das man genug Zeit einplanen sollte. Er liegt wunderschön in Mitten der Berge und kann leicht umwandert werden. Oder aber man startet den Lechweg auf der Freiburger Hütte, die thront majestätisch über dem See. Auch die Region rund um das Walserdorf Warth ist wunderschön für Fotos. Vom Baichlstein bei Stanzach (auf einer sogenannten „Lechschleife“) hat man einen besonders guten Blick auf den sogenannten „Lechzopf“, wo der Fluss breit wird. Kurz vor dem Ende des Wegs kommt man am Alpsee vorbei, wo auch die beiden Königsschlösser Neuschwanstein und Schwangau stehen. Auch die Hochseilbrücken bei Holzgau und die Highline 179 bei Reutte (Abstecher vom Weg) sind spektakuläre Fotomotive.

Die 6 Lechweg Etappen im Detail

1 Etappe: Formarinsee – Lech

14km, 195hm bergauf, 629hm bergab
Die erste Etappe der Wanderung war für mich definitiv die schönste. Mit dem Shuttlebus geht es von Lech bis ans Ende der Mautstrasse, direkt am Formarinsee. Der See liegt malerisch in Mitten der Berge und früh morgens hat man ihn fast für sich alleine. Der Weg zurück nach Lech führt immer am Fluss entlang und es gibt viele Plätze, die zum Verweilen einladen. Ein gemütlicher Anfang.

Übernachtungstipp: das Hotel Lech war sehr freundlich und die Bücherauswahl in der Lobby überraschend gut. Ich hab mich hier sehr wohl gefühlt. 

2. Etappe: Lech – Warth – Steeg

25km, 933hm bergauf, 1335hm bergab
Der zweite Tag erfordert bereits mehr Kraft und Ausdauer. Zunächst geht es oberhalb der Schlucht entlang nach Warth, wo man einen ziemlichen Umweg geht rein in den Ort und auf der anderen Seite wieder zurück in die Richtung, in die man eigentlich will. Dafür sieht man das Walserdorf und der Ausblick ist auch hier sehr malerisch. Beim Gehrnerhof gibt es eine gute Jause, die „Chrommi Chämiiwürza“ Kaminwurzen sind Teil der Lechweg Produkte. Die Stärkung kommt gerade recht, dann jetzt geht es lange lange geradeaus und dann endlich bergab. Wieder am Fluss angekommen sind es noch einige Kilometer bis nach Steeg. In der Käserei Sojer direkt im Ort kann man verschiedene Produkte verkosten, ua gibt es auch köstliches Joghurt.

3. Etappe: Steeg – Holzgau Hängebrücke – Elbigenalp

17,5 km, 880hm bergauf, 922hm bergab
Am dritten Tag machen sich bei mir die ersten zwei bemerkbar, andererseits kommt langsam auch ein wenig Routine in die Sache. Über die Hängebrücke in Holzgau geht es weiter nach Elbigenalp, dem Geburtsort der Anna Stainer Knittel, welche als Romanvorlage für die „Geierwally“ diente. Auch sonst hat der Ort geschichtlich einiges zu bieten, schön aufgearbeitet im Museum „Wunderkammer Elbigenalp“. Ein Besuch im Museum und ein Abendessen im Restaurant „Geierwally“ sind ein wunderbarer Abschluss des Tages.

Tipp: im Restaurant „Geierwally“ gibt es, wie im Museum, auch richtig viel zu entdecken und das Essen schmeckt köstlich! 

4. Etappe: Elbigenalp – Stanzach

21 km, 786hm bergauf, 887hm bergab
Der Lech ist mittlerweile richtig groß geworden und die Landschaft verändert sich merkbar. Für mich ist es der anstrengendste Tag, vielleicht auch weil es bei meiner Wanderung regnet und stets recht flach geradeaus geht.

5. Etappe: Stanzach – Wängle

20 km, 328hm bergauf, 325hm bergab
Heute regnet es auf meiner Wanderung auch noch, aber ich habe meine Wanderlust wieder gefunden und streame Ö1-Sendungen beim Gehen. Das lenkt ein bisschen vom schmerzenden Knie ab und die Zeit vergeht schneller. Zu Mittag kehre ich im Gasthof Kreuz ein, wo es phänomenal gutes Essen gibt! Das sollte man sich wirklich gönnen, wenn man es bis hierher zu Fuß geschafft hat. Gestärkt geht es dann weiter, für mich mit einem Abstecher mit einem e-Roller, der normale Lechweg wieder direkt am Fluss entlang. Die Highline 179 bei Reutte über die B179, ist ein neueres Highlight für die Region und ein kurzer Besuch den Abstecher wert.

6. Etappe: Wängle (bei Reutte) – Füssen

24,5 km, 1103hm bergauf, 1245hm bergab
Das Wetter wird auf meiner letzten Etappe zwar nicht besser, dafür ziemlich mystisch. Ich bekomme nochmal einen Motivationsschub, denn heute ist die letzte Etappe. Und so schön es ist, ich bisschen freue ich mich einfach auf eine heiße Dusche und am nächsten Tag mal eine Pause. Am Alpsee sehe ich noch die beiden Königsschlösser in der Ferne – ein anderes Mal würde ich sie gerne aus der Nähe besuchen. Doch für heute heißt das Ziel Füssen, Dusche und Bett.

Der Lechfall bei Füssen im Allgäu.
Der Lechfall bei Füssen im Allgäu – das Ende des Lechwegs.

Anreise zum Lechweg

Lech erreicht man öffentlich zB mit der ÖBB bis Langen am Arlberg und von hier mit dem Bus. Im Sommer fährt von Lech der Wanderbus über die Mautstrasse bis zum Formarinsee. Wer mit dem Auto kommt kann es hier um 1€/Tag in der Anger Tiefgarage parken. In Füssen kosten 7 Tage in der Parkgarage City hingegen 40€ (Wochenkarte). Für die Busverbindung Füssen bis Lech sollte man ca 3 Stunden einplanen und am Vormittag starten.

Hier geht es zu den Busfahrplänen zwischen Lech-Füssen und Füssen-Lech. Gut zu wissen: Gäste die am Lechweg wandern, nutzen mit der Lechtal Aktiv Card den Wanderbus kostenlos.

Die nächstgelegenen Flughäfen für eine weitere Anreise sind Memmingen im Allgäu, Innsbruck in Tirol oder München.

Praktische Links zum Lechweg

Tourismusverbände und Attraktionen entlang des Lechwegs:  

Lech | FormarinseeFreiburger Hütte am FormarinseeWarth | Canyoning bei WarthKäserei Sojer in SteegHängebrücke Holzgau | Wunderkammer Elbigenalp | Hängebrücke Highline 179 | Gasthof Kreuz in RiedenFüssen im Allgäu

Aktuelles für 2019

  • Ab 19. Juni 2019 ist der Lechweg dieses Jahr wieder geöffnet! Dann beginnt in Lech die Sommersaison und der Wander-Shuttlebus fährt wieder zum Formarinsee.
  • Aktuelle News gibt es auf der Facebook Seite des Lechwegs
  • Ab Mitte Mai kann man allerdings bereits je nach Schneelage von Warth am Arlberg über die Naturparkregionen Lechtal und Reutte bis zum Lechfall in Füssen wandern.
  • Zwischen Warth und Lech am Arlberg bis zum Formarinsee hat man ab 08. Oktober bis Ende Oktober die Möglichkeit mit einem Taxishuttle zum Ausgangspunkt zu gelangen.

Packliste & Kartenmaterial

Wenn ihr noch Fragen habt, könnt ihr die mir gerne hier stellen, dann haben alle anderen auch was davon. Auch Hinweise über besonders nette Unterkünfte oder gute Einkehrorte euren Erfahrungen nach, nehme ich gerne mit in die Liste auf.

Lea

PS: Pinn mich!