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Eine wunderschöne, eher einsame Frühlingswanderung vom Plansee auf den Schrofenas (1708m), den Tauern (1841m) und den Zunterkopf (1811m). Auf der Rundwanderung kommt man auch am beliebten Fotospot mit Blick auf den Plansee vorbei.

Einsame Wege, verwirrende Steige

Bei meiner Recherche zur Wanderung bin ich auf verschiedene Berichte gestossen. In einige wird die Tour als “leichte Bergtour” angepriesen und es ist die Rede von einem “kurzweiligen Abstieg”. Andere haben auf dem vergessenen Wanderweg, den maximal Einheimische begehen, sogar biwakiert und rutschen über eine Schotterrinne vom Zunterkopf zurück ins Tal. Ob West oder Ostanstieg oder bergab am besten ist, ist wild umstritten. Einig sind sich alle, dass man die Sache bei Regen vergessen sollte.

Instagram-lastigere Seiten wissen vom berüchtigten Instagram Hotspot am Plansee, zu berichten der in einer Stunde Wanderzeit erreicht sein soll. Der liegt auf meinem Weg, wunderbar.

Auf Outdooractive und auf Bergfex finde ich jeweils einen GPX Track, den ich mir in die jeweilige App lade. Dazu eine Powerbank, denn mein iPhone ist nicht mehr das jüngste und der Akku schwächelt in der Hitze schnell. Und die Wahrheit über diese Wanderung? Nun, die liegt irgendwo dazwischen.

Der Weg über die drei Gipfel

Wenig romantisch habe ich von einem Vergleich des Berges gelesen, der sich wie ein Kreuzfahrtschiff zwischen Heiterwanger See und Plansee schiebt. Unrecht hat der Erfinder optisch betrachtet damit zwar nicht, aber Kreuzfahrtschiffe und unmarkierte Wanderwege gehen mir dann doch zu weit auseinander. Das Bild bekomme ich die gesamte Tour über aber nicht mehr aus dem Kopf.

Bootshaus und Segelclub

Die Wanderung beginnt auf an einem Ort, an dem mir mehre Gebäude bereits bekannt vorkommen: die Holzhütte am See. An dieser prangen mehrere nicht zu übersehende “Betreten verboten!” Schilder und gegenüber der alte Segelclub.

An der kleinen Brücke hinter beim Seecamping Parkplatz beginnt die Wanderung. Entlang des Ufers geht es bis zu einem Geröllfeld, an dem ein schmaler nicht ganz leicht zu findender Weg beginnt. Ab hier gibt es keine Wasserquellen mehr am Weg und Sneaker zählen nicht zur richtigen Schuhwahl, denn der schmale Pfad ist teils rutschig aufgrund der Wurzeln, matschig nach Regenfällen, felsig und teils auch ausgesetzt. Tragt also am Rücken was euch glücklich macht, aber sorgt für gute Schuhe.

Der Weg führt und unzähligen Kehren steil bergauf vom Plansee zum Fotospot.
Der Weg führt und unzähligen Kehren steil bergauf.

Der Aussichtspunkt über den “Fjord”

Je nach Tempo erreicht man in 30, 45 oder vielleicht auch 60 Minuten den berühmten “Instagram Spot” der direkt am Weg liegt. Genau genommen sind es sogar zwei. Ob du wirklich richtig stehst, erkennst du am bunten Stein am Boden, der die Richtung zu den Latschen weißt. Unübersehbar.

Ich halte übrigens nichts davon diese bereits bekannten Orte “geheim” zu halten, geheim sind sie schon lange nicht mehr. Vielmehr finde ich es gefährlich sie als “leichten Spaziergang” zu bewerben. Besser gut informiert und ausgerüstet losziehen – oder sich dagegen entscheiden, wenn man zB eben diesmal keine guten Schuhe dabei hat oder bei abschüssigen Stellen, rutschigen Wurzeln oder engen Trampelpfaden einfach nicht gut fühlt. Es gibt ausreichend andere schöne Aussichtspunkte in der Region für die man nichts riskieren muss.

Wer Glück hat erwischt einen windstillen, sonnigen Moment am See.

Erst hinter dem Fotospot liegt ein abschüssiges, felsiges Stück Weg mit locker um Wurzeln gewickelten alten Stahlseilen. Die kleine Leiter ist zwar hilfreich um über eine Stufe zu kommen, aber bei meinem Besuch ebenfalls nicht verankert. Geübte Wanderer belächeln diese Hinweise sicherlich nur, wer alpine Wanderungen an seinen zwei Händen abzählen kann sollte sich das zu Herzen nehmen. Hier geht es rechts und links tatsächlich ungut steil bergab, Trittsicherheit ist eine absolute Voraussetzung. Solche Dinge ändert sich übrigens über die Jahre, gerade nicht markierte Wege haben ein Eigenleben, da sie niemand offiziell pflegt und hegt wie andere Wanderwege. Anderseits ist für manche genau das das Schönste an solchen wilden Steigen!

Beim Posen, Jausnen und Fotografieren – ja, der See sieht wirklich gigantisch schön aus von hier – Achtung auf Zecken, die sich hier sehr wohl fühlen, aber auch gerne auf Reise gehen. Definitiv keine Reisebegleiter, die man gerne hat.

Der Jägersteig auf den Schrofenas

Nur ein paar Minuten weiter steht eine kleine Jägerhütte, hier kann man gut auf der Bank rasten. Dann geht es hinter der Hütte weiter bergauf über den Grasrücken. Auf diesem Wegstück über die hohen Wiesen hat man den besten Blick auf Heiterwang und den stechend blauen Heiterwangersee.

Der Schrofenas ist zwar ein echter eigenständiger Gipfel – das Gipfelkreuz aber nur ein zusammengebundenes Mini-Holzkreuz. Man findet ihn folgendermaßen: kurz nachdem man das Felsloch zu rechter Hand passiert hat, führt ein Trampelpfad links vom Weg ab. Durch die Latschen geht es im Zickzack bergauf. Immer wieder deutet eine Spur in eine Sackgasse. Wer sich hier nicht mindestens einmal vergeht, hat sicherlich Indianerblut in seinen Adern. Ein GPX Track auf einem Handy mit vollem Akku (eventuell mit Powerbank) ist auf der gesamten Tour Gold wert.

Gipfelfoto am Schrofenaus über dem Plansee. Das Kreuz improvisierte Kreuz ist mini.
Gipfelfoto am Schrofenaus über dem Plansee. Das Kreuz improvisierte Kreuz ist mini.
Der Heiterwangersee von oben.

Vom Schrofenas auf den Tauern

Vom Gipfel (hin und wieder auch Schrofennas oder Schrofenase genannt) geht es ein kleines Stück am gleichen Weg zurück, denn die andere Seite besteht aus einer Felswand wie man später gut sieht. Ich habe von hier eine ganze Stunde zum nächsten Gipfel gebraucht. Das lag aber auch an den umgefallenen Bäumen an Kamm, denen ich großräumig ausgewichen bin… Um wieder auf den Weg zu kommen musste ich ein wenig in den Latschen Turnen, was seine Zeit beansprucht. Mehrere Zeckenkontrollen inklusive. Drei der Biester konnte ich von meinen Beinen wieder wegschnipsen.

Auf den Tauern Gipfel

Am Grat hinauf zum Tauern teilt sich der Weg, beide Wege führen aber nach oben. Die “Kletterei im ersten Grad” ist mehr als einfach. Schwierig ist allerdings der rote Wegpunkt zu erkennen, der von unten fast nicht sichtbar ist. Und über Felsen mag man sich doch nicht versteigen…

Die letzten Mater auf den Tauern, dahinter liegt der Schrofenas.
Die letzten Mater auf den Tauern, dahinter liegt der Schrofenas.

Ist der höchste der drei Gipfel erstmal erreicht, heißt es durchatmen und genießen. Die Aussicht ist phänomenal und ein Segelflieger schwirrt mir um den Kopf und winkt auch mal rüber. Nach einer kurzen Pause gehe ich weiter, der scheinbar steile Grat entpuppt sich als schneller Weg rüber. 30min später stehe ich am letzten Gipfel, dem Zunterkopf. Achtung: die Latschenstraße biegt einmal links vom Berg leicht bergab – das ist der falsche Weg! – auch wenn er einladend aussieht.

Generell zahlt es sich aus nach Steinmännchen, roten Punkten und eventuellen Wegsprüngen von einer Seite des Grates auf die andere, Ausschau zu halten! Oder das GPX bei der Hand zu haben.

Blick zurück vom Zunterkopf zum Tauerngipfel. Der Weg geht am Grat entlang.

Vom Tauern kann ich das beschriebe Geröllfeld für die Abkürzung hinunter nicht klar erkennen, also bleibe ich auch für den Abstieg nach dem Zunterkopf einfach am Weg. Dieser zieht sich zuerst noch recht lange durch Latschen und dann durch einen Laubwald. Schier endlos geht es nach unten und kurzweilig kommt mir hier gar nichts vor. Aber solche Empfindungen sind bekanntlich immer sehr subjektiv. Ich bin jedenfalls mit meiner Richtungswahl zufrieden für die Runde.

Aufgrund der Zecken möchte ich mich auch nicht nochmal auf den Boden setzen und auf eine Bank hoffe ich vergeblich. Egal, irgendwann ist das Stück auch geschafft und der Weg führt zum Auslauf des kleinen Plansees.

Hier werde ich mit dem Angelboot abgeholt. Normalerweise müsste man noch ein paar Schritte mehr tätigen um wieder am Ausgangspunkt anzukommen.

Wandertipps

  • ausreichend Wasser mitnehmen, keine Quellen am Weg (im Sommer früh starten!)
  • Achtung auf Zecken!
  • Keine Einkehrmöglichkeiten am Weg (Jause mitnehmen, Energieriegel, etc.)
  • gute Schuhe, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit an so einigen Stellen erforderlich
  • GPX Daten der Wanderung (das wäre mein Track, Achtung auf kleine Loops – das waren meine Verhauer) laden auf ein Handy mit vollem Akku, eventuell Powerbank mitnehmen. Ich fand in diesem Fall die Einzeichnung der Steige auf Outdoor Active Karte treffender als auf jener in der Bergfex App. Man kann die jeweils kostenlose Version verwenden, Datenempfang war durchgängig (im Netz von Magenta).
  • Schwimmsachen nicht vergessen für einen Sprung in den See nach der Wanderung!
  • Wetterbericht vorher checken, bei Nässe sehr rutschig und nicht zu empfehlen.

Campen am Plansee

Es gibt zwei Unterkunftsorte am See, jeweils einHotel mit anschließendem Campingplatz: Camping Seespitze beim Hotel Seespitz und Campingplatz Sennalpe beim Hotel Forelle (direkt am See, ca. 60€ pP mit Frühstück) am anderen Ende des Sees. Dort gibt es in der Musteralpe übrigens auch eine Schaukäserei und Ab-Hof Verkauf.

Parken am Plansee

Entlang des Plansees gibt es immer wieder Parkplätze, die kostenfrei sind. Die Parkplatze in der Nähe der Seespitze (Nord-West-Ufer), bzw. Hotel Forelle (Nord-Ost-Ufer) sind aber gebührenpflichtig.

Für die Gipfelwanderung-Wanderung parkt man am besten in der Nähe der Seespitze (Brücke) oder schon früher in der Nähe der Hubertuskapelle.