Undara Nationalpark | Von Lavahöhlen, Wallabies und Frühstück am Lagerfeuer

Etwas unerwartet ist es dann doch: das Outback in Tropical North Queensland. Jene australische Region, die neben dem Great Barrier Reef auch für den tropischen Daintree Rainforest bekannt ist, bietet ein Stück weiter ins Land nämlich noch etwas ganz anderes: den Undara Nationalpark. Hier betreibt die Familie Collins die „Undara Experience“ Lodge. 15 Kilometer entfernt an der nächsten Hauptstraße steht ein großes Plakat. Es wirbt mit dem Slogan: „Australia’s Accessible Outback“ – und für australische Verhältnisse ist der Ort tatsächlich überraschend schnell vom nächsten Flughafen aus in Cairns zu erreichen.

Rund dreieinhalb Stunden Autofahrt nach Ankunft im Nordosten Australiens steht man vor der Einfahrt zum Undara Nationalpark. Jetzt ist es auch nicht mehr weit zum Resort, welches das Zentrum für Ausflüge im Park ist. Interessanterweise bedeutet der Name „Undara“ eher das Gegenteil einer kurzen Reise: es steht nämlich für den „langen Weg„. Allerdings ist damit keinesfalls die Anreise sondern das Highlight es Nationalparks gemeint: die langen Lava-Tunnel des Undara Nationalparks.

Abzweigung zur Undara Experience.
Abzweigung zur Undara Experience.

Faszinierende Lava Höhlen

Bram Collins, der Besitzer der Farm, kennt die Höhlen in und auswendig. Er ist hier auf einer großen Rinderfarm aufgewachsen, die seine Vorfahren im Jahr 1862 aufgebaut haben. Seit eh und je wurden hier Rinder gezüchtet und verkauft. „Wir wussten immer schon, dass es Höhlen gab. Lava Tubes nannten wir sie damals noch nicht“ erzählt Bram.

Bereits zur Ankunft der Europäer war das Land zeitweise bewohnt von Aborigines des Stammes Ewamian. Man vermutet aber, dass die Ureinwohner hier nur zum Jagen herkamen, denn es gab kein dauerhaftes Wasser. Entsprechende Fundstücke, wie Pfeilspitzen, deuten darauf hin. Erst die Europäer brachten die Technologie zum Brunnenbau mit sich und griffen auf das Grundwasser zu, um ihre Farmen aufzubauen. Ein weiterer Hinweis ist, dass es keine Erzählungen über die Tunnel gibt, obwohl die Aborigines sie sicherlich kannten aber vermutlich lieber umgangen sind.

Ende des 20. Jahrhunderts begann sich der Staat für das Land der Collins zu interessieren. In langen Verhandlungen einigte man sich darauf den Zugang über die Undara Experience in den Nationalpark zu regulieren, betrieben von den vorherigen Landbesitzern der Collins Familie. Eine Lösung mit der alle soweit glücklich waren und durch die auch der Zugang für interessierte Touristen geregelt wurde.

Übernachtung im Outback des Nord-Ostens

Auch wenn man bei Tropical North Queensland nicht sofort ans Outback denkt, hier steht man mitten drin. Neben Campingplätzen, mietbaren Zelten und einem Caravan Park gibt es auch eine ganz besondere Form der Übernachtungsmöglichkeit: 24 alte Eisenbahnwagons aus dem Anfang des letzten Jahrhunderts wurden zu kleinen Zimmern mit Bad umgebaut und werden als solche vermietet. Die Wagons kommen aus Queensland, nur einer stammt ursprünglich aus Manchester. Gekauft hat sie Brams Vater als er anfing aus der „Spring Creek Station“ eine touristische Attraktion zu gründen. Übrigens zu einem guten Preis, deutlich teurer war der Transport zu ihrem heutigen Standort. Schienen gab es ja keine.

Eine ungewöhnliche Übernachtungsmöglichkeit sind die Eisenbahnwaggons mitten im Outback.
Eine ungewöhnliche Übernachtungsmöglichkeit sind die Eisenbahnwaggons mitten im Outback.
Am Lagerfeuer gebräunter Toast.
Am Lagerfeuer gebräunter Toast.

Bush Brekkie

Nicht inklusive, aber für weniger erfahrene Outback-Camper ein wunderbares Erlebnis, ist das sogenannte „Bush Brekkie“ bei dem frischer Kaffee über dem Lagerfeuer gebrüht wird. Das Brot toastet man sich selbst, dazu gibt es Tomatensauce, Speck und Spiegelei.

Doch der eigentliche Grund des Besuchs ist in den meisten Fällen wohl nicht die Übernachtung sondern die Touren im Nationalpark, die man von hier unternehmen kann. 9 Wanderwege stehen allen jenen zur Verfügung, die ausreichend Zeit mitbringen um die Region selbst zu erwandern. Die Wanderungen variieren zwischen 1,5 Kilometer und 12 Kilometer.

Mit den Savanna Tour Guides geht es zu den Lava Tubes. Wer das meiste aus einer Nacht Aufenthalt machen möchte schließt sich der Sunset Tour an und startet am nächsten Tag mit einer Explorer Tour in die Lava Tubes.

Tierisches Treiben zum Sonnenuntergang

Die Sonnenuntergangstour beginnt mit einer Suche nach Wallabys. Die kleine Art der Kängarus ist hier besonders häufig anzutreffen, wie zB das Hübschgesichtwallaby oder das Mareeba-Felskänguru. Vor lauter Spotting kommen wir fast zu spät zum Sonnenuntergang auf einem Hügel an. Bei einem Glas Sekt und kleinen Snacks lässt sich der Ausblick über das Land in afrikanischer Manier genießen.

Auf der Suche nach Wallabies.
Auf der Suche nach Wallabies.
Gefunden! Dieses hier gehört zur Gattung der Mareeba Felskängarus.
Gefunden! Dieses hier gehört zur Gattung der Mareeba Felskängarus.
Sonnenuntergang im Undara Nationalpark.
Sonnenuntergang im Undara Nationalpark.
Blue Hour auf der Sunset Tour.
Blue Hour auf der Sunset Tour.

Nachdem die Sonne am Horizont verschwunden ist, geht es ein kleines Stück weiter mit dem Bus zum Eingang einer Höhle, in der tausende Fledermäuse nachts nach Futter jagen. Doch sie sind nicht die einzigen, die hier jagen. Die grüne Baumpython ist hier nicht hinter einer dicken Glasscheibe sondern in den Bäumen direkt über dem Höhleneingang zu sehen. Manche Schlangen zieht es auch in die Höhle, wo sie geschickt über Felsvorsprünge sich nach oben arbeiten um schlafende Fledermäuse zu überraschen. Für Menschen ist diese Art der Schlangen zwar giftig, aber nicht tödlich.

Zurück im Resort wartet das Abendessen und eine Lagerfeuergeschichte auf hungrige Besucher. An unserem Tisch hat Bram Collins Platz genommen und erzählt von seiner Kindheit. Er ist hier abgeschieden von allem aufgewachsen. Umringt von 164 ehemaligen Vulkanen und endlich viel Land. Schultests hat er noch per Funk absolviert. Seinen eigenen Kindern möchte er das nicht antun und ist in die Stadtnähe von Cairns gezogen. „Dabei ist das Wlan doch nur momentan nicht in Betrieb?“ frage ich vorsichtig nach. Doch Bram lacht nur, eine anständige Verbindung kommt hier offenbar sowieso nie zustande.

Der gewaltige Bogen am Höhleneingang ist bis zu 12m hoch.
Der gewaltige Bogen am Höhleneingang ist bis zu 12m hoch.
Auf der Suche nach Fledermäusen im Inneren eines Lava Tubes.
Auf der Suche nach Fledermäusen im Inneren eines Lava Tubes.
So viel zu sehen.
So viel zu sehen. Foto: Nina <3 www.smaracuja.de

Am nächsten Morgen schließen wir uns der Archway Explorer Tour an, die zunächst zu einem gigantischem Bogen führt. Brams stand im zarten Alter von sieben Jahren hier das erste Mal und erinnert sich noch gut daran: „Es war das schönste, was ich je gesehen habe“. Und wirklich, der Bogen ist beeindruckend groß, leuchtend und schön. Bram selbst hat später hier unter dem 190.000 Jahre altem Steinbogen geheiratet. Auch wenn die Ehe nicht ewig hielt, die Hochzeit war sicherlich phänomenal. Ein gut gesicherter Weg führt weiter in eine tiefe Höhle.

Eine uralte Würgefeige (Ficus virens) steht zwischen Bogen und Höhleneingang. Ihre Wurzeln laufen am Höhlenboden entlang, auf der Suche weltvollem Wasser. Sie erinnern an Adern und jagen mir einen Schauder über den Rücken, auch wenn das Bild schön ist, hat es etwas mystisches und unheimliches. Ich bin froh etwas später wieder in der Sonne zu stehen. Und hätte gerne mehr davon. Von der Sonne, vom Outback und seinen tierischen Bewohnern und den Erzählungen aus abenteuerlichen Zeiten. Vielleicht ein anderes Mal. In der Regenzeit soll es hier auch schön sein. Brams nennt sie „Green Season“, denn ganz so viel regnet es hier nicht und das Outback wuchert dann nur so.

Preise (Stand 2018)

  • Übernachtung im Eisenbahn-Wagon: 180 AUD
  • Sunset Tour: 60 AUD
  • Archway Explorer Tour: 58,50 AUD

 

PS: Pinn mich!

 

 

 

 

 

//Unbezahlte Pressereise mit Queensland Tourismus. Das Fernglas wurde mir als unbezahlte Leihgabe von Swarovski OPTIK zur Verfügung gestellt.

 

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