Seit 1880 steht das Grand Hotel Refuge du Montenvers auf einem Logenplatz am Felssporn Montenvers auf fast 2000m Seehöhe. Ein massives Haus, vier Stockwerke hoch, verziert mit weiß-roten Fensterläden und einer Ausstrahlung, wie in einem Wes Anderson Film. Vor einigen Jahren wurde es von den neuen Eigentümern der französischen Hotelkette Sibuet gekauft und umgebaut. Jetzt erstrahlt es im alten, aber doch ganz neuen Glanz.

Das ehemalige Grandhotel Montenvers nach der Renovierung.
Das ehemalige Grandhotel Montenvers nach der Renovierung.

Die Zimmer im Refuge du Montenvers

Die alten, in die Jahre gekommenen Zimmer wurden teilweise zusammengelegt, um Platz für eigene (kleine) Bäder und WCs zu schaffen. Der ehemals knarrende Holzboden ist unter einem Teppich in Holzboden-Optik versteckt, damit die Gäste in Ruhe schlafen können… nicht ganz so schön, aber funktionell.

Benannt sind die Zimmer nach prominenten Gästen, die einst hier residierten. Ihre Gesichter prangen an den Zimmertüren: der englische Schriftsteller Charles Dickens, der ungarische Komponist Franz Liszt, Marie Louise von Österreich oder die britische Schriftstellerin Mary Shelley. Letztere machte den Ort sogar zum Schauplatz in einer Szene in ihrem Buch „Frankenstein“.

In dem Mary Shelly gewidmeten Zimmer fühle ich mich trotzdem wohl. Fernseher gibt es hier keinen. Dafür kann ich auf der breiten Fensterbank Platz nehmen und die Fernsicht auf den Gletscher vom Zimmer aus genießen. Wenn draußen der Nebel durchs Tal zieht, und die Wolken immer wieder Teile des Gletschers und der umliegenden Berg freigeben, fühle ich mich wie in eine andere Welt versetzt. Wäre da nicht ein voll funktionales WLAN, wäre der Digitale Detox perfekt. Aber für ein paar Stunden kann man das Handy, ja auch einfach beiseite legen.

Das Interieur

Im Kamin im Eingangsbereich knistert das Feuer und über den Lautsprecher spielt angenehme Jazz Musik. Am Nachmittag steht an kühlen Tag ein Glühwein im gusseisernen Topf bereit, dazu schmeckt mir ein Stück vom Marmorkuchen. Oder soll ich doch die Schokoladentorte probieren? Sie strotz so sehr vor Schokolade, dass sie fast schwarz ist.

Die alten Bilder an der Wand zeigen Bergsteiger, die auf Holzleitern über Gletscherspalten klettern und Damen die in langen Röcken über das Eis spazieren. Abenteuerlich. Als das Hotel gebaut wurde, floss der Gletscher noch direkt vor der Tür vorbei, heute sieht das ganz anders aus.

Gut zu wissen: das gesamte Personal spricht sehr gutes Englisch und erzählt gerne mehr über die Einrichtungsstücke.

Ausflug aufs “Mer de Glace” bei Montenvers

Wer den Gletscher heute aus der Nähe bestaunen möchte, muss mit einer Seilbahn ins Tal zum Eis fahren. Ja, richtig gelesen. Ins Tal hinab. Und selbst dann ist man noch nicht angekommen, denn die Seilbahn wurde Ende der 1950er Jahre gebaut. Heute ist der Gletscher, das sogenannte Eismeer, viel weiter unten im Tal. Über luftige Stiegen, die jedes Jahr verlängert werden müssen, führt der Weg zur künstlich ins Eis geschlagenen Eisgrotte. Die am Fels angebrachten Tafeln weisen darauf hin, wie drastisch der Gletscher hier schmilzt. Die letzten Tafeln sind nur wenige Jahre alt und überragen die heutige Oberfläche bereits um Häuser. Das „Mer de Glace“, was übersetzt Eismeer bedeutet, ist trotzdem immer noch der längste Gletscher Frankreichs.

Vor einigen Jahren bin ich die Vallee Blanche mit dem Snowboard hinabgesaust. Ganz am Ende sind wir ebenfalls in einer Eishöhle gelandet. Einer natürlichen. Bei meinem Besuch nur wenige Jahr später ist die Höhle längst Geschichte und die künstlich gebohrten Gänge liegen 30m tiefer als noch vor 4 Jahren. Anschaulicher ist der Rückzug der Gletscher nicht zu beobachten.

Im Eismeer, Mer de Glace.
Im Mer de Glace – im künstlich angelegten Eispalast.
Der Weg zum Eismeer, Mer de Glace bei Chamonix.
Die Höhle wird vor Sonneneinstrahlung mit Plastikplanen geschützt.
Aussicht von der Terrasse des Panoramique auf dem Felsvorsprung Montenvers.
Ausblick von der Terrasse auf das Eismeer.

Der Ausblick ist einzigartig: rechts der Felsdorn des Aiguille du Dru, in der Ferne die weißen Gipfel des Grandes Jorasses und in der Mitte der Eisstrom.  

Wandertipp von Montenvers aus: Le Signal

Wer dem Trubel der Tagesgäste entkommen möchte, wandert vom Hotel aus zum Aussichtspunkt Le Signal. Nach einer dreiviertel Stunde erreicht man einen recht unscheinbaren Ort auf 2.198m, der nur durch Steinmanderl gekennzeichnet ist. An diesem Punkt wurden die ersten Aufzeichnungen über den Rückgang des Gletschers aufgezeichnet. Es ist zugleich der Endpunkt des Grand Balcon Nord Wanderwegs, der von der Mittelstation der Aiguille du Midi Seilbahn hinüber führt. Einem der schönsten Wege, die man in den Sommermonaten oberhalb vom Chamonix gehen kann. Nur die Zeit sollte man dabei im Auge haben, um nicht den letzten Zug ins Tal zu verpassen!

Fernglas nicht vergessen!

Abendessen im Restaurant

Vom Salat mit Nüssen und Bergkäse, über ein fein gebratenes Huhn mit Püree bis hin zur Nachspeisen-Kreation – beim dreigängigen Menü im Hotel gibt es wahrlich nichts zu bemängeln. Unter den Nachspeisen finden sich drei Kugeln Eis, ein Panna Cotta mit Fruchtspiegel, zwei Stück Panettone und ein Heidelbeerkompott Platz auf einer Schieferplatte wieder. Wow.

Anreise aus Chamonix mit der Montenvers Bahn

Die elektrische Zahnradbahn „Chemin de fer du Montenvers“ bringt seit 1913 Schaulustige auf den 1913m Montenvers. Fünf Kilometer lang windet sich die Bahn über alpine Wiesen und durch einen märchenhaften Wald, bis sie schlussendlich das alte Bahnhofsgebäude am Gletscher erreicht.

Dieses Hotel ist übrigens eindeutig ein #accidentalwesanderson Hotel.

Wanderung

Ein Aufenthalt lässt sich auch mit der Grand Balcon Nord Wanderung zum Refuge Plan du Plan de l’Aiguille verbinden!

Preise und Kontakt

Der Übernachtungspreis im Refuge du Montenvers liegt im kleinsten Zimmer mit Halbpension (Frühstück und Abendessen inkl, nicht aber die Zugfahrt aus Chamonix) bei ab 190€.

Hotel Refuge du Montenvers
Le Montenvers
Chamonix-Mont-Blanc 74400
Frankreich
Tel. +33 450 538770
www.refugedumontenvers.com

*Entstanden im Zuge einer Recherchereise, teils auf Einladung, teils selbstbezahlt. Alle Meinungen spiegeln wie immer meine eigenen Eindrücke wieder.