Gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und Interreg V-A Italien-Österreich 2014-2020 | Beauftragt durch die Tiroler Umweltanwaltschaft

Im Juni ist „Bluama Zeit“ im Tiroler Oberland, auf Hochdeutsch und auf den Werbeplakaten also der Wiesenmonat. Man wirft im Zuge eines nachhaltigen Tourismus ein bewusstes Auge auf die Vielfalt und Pracht der Blumenwiesen, die nicht überdüngt werden und nur zwei statt dreimal im Jahr geschnitten werden. Das erhält und fördert die Biodiversität und davon profitieren Insekten und Bienen gleicherweise wie zB Kühe, die selbst Feinschmecker sind, wenn sie die Wahl haben. Auch wir Menschen profitieren indirekt und direkt davon. Direkt zB von den Wildkräutern, die es im Juni im Überfluss gibt und die wir nur pflücken müssen. Vorausgesetzt, man weiß welche.

Gisela Lentsch aus Fließ, weiß welche gut schmecken. Sie ist Bergwander- und Naturparkführerin, sowie vom LFI ausgebildete Kräuterpädagogin und diplomierte Volksheilkundlerin. Mit anderen Worten: Gisela kennt sich aus.

Kräuterwanderung in Pfunds

Gisela erzählt über den Wiesensalbei.

Treffpunkt der Wanderung ist das Infobüro in Pfunds. Das alleine ist eine Besichtigung wert, nicht alle Tourismusbüros sind in solchen schönen, alten Häusern untergebracht. Nach einem kurzen Hallo geht es los. Mit dabei ist eine deutsche Familie mit zwei Kindern. Sie sind Stammgäste in Pfunds und bereits zum sechsten Mal hier auf Urlaub. Das es sowas heutzutage noch gibt denke ich mir! „Aber klar, es gibt immer was Neues zu entdecken,“ meint die Mutter und wirkt sehr zufrieden mit ihrer Wahl. Das ältere Ehepaar, das auch dabei ist, ist zum ersten Mal hier. Sie sind auf Kurzurlaub und wollten mal was Neues ausprobieren.

Wir spazieren direkt aus dem Dorf los, über den reißenden Inn und ab in die blühenden Felder zum Ochsenbühel. Wenn auch wenn Kräuterwanderungen das Wort eine Wanderung suggerieren, in den meisten Fällen sind es Stop-Go-Spaziergänge. Der Weg ist das Ziel, denn alle paar Meter bleiben wir stehen und Gisela pflückt ein Kraut und erklärt. Für die Kinder gibt es Blumen-Sammelaufträge, damit niemand langweilig wird.

Die Vogelmiere, der Vitamin C-Star

„Wer wirklich viele Vitamine zu sich nehmen möchte, sollte den Kopfsalat rausschmeißen, weil die Vogelmiere hat mindestens 15 Mal mehr Vitamin C!“ meint Gisela. Und ganz hübsch ist die Pflanze auch am Salatteller oder zB im Reis. Oder auch getrocknet als Salz, das wir später noch verkosten werden. Auch wenn ihr Name etwas weniger gustiös ist: denn die Vogelmiere, wird auch Hühnerdarm genannt. Der Grund dafür ist der kleine Faden, der stehenbleibt, wenn man sie auseinander zupft. Da haben sie wohl früher schon die Vogelmiere ganz genau untersucht, bevor sie sie verspeist und benannt haben! Sie schmeckt angenehm frisch in der Hitze und erinnet an junge Erbsen.

„Verbrennt-mich-nicht Spinat“

Weiter geht es zur Brennessel. Wer sie nicht wirklich kennt, mag sie vermutlich nicht. Dabei ist sie ganz einfach zu zähmen! Einfach vorsichtig am Stängel pflücken, nach unten halten und mit der anderen Hand sanft „ausstreichen“. So brechen die feinen Brennhärchen und dann kann man sie gefahrlos angreifen. Wer mehr pflückt, zB für einen Spinat, nimmt aber trotzdem besser Handschuhe. Aus Brennesseln macht man Tee, der entgiftend wirkt (Frühlingskur!) und den Stoffwechsel anregt. Als Spinat macht er sich sehr gut oder auch im Knödel. Sobald man ihn blanchiert mit heißem Wasser – oder zerhackt – ist die „Verbrennungsgefahr“ übrigens auch gebannt. Und wenn’s doch mal brennt, eilt der Breitwegerisch zur Hilfe herbei, der den Schmerz lindert.

Rezept für Wiesensalbei Sirup

Wiesensalbei hat keinen so starken Salbeigeschmack wie echter Salbei, aber er sieht gut aus. Zum Beispiel kann man mit seinen lila Blüten sein Brot verzieren oder sie in einen Salat mischen. Gisela erzählt auch von einem Sirup, der toll zu Prosecco schmecken soll. Ein Experiment für die Küche zuhause… Das Rezept hier schnell notiert:

Rezept:

  • 1-2 Handvoll Blüten, keine Blätter und Stängel
  • 1kg Zucker und 1kg Wasser
  • 1 EL Zitronensäure und ein paar Zitronenscheiben

Die Zitronensäure macht den Sirup haltbar und entzieht den Blüten ihre Farbe. Das ganze setzt man ein paar Tage in einem sauberen Kopftopf mit Deckel an, kocht es dann ab und füllt es durch ein Sieb in verschließbare Flaschen.

Tipp: Das Grundrezept funktioniert für viele Kräuterblüten. Wichtig ist nur sie nach viel Sonne zu pflücken, zB in der Mittagszeit. Achtung beim Pflücken auf Bienen, denn die fliegen auf die Blüten! Andere mögliche Blüten für einen Sirup: zB Thymian, Hollunder, Minzblätter, Fliederblüten.

Die Blüten eigenen sich zum Verzieren.

Rezept für Wildkräuterbutter

Am Ende der Kräuterwanderung verarbeiten wir die Zutaten noch zu einer köstlichen Kräuterbutter. Die Zutaten dürfen dabei variieren.

  • Vogelmiere ganze Stängel
  • Brennesselblätter
  • Wiesensalbei Blüten
  • Sauerklee Blätter
  • Schafgarbe Blätter
  • Breitwegerich Blatt

Als Basis hält, wenn verfügbar, eine gute Almbutter her. Die Zutaten werden kurz gewaschen oder wenn es vor nicht allzulanger Zeit geregnet hat, einfach gut inspiziert und wenn für gut empfunden gleich verarbeitet. Mit einem Messer hackt man die Blüten und Blätter fein und verrührt sie mit der weichen Butter.

Garniert wurde unser Aufstrich von den beiden Mädels mit Gänseblümchen, Rotkleeblüten und Wiesensalbei.

Dazu verkosten wir Giselas Kräutersalze, Sirup und Likör. Herrlich wie so eine einfache Mahlzeit so gut schmecken kann! Lernstunden in der Natur sind eben die Geschmackvollsten.

Event Tipp: Am Sonntag, den 23. Juni 2019 findet das große Wiesenfest in Tösens statt!

Generell werden Kräuterwanderungen in vielen Ortschaften in den Alpen angeboten. In Pfunds verstärkt im Wiesenmonat Juni. Wer die Gelegenheit dazu hat und ein Interesse für Kräuter sollte sich einer anschließen!

Weitere Infos und Event-Termine in Pfunds: www.tiroler-oberland.at

Das FUTOURIST Projekt fördert die Einheit von Natur, Mensch und Landschaft durch Zugänge in der nachhaltigen, umweltverträglichen touristischen Inwertsetzung unserer alpinen Naturschätze. Es werden dabei, gemeinsam mit überregionalen Projektpartnern, Maßnahmen zum Erleben von Naturräumen und Kulturlandschaften für Einheimische wie Gäste umgesetzt. Dadurch ergibt sich ein Mehrwert für die Menschen, die Natur und die teilnehmenden Regionen.

Mehr Infos: www.futourist.at

Ein besseres Verständnis für eine biologische Landwirtschaft und den Erhalt der von Menschenhand geschaffene Kulturlandschaft, ist Teil eines funktionierenden nachhaltigen Tourismus.

Und Spaß macht’s obendrauf!