Buchtipp: Eine Familie, zwei Räder und das Abenteuer unseres Lebens

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Ich bin noch nie mit dem Fahrrad gereist. Aber ich habe einen Freund, den ich vor 10 Jahren in Burma kennengelernt habe, der ständig unterwegs ist. Seinen Abenteuern folge ich noch immer, stets mit Bewunderung, denn um ehrlich zu sein, so recht kann ich mir das nicht vorstellen. Trotzdem finde ich den Gedanken mit einem Rad zu reisen schön – nicht zu langsam, nicht zu schnell.  Vor Weihnachten kam dann die Frage des GU Verlags ob mich das neue Buch von André Schumacher interessieren würde, es handelt von einer jungen Familie, die mit zwei Fahrrändern quer durch Europa gereist ist. Nun scheint es mir schon schwer genug alleine mit dem Rad zu reisen und dann gleich zu dritt? Natürlich interessiert mich das!

André Schumacher der Autor ist Reisender von Beruf. In meiner Branche nicht unüblich, trotzdem geht er es etwas anderes an als die meisten meiner Blogger Kollegen. Vom Sattel seines Fahrrads aus hat er bereits große Teile der Welt erkundet und durchquert; von Rostock ans Nordkap und später von Patagonien in den Norden nach Alaska. Den erlernten Architektenberuf tauschte André gegen ein Leben ein, das aus Reisen und über Reisen berichten bestand. Er hält Vorträge, fotografiert und ist mit „Eine Familie, zwei Räder und das Abenteuer unseres Lebens“ nun auch Buchautor.

Den Grundstein dafür legte eine Durchquerung der Kanarischen Inseln 2013. Er schreibt: „Sechs Monate Fußmarsch von Lanzarote bis nach El Hierro, dem einstigen Ende der westlichen Welt. Auf der dritten Insel traf ich Jenni, und auf der siebten war sie schwanger. Und damit war mein Leben vorbei. Oder doch nicht?“ 

Ich gebe zu, jetzt hatte er mich als Leserin am Haken.

Sesshaft werden und wieder aufbrechen

Zusammen ziehen die beiden nach Deutschland, in ein kleines Dorf auf halbem Weg zwischen Ostseeküste und Mecklenburger Seenplatte. Dort errichteten sie den Kunterbunthof, mittlerweile ein Künstlerdorf mit einer mietbaren Ferienwohnung, einer Jurte, einem Hexenhäuschen und Stellplätzen für Wohnwägen und Zelte. Doch es hält sie nicht lange. Als Unai, ihr Sohn 18 Monate alt ist brechen sie mit einem Lastenfahrrad als kleine Familie auf und reisen von Bäbelin bei Wismar nach Pamplona in Spanien. Der vier Monate lange Weg führt durch Deutschland, Tschechien, Österreich, Italien und Frankreich. Mit einem Elbkahn geht es nach Tschechien, in Österreich besuchen sie einen alten Freund, der seinen Hühnern gerade eine „Hütte“ nach dem Abbild der Großen Pyramide von Gizeh baut. In Südtirol werden sie abhängig von Knödeln, bevor nach der Grenze das Leben ohne Knödel seinen Sinn verliert, treffen sie auf offene Menschen und landen zu acht in einem Fiat Panda am Weg zum Digistif auf der Piazza in Vercelli.

André schreibt von seinen Reisen so, wie er sie vermutlich auch auf seinen Vorträgen erzählt. Manchmal erzählt er von der Reise, manchmal auch mehr vom Leben. Oft ist er sprunghaft, witzig und hin und wieder auch geheimnisvoll. Hin und wieder staune ich, wie einfach es zu sein scheint mit Kind und Kegel auf zwei mal zwei Rädern Europa zu bereisen und dann wieder bewundere ich sie dafür es zu tun. Wie immer gehört das Mühsame auch zu einer geglückten Reise, denn ohne Hürden wäre der Weg langweilig. Wer einen ersten Einblick erhalten möchte, kann auf dem Cargo Bike Baby Reiseblog der beiden rein schnuppern. Gäbe es das Buch als Hörbuch, würde ich es mir sofort anhören und nur die Bilder dazu durchblättern!

Mit Kind und Drahtesel on tour durch Europa.
Mit Kind und Drahtesel on tour durch Europa.

„Waschen, Schlafen, Essen kochen, Radfahren. Dazwischen entfalten sich die Tage.“

Ich durfte im Zuge der Rezension auch ein paar Fragen an André stellen, die ich euch nicht vorenthalten möchte.

Reisen mit einem Kleinkind: mit 18 Monaten wird man sich noch nicht an das Erlebte erinnern. Die meisten fragen sich vermutlich: warum also trotzdem losziehen?

André: In Südfrankreich, als der Sommer sich schon dem Herbst zuneigte, haben wir immer öfter draußen geschlafen. Also nicht mehr gezeltet, sondern die Isomatten und Schlafsäcke einfach ins Gras gelegt. Eines abends – ich war noch wach – machte der Kleine seine Augen auf, guckte hoch und sagte: „Sterne“. Es war das erste Mal in seinem Leben, dass er dieses Wort sagte. Dann machte er die Augen zu und schlief wieder ein. Ich saß daneben und hatte Tränen in den Augen. Und ich wusste, das ist unser Geschenk an ihn: ihm neue Sachen zu zeigen, draußen zu schlafen und die Milchstraße zu sehen.

Ich bin mir sicher, dass diese Reise irgendwo in seinem Unterbewusstsein Spuren hinterlassen wird. Spuren von all den Landschaften, die wir durchfahren, und von all den Menschen, die unseren Weg gekreuzt haben. Nicht, weil wir ihm das sagen, sondern weil er es erlebt hat.

Bei eurer Reise durchquert ihr überlaufene aber auch kaum touristische Regionen. Welchen Ort würdet ihr sofort nochmal besuchen? Welchen lieber nie wieder?

Alles war schön, alles war interessant! Als Reisefotograf hat man ja ein Grundproblem: Man ist ständig unterwegs, ein Land ist exotischer als das andere, doch vor der eigenen Haustür kennt man sich nicht aus. Das wollte ich mit dieser Reise ändern: Aus der Haustür raus, auf dem schönst möglichen Umweg durch sechs Länder und über sieben Gebirgsmassive – bis in Jennis Heimat, das Baskenland! Trotzdem, einige Begebenheiten und Regionen haben uns besonders gefallen: mit einem Containerschiff die Elbe hinaufzufahren, Südtirol, die Dolomiten, die Liebenswürdigkeit der Provenzalen und ihre Küche.

Die einzige Ecke, mit der wir nicht warm wurden, waren die Oberitalienischen Seen. Eigentlich ein bemerkenswertes Fleckchen Erde: mittelalterliche Stadtkerne, Kirchen, Klöster. Prächtige Belle-Epoque-Villen und opulente Paläste aus Barock und Klassizismus säumen vielerorts die Ufer. Doch heute residieren hier Geldadel, Sportgrößen und Hollywoodstars, und in ihrem Schlepptau kommen jährlich Millionen Touristen und tanken in überfüllten Cafés Sonne und Espresso. Die sehr Reichen unter ihnen logieren dann in prunkvollen Schlosshotels, die weniger Reichen können zu horrenden Preisen zelten. Und wir fühlten uns einfach nur fehl am Platze.

Mein Lieblingssatz: der letzte dieses Kapitels.
Mein Lieblingssatz: der letzte dieses Kapitels.

Unabhängig vom ständigen Ortswechsel, gab es einen gewissen Alltag bei eurer Reise? Eine Art Routine?

Das Lastenrad war für ein halbes Jahr unser Zuhause – Kinderwagen und Sportrad in einem. Aus Platzgründen ist das Gepäck auf das Nötigste reduziert, der Schnickschnack bleibt daheim. Das Leben ist entsprechend einfach und, man könnte sagen, nahe an der Essenz: waschen, schlafen, Essen kochen, radfahren. Dazwischen entfalten sich die Tage.

Wie schaut ein perfekter Tag beim Reisen für dich aus?

Wir hatten Tage mit dem Lastenfahrrad, da war nach zehn Kilometern Schluss, weil der Kleine keine Lust mehr hatte und unbedingt auf der Wiese spielen wollte. Da sitzt man dann und denkt darüber nach, dass noch 3000 Kilometer vor uns liegen.

Natürlich ist die Rhythmusänderung, die ein Kleinkind reinbringt, schön. Man nimmt die Umgebung viel intensiver war, hat Zeit, sich all die Sachen anzuschauen, an denen man sonst – auch mit dem Fahrrad – achtlos vorbeifährt. Aber ich würde sagen: Ein perfekter Tag ist, wenn alles zusammenkommt: ein bisschen vorankommen, Spaß mit Unai haben, tolle Zeltplätze, herzliche Begegnungen.

Wie kam das Matterhorn auf das Buchcover?

Im Sommer 2016, als unser Sohn 18 Monate alt war, haben wir Europa durchquert, von Bäbelin bei Wismar nach Pamplona in Spanien. Diese Fahrradfahrt durch unseren Heimatkontinent sollte auf dem Cover sichtbar werden. Die Frage war: Was symbolisiert auf einen Blick und für viele Menschen Europa? Ich suchte nach einem Archetyp. Die Elbe? Kennen nur die Deutschen und Tschechen. Der Eifelturm? Zu urban, er entspricht nicht unserer Reise? Ein Pass in den Pyrenäen? Ein Berg am Comer See? Das war alles zu speziell. So kamen wir auf das Matterhorn mit seiner unverwechselbaren, charakteristischen Dreiecksform.

Wer als vollkommener Neuling des Radreisens jetzt Lust bekommen hat, auch ein Stück Europa mit der Familie im Gepäck zu entdecken – welchen Streckenabschnitt würdest du empfehlen?

Wer gerne in Wassernähe radelt, dem sei der Elberadweg empfohlen – eine der reizvollsten Radwanderrouten Europas. Ohne große Anstrengungen geht es immer auf dem Deich entlang durch eine weitestgehend naturbelassene Landschaft, die von den größten zusammenhängenden Auenwäldern Mitteleuropas umrahmt ist. 1997 wurde diese Stromlandschaft von der UNESCO zum Biosphärenreservat der Menscheit erklärt!

Frühmorgens bin ich aufgestanden, mit der Sonne, habe den Störchen und Bibern zugesehen, und dachte: Da kann ich mir die Reise zum Amazonas sparen! Das ist genauso schön – friedlich, still, eine Landschaft, wie ich sie mitten in Deutschland nie für möglich gehalten hätte.

Wer Berge bevorzugt, dem sei das Pustertal ans Herz gelegt: Von Lienz in Osttirol aus geht es 40 Kilometer entlang der Drau gemächlich bergauf bis zur österreichisch-italienischen Grenze. Dort liegt in 1200 Metern Höhe das Toblacher Feld, die Wasserscheide Europas. Und von dort – nun beginnt der Spaß – geht es auf einer Länge von 100 Kilometern auf einer einer perfekt ausgebaute Piste 1000 Höhenmeter stetig bergab bis ins Südtiroler Unterland: durch Lärchenwälder und über saftige Almen, vorbei an den drei großen B’s – Bruneck, Brixen, Bozen. Und immer im Blick: die Dolomiten! Definitiv einer der schönsten Abschnitte der gesamten Reise.

Wohin führt eure nächste Reise als Familie?

Die Cevennen, eine karge Bergregion südlich des französischen Zentralmassivs, haben uns tief beeindruckt. Es gibt gefühlt alle 20 Kilometer ein Dorf mit 30 Einwohnern. Und es sieht aus wie auf dem Altiplano: alles leer, nur gelbe, windgepeitschte Steppe und weiße Kalkfelsen. Wir wussten sofort: Da müssen wir nochmal hin! Aber Unai ist nun schon älter und hat keine Lust mehr, den ganzen Tag im Lastenrad zu sitzen. Deswegen werden wir uns einen Esel suchen: Der kann dann abwechselnd den Kleinen oder unsere Rucksäcke tragen. Im Juni geht’s los. Wer uns ein Stück begleiten möchte, kann sich gern bei uns melden.

Danke André für das Interview. Ich bin schon gespannt zu lesen, wo man einen Esel mit passendem Gemüt auftreibt und was ihr gemeinsam in den Cevennen nächsten Sommer erlebt! 

Live Film & Foto-Shows

Ab 10. Januar ist André in Deutschland und der Schweiz auf Tour – die Termine für die Live Film & Fotoshows findet ihr auf seiner Website.

Das Buch gibt es im deutschsprachigen Buchhandel 16,90€ (17,50€ AT) und auf Amazon*

 

Weitere Reisebücher findet ihr hier am Blog.

 

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