Nun hat es endlich wer gewagt. Seit Kurzem gibt es auch in Innsbruck Ramen. Die meisten Food Trends brauchen etwas länger um im heiligen Land aufzuschlagen und die wenigsten kommen so richtig an. Das konnte man über die letzten Jahre hinweg in der Tiroler Landeshauptstadt gut beobachten, man denke nur an Bubble Tea oder die Öffnung und Schließung diverser Frozen Yoghurt Läden.

Mit Ramen hat sich die neue Koi Bar am Lansersee -“theLansersee” auf Instagram – den vielleicht heikelsten Food Trend ausgesucht, denn hinter Ramen steckt mehr als nur eine Suppe*. Ramen folgt strikten Regeln und lässt zugleich Platz zur Interpretation. Wer, wie einige Asia Restaurants es gerne machen, eine Nudelsuppe serviert und sie Ramen nennt, hat nicht mal ansatzweise verstanden warum es geht. Oft kommt es weniger auf die genauen Zutaten, als auf die Zubereitungsart der einzelnen Zutaten an. Mehr dazu weiter unten.

Essen am Lansersee.

Sonntag Mittag, das Wetter so mittel und der Hunger groß genug für einen Spaziergang mit Einkehr zur Verkostung. Die neue Koi Bar in der hinteren Ecke des Hauptgebäuds des Schwimmbads ist schick, die Tische drinnen und draußen gedeckt. Für die kühlen Temperaturen liegen Decken bereit. Hier hat jemand mit einem guten Gespür für Design einen wunderbaren Ort geschaffen. Der Ausblick auf den See und den verschneiten Patscherkofel im Hintergrund ist uns ein Glaserl Prosecco wert. Cheers, auf die Lage und das Ambiente!

Die Speisekarte ist kurz, die Auswahl an Ramen beschränkt sich auf Miso und Shiyo Ramen, wobei das “Main Topping” mit Cashu (Schweinebauch) gleich ist. Preislich übertreffen die Ramen die Preisen von bekannten Läden in Wien oder München allerdings um fast ein Drittel (Miso Ramen 15,20€ und Shoyu Ramen 14,20€).** Das Cashu kann man auch in purer Form als Vorspeise mit Miso-Aioli und Rucola (8,20€) bestellen. Dass es nur zwei Ramen zur Auswahl gibt, erscheint mir als gutes Zeichen – lieber weniger und das dafür gut. Wir also probieren beide.

Messer, Gabel, Löffel & Stäbchen

Die aufmerksame und wirklich sehr freundliche Kellnerin legt in kürzester Zeit sämtliches, eventuell benötigtes (Wer weiß schon so genau wie und womit man japanische Ramen essen sollte…) Besteck bereit. Nach erfreulich kurzer Wartezeit kommen sie auch schon, die beiden Ramen Teller. Die Suppe warm, aber nicht ganz heiß, eine deutlich dunkler als die andere. Während die Miso Ramen mit Maiskörnern etwas süßlich schmeckt, ist die Shoyu Ramen recht salzig. Zurecht, denn Shoyu Ramen basieren auf Sojasauce, welche – Netflix sei Dank – selbst in Qualität und Geschmack variieren können.***

Die Shoyu Show

Die Enoki Pilze am Tellerrand machen optisch mächtig was her, auch wenn die in meiner Suppe leider schon etwas Wochenendmüde sind (Titelbild). Das Cashu (geschmorter, marinierter Schweinebauch, der auch noch angeröstet wird) schmeckt würzig, der Wasabi passt gut zum fettigen Bauchfleisch. Wer tiefer gräbt, gelangt über die auf der Oberfläche schwimmenden Frühlingszwiebel zu einzelnen Stückchen Bambus, die aber wenig Eigengeschmack, dafür etwas Biss haben.

Die Ramen selbst sind aus Buchweizen und haben eine gute Konsistenz. Als Fertigware durchaus eine schnelle Option als Ersatz für frische Ramen Nudeln, bei dem Preis wären aber auch frische Nudeln kein Fehler. Eine Überlegung, die wie wir hören, der Chef selbst auch bereits anstellt. Dieser steht nämlich laut Auskunft der Kellnerin momentan noch selbst in der Küche und tüftelt an den Ramen. Ein sympathisches Zeichen.

Ein wenig vermisse auch auch das Ei. Zugegeben nicht alle Ramen Gerichte haben marinierte Eier, dennoch erscheint es als repräsentatives Erkennungsmerkmal von Ramen. Ein noch flüssiges Eigelb in einem (bis zu mehreren Tagen) mariniertem Ei, gibt der Suppe erst den richtigen Umami Kick. Wie gesagt, das muss zwar nicht sein – Spezialeffekt gibt es dann aber beim Essen auch keinen.

Für einen abschließenden Espresso Macchiato (aus der guten unbound Rösterei) wechseln wir noch kurz ins Warme, wo ein langer Spiegel den Raum der Bar raffiniert vergrößert. Elegante Kois (eine bunte Zuchtform des Karpfens) schwimmen über die bedruckte Decke, die dunklen Tischplatten passen zum Setting, auch wenn die Kanten noch etwas Feinschliff vertragen. Wie auch die Ramen.

Fazit: Wunderschöne Lage direkt am See, der sich auch außerhalb der Badezeiten als Ausflugsziel anbietet. Sehr freundliches Service, schicke Ausstattung und vielleicht Innsbrucks bisher beste Ramen, zu denen man aber trotzdem (noch) nicht bedingungslos Amen sagen kann.

Koi Bar am Lansersee
Adresse: Am Lansersee 73, A-6072
Tel.: +43 512 377336 (Reservierung erbeten)
Öffnungszeiten: FR, SA, SO 11:00-18:00 (Küche: 12-17:00)
Schöner Spaziergang zB von Innsbruck über das Schloß Amras nach oben oder über einen flacheren Weg von Vill über die Felder zum Lansersee.
Im Sommer Eintritt zum Badesee.
Website: www.lansersee.at

Miso Ramen am Lansersee.

*Ramen Filmtipps:

  • “Mind of a Chef” mit David Chang (Netflix)
  • “Chef’s Table” über Ivan Orkin (Netflix)
  • Kurzer Einblick auf YouTube Bon Appétit über Ramen bei Ivan Orkin
  • ** Vgl. Mochi Ramen Bar in Wien zw. 11,80€ – 12,50€, Takumi in München 9,80€-11,80€
  • Sehr spannend dazu auch dieser Blogartikel von Angelika
  • ***„Salt, Fat, Acid, Heat“ Serie, Salz Episode
  • Acht Tipps von Ivan Orkin – schöner Nowness Kurzfilm
  • Und für alle mit Sitzfleisch und guten Nerven: Tampopo DER Ramen-Filmklassiker schlechthin