Indian Summer in Tirol | Eulenwiesen

Leuchtende Bäume, karge Felsen, blitzblaue Seen und ein weiches Sonnenlicht. Selbst wer dem Wandel zur kalten Jahreszeit sonst nichts abgewinnen kann, kann solchen Tagen wohl kaum widerstehen. Schon gar nicht, wenn man sie auf den Eulenwiesen, am Eingang des Stubaitals in Tirol verbringt. Eine Prachtversion des Indian Summer in Tirol. 

Rundwanderung zu den Eulenwiesen in Tirol.
Rundwanderung zu den Eulenwiesen in Tirol.

Die „Larchbergmahder“

Während sich andere bereits im Schnee am Stubaier Gletscher vergnügen, abmühen oder ein bisschen von beidem, ist am anderen Talende der Herbst in voller Pracht. Die Eulenwiesen bei Gleins auf 1.700m sind durch Brandrodung entstanden. Aufgrund der vielen Überschwemmungen im Tal, suchten die Bauern neue Weideflächen und verbrannten so kurzerhand die Fichten und Kiefern auf dem Bergrücken. Die Lärchen überlebten, spenden heute Schatten und lassen genau richtig viel Licht durch für den Unterwuchs. Ein Naturschauplatz, der eifrig gepflegt werden muss, um so erhalten zu bleiben.

Im Sommer findet man hier eine Vielfalt von Blumen (Küchenschelle, blauer Enzian, Arnika, uvm.), im Herbst stehen die Bäume der Weiden die Show. Dann verfärben sich die Lärchen zuerst hellgelb und später orange-rot. Farben, die den Herbst einläuten. Als Indian Summer bezeichnet man laut Wikipedia ja eigentlich „eine ungewöhnlich trockene und warme Wetterperiode im späten Herbst auf dem nordamerikanischen Kontinent.“ Vor allem dort, wo es eine ausgeprägte Kälteperiode gibt, ist der Indian Summer in Kanada und den USA besonders intensiv.

Wer sich hier in der Gegend schon einmal den Hintern auf einem charmanten Uralt-Sessellift abgefroren hat, weiß sicherlich wie kalt die Winter in Tirol werden können. Vielleicht ist diese Phase des schönen, warmen Herbstes also auch ein Vorbote für einen kalten, schneereichen Winter?

Der Weg nach Gleins

Google Maps weiß viel, aber in Sachen Bergstraßen vertraut man wohl besser eigenem Kartenmaterial. Der von der App auserkorene Weg nach Gleins entpuppt sich auf halber Höhe nämlich als Reinfall, bzw. Forststrasse. Wir drehen um, fahren zurück nach Mieders und weiter zurück nach Schönberg. Hier führt eine asphaltierte Straße in den Bergort, der am Anfang des Stubaitals liegt und einen wunderbaren Blick auf die Kalkkögel (Schlick 2000 Skigebiet), die Nockspitze und weiter im Norden die Nordkette im Karwendel frei gibt.

Hello Friends! Schafe in Gleins.
Hello Friends! Schafe in Gleins.
Blick von der Fahrt nach Gleins in Richtung Innsbruck.
Blick von der Fahrt nach Gleins in Richtung Innsbruck, Europabrücke, Stadt und Nordkette (Karwendelgebirge)

Rundwanderweg zu den Eulenwiesen

In Gleins auf 1.412 m startet der Rundwanderweg zu den Eulenwiesen, der sich zunächst auf einer Forststraße entlang nach oben windet. Nur 250 Höhenmeter gilt es zu überwinden, eine richtig schön, gemütliche Wanderung. Obwohl es schon Mitte Oktober ist, riecht es im Wald noch nach Schwammerl – und siehe da, direkt neben dem Weg finde ich ein paar letzte Eierschwammerl, die bis jetzt überlebt haben.

Eierschwammerl-Love.
„Solange es noch Eierschwammerl (Pfifferlinge) gibt, bleiben die Ski im Keller!“
Über die Forststrasse geht es auf den Bergrücken.
Über die Forststrasse geht es auf den Bergrücken.

Am Ende des Bergrückens erreichen wir nach circa einer Stunde das Gatter zu den Eulenwiesen, die von voller gelber Pracht auf uns warten und zwischendurch den Blick auf die Serles freigeben. Im hohen Gras tanzen kleine Insekten im Sonnenlicht und die alten Holzhütten stehen in der Wiese, als hätte Bob Ross sie so für ein Gemälde bestellt. Mit der warmen Herbstluft scheinen die Wiesen den Indian Summer zu begrüßen.

Indian Summer in Tirol

Wenn man gar nicht genug Fotos machen kann.
Indian Summer in Tirol: Der Zeitpunkt wenn man gar nicht genug Fotos machen kann.
Bergab über die Eulenwiesen.
Bergab über die Eulenwiesen.
Indian Summer in Tyrol.
Indian Summer in Tirol wie aus dem Bilderbuch.
Indian Summer in Tirol - Stubaital.
Was für ein Ausblick.

Ab jetzt geht es nach einem letzten kurzen Anstieg großteils bergab, über die Wiesen, vorbei an mehreren Hütten mit wunderschönen Dächern, die mit schweren Steinen beschwert sind. Dann wird der Weg sogar nochmal ein wenig steil, die Höhenmeter gehen wir flott wieder nach unten und stossen auf den Forstweg im Sattel der Gleinser Mähder. Hier führt ein Weg zurück zum Alpengasthaus Gleinserhof.

Einkehr Alpengasthaus Gleinserhof

Wieder am Aussichtspunkt angelangt kehren wir im Gleinserhof ein, dessen sonnige Terrasse einfach zu verlockend aussieht. Die freundliche Bedienung ist voll ausgelastet, es scheint ein beliebtes Ausflugsziel zu sein. Kein Wunder, der Blick und die Lage ist herrlich. Das Essen hingegen leider unserem Empfinden nach eher überteuert und die Brettljause für 11,50€ – da sind wir uns alle einig, eher ein Reinfall. Wirklich schade, dass man hier nicht auf mehr Regionalität setzt und qualitativ hochwertige Produkte verkauft, wobei es vermutlich eine Mischung ist am Jausenbrett. Warum nicht einfach weniger, und die Produkte dafür wirklich hochwertig? Es scheint allerdings eine Glückssache zu sein, denn mein Topfenstrudel kommt frisch und warm aus dem Ofen und ist für 3 Euro ein Schnäppchen.

Der Alpengasthof Gleinserhof im Stubaital.
Der Alpengasthof Gleinserhof.

 

Anreise

In Schönberg (Autobahnabfahrt) fährt man links in den Ort hinein und biegt am Gleinserweg rechts ab. Der Weg führt bis zum Alpengasthaus Gleins, wo sich ein kostenfreier Parkplatz befindet. Einer direkt an der Straße, einer etwas weiter unten direkt beim Gasthaus, von oben kaum sichtbar. Eine alternative Wanderung zu den Eulenwiesen wäre von der Bergstation der Seilbahnen Mieders (Parkplatz bei Talstation in Mieders).

Eulenwiesen Wanderung

  • Ausgangspunkt: Alpengasthof Gleinserhof in Gleins, Stubaital
  • Gehzeit: ca 2 Stunden, mit Fotos mehr!
  • Schwierigkeit: leicht
  • Höhenmeter: 250hm
  • Einkehr: Am Ausgangspunkt

 

Weitere schöne Herbstwanderungen in Tirol findet ihr hier!

 

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