Zillertal | Lichteben Chalets am Schwendberg

Die weißen Bergspitzen blenden, die grünen Wiesen leuchten und der blaue Himmel vollendet das Tiroler Bergidyll. Wir lassen Sportbekleidungs-Outlets, Skiverleih-Werbungen und Discos mit klingenden Namen wie Fuchslöchl und Pink Panther hinter uns. Bei der kleinen Ortschaft Hippach im Zillertal geht steil über eine kurvige Bergstrasse hinauf nach Hochschwendtberg auf 1400m. Ich wundere mich kurz über die ungenaue Wegbeschreibung auf der Website. Es gibt aber einen guten Grund dafür: Roswithas Almhof – zugleich Rezeption für die Rosuites Alm-Chalets – liegt unübersehbar am Weg. Wir stellen das Auto ab und Roswitha, die Besitzerin, winkt uns schon zu sich auf die Terrasse.

Die Nacht verbringen wir in einem der fünf neuen Chalets, die nach 10 jähriger Planung im letzten Herbst fertiggestellt wurden. Steinquendel heißt es und ist einer alten Almhütte nachempfunden, die in den Berg gebaut wurde. Von oben ist es gut getarnt und kaum sichtbar. So schützte man sich so früher vor herabsausenden Lawinen. Allerdings hat diese Almhütte dann doch etwas mehr Luxus impeto. Wie zum Beispiel ihr eigenes, privates Saunahäuschen gleich nebenan. Auch die anderen vier Häuser (Erika, Silberdistel, Arnika und Alpenrose) verfügen über eine Privatsauna, im runden Häuschen Erika gibt es zusätzlich noch einen Whirlpool.

Erika ist das runde Chalet, im unteren Stock befindet sie die Sauna & ein Whirlpool.
Erika ist das runde Chalet, im unteren Stock befindet sie die Sauna & ein Whirlpool.
Hier lässt es sich aushalten, Chalet Silberdistel.
Ja. Hier lässt es sich aushalten.

Jahrelang haben sich die drei Unternehmer den Kopf zerbrochen, wie ihre Ideen am besten umsetzbar sind. Aus eigenen Zeichnung wurden die Häuser geplant und schließlich im Sommer/Herbst 2015 gebaut. Rund 1,5 Millionen wurden dabei investiert. Beim Bau wurden viele Materialien verwendet, die bereits vor Ort waren oder aus der unmittelbaren Umgebung stammen, wie Holz, Steine und die Dämmung aus Schafwolle. Ein Stück entfernt von den Chalets steht eine 40 KW Photovoltaikanlage, die die Chalets und den Almhof großteils mit Energie versorgt. Das Warmwasser in den Chalets kommt über einen Elektroboiler, die Zimmer sind mit Infrarotpanelen ausgestattet. Zusätzlich heizt man als Gast bei Bedarf einfach selbst den Kaminofen an und kuschelt sich auf die wolligen Schafpelze.

Schlafzimmer
Blick ins hintere Schlafzimmer
Badewanne mit Bergblick.
Badewanne mit Bergblick, auf den Fotos hinter dem Glas sind Steinquendel Blüten abgebildet.

„Mir hem a bisl verruckt, sogn die Leut‘ an Tol. Des isch guat a so. Sogn miar. Mir hem wia ma hem.“

 

Überall im Haus warten Kleinigkeiten darauf entdeckt zu werden. In der Küche die getrockneten Kräuter des Almkräuterers, im Schlafzimmer die Wärmflaschen, im Bad die Fair Trade Hotel Shampoos und Duschgels. Die hochwertigen Materialien machen Lust drauf sich einen Kaffee zu machen, im Kühlschrank steht die Milch aus dem eigenen Stall bereit. Die Küchenkästen aus Altholz gemischt mit hellen Filzen und goldenen Accessoires bereiten Freude. Ich fühle mich sofort wie zuhause und würde am liebsten gleich noch etwas kochen. Eigentlich egal was. Vielleicht etwas mit Kräutern.

Sonnen-Lieblingsplätzchen am Morgen.
Sonnen-Lieblingsplätzchen am Morgen.
Blick aus der Sauna.
Blick aus der Sauna.
Buch-Fundstück aus dem Chalet.
Buch-Fundstück aus dem Chalet.

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Statt kochen steht heute aber bekocht werden am Plan und zwar im Zuge der Eröffnungsfeier der Almkräuterei von Joseph Heim. Joseph befasst sich seit 17 Jahren mit Kräutern und hat seine Trockenhütte und seinen Lebens- und Arbeitsplatz in unmittelbarer Nähe. In der Hütte trocknet er gerade Löwenzahn und andere Blüten und Blätter auf großen weißen Tüchern. Dunkel und trocken muss es sein, und zum richtigen Zeitpunkt müssen sie gepflückt werden. Jedes Kraut hat seine Besonderheiten. So komplex wie Joseph selbst, wenn er anfängt zu erzählen und zu erklären was er mit der Almkräuterei vor hat. Das Ziel des Abends jedenfalls ist ein genußvolles Mahl mit Live-Musik und einem Funkenfeuer, das viel romantischer und eleganter ist als Feuerwerke es je sein könnten.

Die sieben Gänge bestehen aus Brot mit Butter, Rindsuppe mit Brunnenkresse, Rehschinken mit knusprigem Körnerbrot (Rezept wird auf Nachfrage nur getauscht!), Lammragu mit Knödel, Brot mit Grammelschmalz, Aniskuchen und zum Abschluss noch einem Käsebrot. Auch zukünftige soll kleinen Gästerunden ein solches oder ähnliches Mahl möglich sein, ebenso wie Kräuterwanderungen und Wanderungen in Schafwollsocken geplant sind.chalet-118 chalet-120 chalet-139

Zwischen 1500-2000m sammelt Joseph seine Kräuter, dafür stehen ihn hier bis zu 300ha Fläche zur Verfügung. Dabei geht es ihm um die Qualität, nicht jedes ätherische Öl ist gleich intensiv, nicht jeder Ansatz ist gleich gut. Während Joseph erzählt, baumeln die Glocken der drei Kühe auf der Wiese oberhalb muter mit. Die Luft ist so gut, dass ich tief einatme und ein Stück fester in den Boden sinke. Handyempfang gibt es hier übrigens keinen.

Auf Wiedersehen

Unter die Gäste mischen sich neben der Familie und einigen die am Projekt beteiligt waren auch einige Stammgäste. Zum Beispiel ein junges Ehepaar aus der Nähe von Stuttgart, die beiden haben vor einigen Jahren hier geheiratet. Die jüngste Tochter von Roswitha hat bei ihrer Hochzeit ministriert, auch die anderen drei Töchter kennen sie. Sie schwärmen von der Natürlichkeit und Herzlichkeit und ich sehe schon, wie ich in Kürze selbst von diesem Ort schwärmen werde.

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Vielleicht geht es dem Pärchen mit dem wir am nächsten Morgen beim Brunchen am Tisch sitzen ebenso. Die beiden grinsen bis über beide Ohren. Der Heiratsantrag, mit dem der junge Mann seine Holde überrascht hat, ist geglückt. Gefunden hat der Rosenheimer die Chalets durch Zufall im Internet. Modern und trotzdem in mitten der Natur waren seine Anforderungen. Nach Absprache hat Roswitha das Chalet mit Blumen vorher noch romantisch eingerichtet und eine Flasche Sekt parat gestellt. Zufällig hat er dann auch noch einen alten Porsche ausgeborgt, just an jenem Wochenende… (Nur falls jemand hier auf der Suche nach Idee gelandet ist!) 

Neben den Skifahrern im Winter und Wandergästen im Sommer, kommen auch viele Paragleiter hierher. Am Melcherboden tummeln sich die bunten Schirme bei schönem Wetter nur so. Anfänger wie Profis genießen die Thermik und Ausblicke. Etwas neidisch blicke ich ihnen hinterher wie sie sanft ins Tal zur Landung abgleiten. Wenn ich ehrlich bin, würde ich es im Haus Steinquendel aber auch noch ein bisschen länger aushalten. Die Sauna ausprobieren, das Kaminfeuer entzünden, vielleicht einmal zum Sonnenaufgang auf der Melchboden wandern… So ein kleines Luxus-Steinhäuschen, das kann was.

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Hotel-Kategorie: Luxus-Hütte mit Kräuterflair und Privatsauna

Do’s: Zeit, Wanderschuhe und Saunalaune einpacken!

Don’ts: obwohl es in den Chalets WLAN gibt – der Ort ist viel zu schön zum Arbeiten…

Anreise: Mit dem Auto auf der A1 Autobahn bis Jenbach, Abfahrt Zillertal, von Hippbach nach Hochschwendt auf den Berg.

Preise: Belegung 2 Personen € 225.-pro Person/Nacht (danach 3.+4. Person plus je 90€) inkl. Privatsauna und Frühstück im Chalet und alle anti-alkoholischen Getränke (Hasenfit Bio Säfte, etc.)

 

Rosuites Chalets auf Lichteben
www.almhof-roswitha.at
Hochschwendberg 532
A – 6283 Hippach
Tel.: +43 5282 3762

 

 

Vielen Dank für die Einladung! Alle Meinungen bleiben wie immer meine eigenen. 

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