Am Anfang des Lechwegs.

Am Lechweg | Von Lech nach Füssen in 6 Tagen

Es ist eine Mischung aus Entdeckungslust und Neugier, die mich antreibt, mich eine knappe Woche lang auf den Weitwanderweg Lechweg zu begeben. Neugier, wie es wohl so ist jeden Tag seine Wanderschuhe anzuziehen und loszugehen. Neugier, ob ich sechs Tage am Stück wirklich wandern kann und will. Und Lust selbst zu sehen, wie ein Fluss entspringt und sich Kilometer für Kilometer, manchmal auch Meter für Meter, verändert.

Zum ersten Mal Weitwandern

Für mich war der Weg ein guter Einstieg ins Weitwandern und im Laufe der Tage habe ich so einiges gelernt. Am meisten über mich selbst, wie zB dass Lebkuchenherzen mit heißem Tee meine absoluten Lieblingssnacks in den Pausen sind. Aber auch über die Natur, die sich auch mit den Höhenmetern verändert. Grundsätzlich geht es zwar bergab, auch wenn oft viele Gegenanstiege mit 1000hm pro Tag dabei sind. Ich lerne auch, dass ich im Flachen gehen für mehrere Tage stinklangweilig finde, da kann der Fluss noch so schön sein, ich wünsche mir nichts sehnlicher als ein Fahrrad. Das abwechslungsreiche, bergige Terrain an den ersten Tagen hingegen ist genau meins.

Da ihr einige Fragen hattet, die mich auf unterschiedlichen Wegen erreicht haben, habe ich für alle, die auch den Lechweg gehen wollen, mein gesammeltes Wissen zusammengefasst und euch bereit gestellt.

Der Lechweg

Der Lech ist ein besonders schöner Fluss, in Mitten einer besonders schönen Landschaft in Österreich. „Besonders“ ist natürlich komplett subjektiv, aber bisher hat mir auch noch niemand widersprochen. Der Lechweg führt von der Quelle am Formarinsee in Vorarlberg über das Lechtal in Tirol bis nach Füssen im Allgäu.

Von der Europäischen Wandervereinigung (EWV) wurde er als erster Wanderweg in Europa mit dem sogenannten Qualitätssiegel „Leading Quality Trails – Best of Europe“ ausgezeichnet.

Kondition und Dauer der Wanderung

Wie lange braucht man für den Lechweg?
Supersportliche Wanderer brauchen fünf Tage, sportliche sechs und wer es ganz langsam angeht nimmt sich volle zehn Tage Zeit und macht ein paar Abstecher am Wegesrand. Ich war sechs Tage unterwegs und fand das gut so.

Was tun, wenn die Kraft ausgeht?
Erprobte Methoden: rasten, Musik hören, Hörbuch hören, Kilometer runter zählen. Alternativen: Bus, Kanu oder Fahrrad nehmen für einen Teil des Wegs.

Wie funktioniert das Wandern ohne Gepäck?
Wer seine Unterkünfte vorab bucht kann das Gepäcktransport Service am Lechweg in Anspruch nehmen (8€ pro Transport). Dh ganz ohne Gepäck ist man natürlich nicht unterwegs, aber es reicht ein leichter Tagesrucksack für Regenjacke, Jause, Wasserflasche, usw.

Wo kann man rasten?
Am Wegesrand stehen regelmäßig Bänke, es gibt also ausreichend Gelegenheiten zu rasten. Alternativ ist man fast immer in Fluss-Nähe und kann seine müden Füsse ins kühle Wasser halten. An kalten Wandertagen schmeckt ein Schluck Tee mit Honig und Lebkuchen, an heißen Tagen kann ein Müsliriegel und ein Schluck von einem isotonischem Getränk Wunder wirken.

Verpflegung und Unterkünfte

Wie finde ich meine Unterkünfte?
Im Grunde gibt es drei Möglichkeiten den Lechweg zu planen: a) man bucht eine geführte oder nicht-geführte Wanderung und ein Reiseveranstalter bucht somit die Unterkünfte für einen. b) man bucht sie selbst vorab oder c) man geht einfach drauf los und bucht sie Mittags telefonisch für den Abend, sobald man weiß wieweit man es heute noch schafft. In der Hochsaison kann das für größere Gruppen stressig werden, wer alleine oder zu zweit unterwegs ist, wird vermutlich immer etwas finden. Oftmals hängen Schilder am Weg mit Hinweisen und Telefonnummern für Unterkünfte.

Woher bekommt man am Weg Essen?
Da der Weg durch viele Ortschaften führt, kann man recht gut am Wegesrand einkehren und sich stärken. Fast alle Unterkünfte bieten auch ein Lunch-Paket an, oder aber man fragt, ob man sich am Frühstücksbuffet (gegen einen kleinen Aufpreis) selbst etwas zusammenstellen darf. Wichtig ist es genug Wasser und bei Bedarf Tee oder isotonische Getränke mitzunehmen. Im Lechtal führt der Weg oft nicht in die Ortschaften hinein, wer also einen Supermarkt braucht muss mit einem Abstecher rechnen.

Beste Reisezeit & Fototipps

Ab Mai 2017 ist die Lechweg Frühjahrsvariante von Steeg bis Füssen offen.  Ab 23. Juni 2017 startet dann die offizielle Lechweg-Saison von Lech am Arlberg bis Füssen im Allgäu. Der Weg ist bis Anfang Oktober begehbar, je nach Wetter. Dabei kann es im Oktober oben schon recht frostig und eisig werden und in Lech haben zu der Zeit die meisten Hotels und Restaurants für die Zwischensaison geschlossen. Vorteil: man hat den Weg fast für sich alleine. Nachteil: die Infrastruktur ist nicht mehr so gut wie in den Sommermonaten.

Wo sind die besten Foto-Spots?
Der Formarinsee am Anfang des Lechwegs ist ein absolutes Highlight, für das man genug Zeit einplanen sollte. Er liegt wunderschön in Mitten der Berge und kann leicht umwandert werden. Oder aber man startet den Lechweg auf der Freiburger Hütte, die thront majestätisch über dem See. Auch die Region rund um das Walserdorf Warth ist wunderschön für Fotos. Vom Baichlstein bei Stanzach hat man einen besonders guten Blick auf den sogenannten „Lechzopf“, wo der Fluss breit wird. Kurz vor dem Ende des Wegs kommt man am Alpsee vorbei, wo auch die beiden Königsschlösser Neuschwanstein und Schwangau stehen. Auch die Hochseilbrücken bei Holzgau und die Highline 179 bei Reutte (Abstecher vom Weg) sind spektakuläre Fotomotive.

Die 6 Lechweg Etappen im Detail

1 Etappe: Formarinsee – Lech

14km, 195hm bergauf, 629hm bergab
Die erste Etappe der Wanderung war für mich definitiv die schönste. Mit dem Shuttlebus geht es von Lech bis ans Ende der Mautstrasse, direkt am Formarinsee. Der See liegt malerisch in Mitten der Berge und früh morgens hat man ihn fast für sich alleine. Der Weg zurück nach Lech führt immer am Fluss entlang und es gibt viele Plätze, die zum Verweilen einladen. Ein gemütlicher Anfang.

Übernachtungstipp: das Hotel Lech war sehr freundlich und die Bücherauswahl in der Lobby überraschend gut. Ich hab mich hier sehr wohl gefühlt. 

2. Etappe: Lech – Warth – Steeg

25km, 933hm bergauf, 1335hm bergab
Der zweite Tag erfordert bereits mehr Kraft und Ausdauer. Zunächst geht es oberhalb der Schlucht entlang nach Warth, wo man einen ziemlichen Umweg geht rein in den Ort und auf der anderen Seite wieder zurück in die Richtung, in die man eigentlich will. Dafür sieht man das Walserdorf und der Ausblick ist auch hier sehr malerisch. Beim Gehrnerhof gibt es eine gute Jause, die „Chrommi Chämiiwürza“ Kaminwurzen sind Teil der Lechweg Produkte. Die Stärkung kommt gerade recht, dann jetzt geht es lange lange geradeaus und dann endlich bergab. Wieder am Fluss angekommen sind es noch einige Kilometer bis nach Steeg. In der Käserei Sojer direkt im Ort kann man verschiedene Produkte verkosten, ua gibt es auch köstliches Joghurt.

3. Etappe: Steeg – Holzgau Hängebrücke – Elbigenalp

17,5 km, 880hm bergauf, 922hm bergab
Am dritten Tag machen sich bei mir die ersten zwei bemerkbar, andererseits kommt langsam auch ein wenig Routine in die Sache. Über die Hängebrücke in Holzgau geht es weiter nach Elbigenalp, dem Geburtsort der Anna Stainer Knittel, welche als Romanvorlage für die „Geierwally“ diente. Auch sonst hat der Ort geschichtlich einiges zu bieten, schön aufgearbeitet im Museum „Wunderkammer Elbigenalp“. Ein Besuch im Museum und ein Abendessen im Restaurant „Geierwally“ sind ein wunderbarer Abschluss des Tages.

Tipp: im Restaurant „Geierwally“ gibt es, wie im Museum, auch richtig viel zu entdecken und das Essen schmeckt köstlich! 

4. Etappe: Elbigenalp – Stanzach

21 km, 786hm bergauf, 887hm bergab
Der Lech ist mittlerweile richtig groß geworden und die Landschaft verändert sich merkbar. Für mich ist es der anstrengendste Tag, vielleicht auch weil es bei meiner Wanderung regnet und stets recht flach geradeaus geht.

5. Etappe: Stanzach – Wängle

20 km, 328hm bergauf, 325hm bergab
Heute regnet es auf meiner Wanderung auch noch, aber ich habe meine Wanderlust wieder gefunden und streame Ö1-Sendungen beim Gehen. Das lenkt ein bisschen vom schmerzenden Knie ab und die Zeit vergeht schneller. Zu Mittag kehre ich im Gasthof Kreuz ein, wo es phänomenal gutes Essen gibt! Das sollte man sich wirklich gönnen, wenn man es bis hierher zu Fuß geschafft hat. Gestärkt geht es dann weiter, für mich mit einem Abstecher mit einem e-Roller, der normale Lechweg wieder direkt am Fluss entlang. Die Highlinge 179 bei Reutte über die B179, ist ein neueres Highlight für die Region und ein kurzer Besuch den Abstecher wert.

6. Etappe: Wängle (bei Reutte) – Füssen

24,5 km, 1103hm bergauf, 1245hm bergab
Das Wetter wird auf meiner letzten Etappe zwar nicht besser, dafür ziemlich mystisch. Ich bekomme nochmal einen Motivationsschub, denn heute ist die letzte Etappe. Und so schön es ist, ich bisschen freue ich mich einfach auf eine heiße Dusche und am nächsten Tag mal eine Pause. Am Alpsee sehe ich noch die beiden Königsschlösser in der Ferne – ein anderes Mal würde ich sie gerne aus der Nähe besuchen. Doch für heute heißt das Ziel Füssen, Dusche und Bett.

Der Lechfall bei Füssen im Allgäu.
Der Lechfall bei Füssen im Allgäu – das Ende des Lechwegs.

Anreise zum Lechweg

Lech erreicht man öffentlich zB mit der ÖBB bis Langen am Arlberg und von hier mit dem Bus. Im Sommer fährt von Lech der Wanderbus über die Mautstrasse bis zum Formarinsee. Wer mit dem Auto kommt kann es hier um 1€/Tag in der Anger Tiefgarage parken. In Füssen kosten 7 Tage in der Parkgarage City hingegen 40€. Für die Busverbindung Füssen bis Lech sollte man ca 3 Stunden einplanen und am Vormittag starten.

Die nächstgelegenen Flughäfen sind Memmingen im Allgäu, Innsbruck in Tirol oder München.

Praktische Links zum Lechweg

Tourismusverbände und Attraktionen entlang des Lechwegs:  

Lech | FormarinseeFreiburger Hütte am FormarinseeWarth | Canyoning bei WarthKäserei Sojer in SteegHängebrücke Holzgau | Wunderkammer Elbigenalp | Hängebrücke Highline 179 | Gasthof Kreuz in RiedenFüssen im Allgäu

Aktuelles

  • Ab Mai 2017 ist die Lechweg Frühjahrsvariante von Steeg bis Füssen offen
  • Aktuelle News gibt es auf der Facebook Seite des Lechwegs
  • Ab 23. Juni 2017 startet wieder die offizielle Lechweg-Saison von Lech am Arlberg bis Füssen im Allgäu und geht dieses Jahr eine Woche länger in den Oktober hinein.

Packliste & Kartenmaterial

Lechweg Packliste

Wenn ihr noch Fragen habt, könnt ihr die mir gerne hier stellen! Ich beneide euch jetzt schon dafür, dass ihr den Weg noch vor euch habt und wünsche euch eine ganz wunderbare Wanderung.

Lea

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3 Comments

  • Liebe Lea,
    vielen Dank für den interessanten Bericht. Bisher haben wir nur die Erfahrung aus einer Mehrtagesradtour von Schärding nach Wien. Schon länger denken wir aber über eine solche Wanderung nach. Da würde mich die Lechwanderung schon reizen.
    Liebe Grüße
    Martina

  • Hey Lea!

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