Osttirol Reiseführer

28 Jahre hat es gedauert, bis ich als gebürtige Wienerin das erste Mal in Osttirol war. Dann aber gleich richtig. Zwei Wochen alleine auf einer kleinen Almhütte im Nationalpark Hohe Tauern. Da man ohne Auto in Osttirol recht aufgeschmissen ist, habe ich erstmals nur das Tal erforscht. Ausgiebig und meist bei Regen. Wer wissen will wo die besten Heidelbeeren stehen – ich weiß Bescheid. Und trotzdem bin ich ein Jahr später wieder gekehrt. Nicht in das selbe Tal, aber nach Osttirol um all die schönen Orte zu sehen, von denen mir erzählt wurde. Inzwischen hat sich so einiges am Reisetipps angesammelt, die ich gerne teilen möchte.

Übersicht:

  • Lienz
  • Lienz Umgebung (Tristacher See, Vitalpinum, ufogel)
  • Matrei in Osttirol
  • Gschlösstal (Tal und Gletscher)
  • Virgental (Großvenediger, Zupallseehütte)
  • Defereggen Tal (Staller Sattel, Jagdhausalm

 

Lienz und Umgebung

Aus irgendeinem Grund hatte ich mir Lienz (die Bezirkshauptstadt von Osttirol, das zum Österreichischen Bundesland Tirol gehört – um gleich mal vorab alle Fragezeichen zu beseitigen) ein wenig wie Bozen vorgestellt. Statt „klein, aber oho“ trifft allerdings eher „klein, aber naja“ zu. Trotz einigen Einkaufsstraßen und Shopping-Malls ringsum bleibt alles recht klein und die meisten Läden sperren auch bereits um 18 Uhr zu. Was mir, als Österreicherin, bereits wie vor 20 Jahren vorkommt. Aber grundsätzlich finde ich’s durchaus nicht schlecht, man sollte nur gewarnt sein und seinen Besuch dementsprechend planen.

Dennoch gibt es ein paar Highlights, die man nicht verpassen sollte, wenn man in der Gegend ist. Dazu kann unter akuten „Pommes-Zuständen“ auch ein Besuch des einzigen MacDonalds in Osttirol fallen. Viel besser ist man allerdings beraten wenn man noch einmal mehr ums Eck fährt und dann beim Brauwirt stehen bleibt. Was Shopping anbelangt, haben die Einheimischen teils längst Zalando und Co für sich entdeckt. Übrigens deutlich sichtbar wenn der Postler die Pakete im Tal ausliefert und dafür mit offenem Kofferraum neben der Straße parkt.

Gutes Essen, schönes Ambiente und tolle Produkte in Lienz findet man zum Beispiel hier:

Der Brauwirt              

Das Restaurant am Ortsende der Stadt mag wie ein Trucker-Absteige aussehen. Nicht täuschen lassen. Hier gibt es erstklassiges Rindfleisch und selbst gemachtes Eis, das seinesgleichen sucht. Zu fairen Preisen, denn die Portionen sind riesig. Mehr zum Brauwirt Lienz und meiner Empfehlung gibt’s hier.

Cafe Mo

Das kleine Kaffee am Ufer der Isel liegt direkt gegenüber der Altstadt und hat etwas von englischem Kaffee, das gerne französisch wäre. Vielleicht ist es auch der italienische Charme. Was auch immer es ist, hier hat jemand Geschmack und einen Faible für Nostalgie. Der Kaffee kommt aus der hauseigenen (und einzigen in Osttirol) Rösterei, die oberhalb von Lienz liegt und Sorten aus aller Welt röstet. Im kleinen angeschlossenen Shop gibt es auch verschiedene handgeschöpfte Pichler Schokolade-Sorten aus Sillian. Mit dabei: Pregler-Schokolade. Pregler ist ein für die Region typischer Schnaps, der aus Äpfeln und Birnen gebrannt wird. An heißen Sommertagen und wenn die Maschine kurz vor Ladenschluss noch nicht geputzt ist, gibt es auch Frozen Yogurt! Also besser die Öffnungszeiten beachten: 9:00-19:00 Mo-Fr und Sa 9:00-13:00.

www.mocafe.at
Kärntnerstraße 10, Lienz

New Take Five

Take That! Stylische Schaufenster und gut selektierte Modelabels. In der kleinen Broschüre „Geheimtipps“ von der Osttirol-Werbung beschreibt sich der Laden selbst so schön mit „für Menschen, die ihr Herz gern an das Einzigartige verlieren.“

Rosengasse 15, www.take5.at

Mode in Lienz

Sehr elegante Kleider gibt es bei momo und originelle Materialen und Schnitte findet man bei Mode unlimited www.bobs.at. Im Atelier Marianna war ich leider nicht, aber hier gäbe es maßgefertigte Trachtenmode.

Hutgeschäft Reiners Erben

Hut ab! Hier gibt’s die Originale, die Forever21 und Co. Momentan covern. Nur halten sie hier auch „forever“. Achtung, hier hält man auch Mittagspause von 12:00-14:30. Adresse: Rosengasse 8, Lienz

Joast Backtradition

Seit 15 Jahren wird hier Biobrot gebacken. Leider hatten bei meinem Besuch die Filialen (sechs gibt es in Lienz) bereits zu, aber beim Osttiroler Frühstück im Garni Grünmoos im Defreggental konnte ich mich noch einmal durchkosten. Fazit: köstlich.

Bürgeraustraße 20, Lienz
www.joast.at

Museum Schloss Bruck

Das Schloss Bruck beherbergt eine große Sammlung an Werken des Osttiroler Malers Albin Egger Lienz. www.museum-schlossbruck.at 

Markttag in Lienz           

Freitags von 13:00-18:00 und Samstags von 8:30 bis 12:30 findet in Lienz der Stadtmarkt in der Messinggasse (Altstadt) statt. Ich würde zum Beispiel zuschlagen bei: Osttiroler Henkel (Rohschinken) Käse, Honig oder auch einem Schnaps (Pregler, Zirben).

Vitalpinum (Assling) 

Das Vitalpinum in Assling liegt mit dem Auto nur eine Viertelstunde von Lienz entfernt und ist den Abstecher auf jeden Fall wert. Mehr über die Latschenöl Schaubrennerei und den Heilkräutergarten gibt es hier ab 19. Juni am Blog.

Tristacher See (5km von Lienz) 

In Lienz stehend ahnt man noch nichts von dem wunderbaren Bergsee, der sich zwischen dem Tal und den Lienzer Dolomiten im Wald versteckt. Es ist einer der wenigen „warmen Bergseen“ und er lädt bereits im Frühjahr zum Schwimmen und Abkühlen ein. Bei der Auffahrt muss man sich entscheiden zwischen Campingplatz oder Parkhotel Tristachersee. Am Campingplatzende ist ein Strandbad mit Umkleidekabinen und Liegewiese. Am anderen das noble Hotel mit Haubenrestaurant und Seeterrasse.

Eintritt Strandbad für den ganzen Tag: Erwachsene: 4.40€ Kinder: 2.40€ (2015)
Parkplatz beim Strandbad im Hochsommer kostenpflichtig. Kostenloser Bäderbus aus Lienz im Juli und August.

Träumen im ufogel (Nußdorf-Debant) 

Der ufogel ist ein ganz besonderer Ort zum Nächtigen. Auf Stelzen schwebt das kleine Holzhäuschen mit ungewöhnlicher Form förmlich über der saftigen Wiese, umgeben von weidenden Kühen. Von innen ist es dann doch recht geräumig mit eigener Küchenzeile und mehreren Schlafmöglichkeiten. Am schönsten ist jedoch der Ausblick durch das Panoramafenster auf die gegenüberliegenden Lienzer Dolomiten. Mehr über den ufogel gibt es in Kürze hier am Blog.
Kosten: 120€/bis zwei Personen pro Nacht (+50€ Endreinigung)
Am besten rechtzeitig reservieren, der ufogel ist schnell ausgebucht!

Matrei in Osttirol

Neben ein paar Kirchen und Kapellen gibt es in Matrei nicht allzuviel zu sehen. Es fühlt sich vielmehr wie ein Durchreiseort an. Hier kann man tanken, Lebensmittel kaufen (Billa, Spar und Mpreis) und köstlich in der Pizzeria Saluti speisen, ein wahrer Geheimtipp: 

Nationalparkhaus Hohe Tauern 

Neben einer kleinen Ausstellung kann man sich hier über Ranger-Führungen im Nationalpark informieren. Oder auch mal nachfragen, was für ein Vogel das nun genau war, den man gestern gesehen hat. Die komplexen Öffnungszeiten sind auf der Website zu finden.

Matrei Pizzeria Saluti

Food-Heaven im Tennisstüberl. Sehr unauffällig am Ortsrand versteckt sich ein kulinarisches Highlight in Osttirol. Nein, vielleicht sogar ein einzigartiger Osttirol-Reisegrund. Mehr über das Haubenrestaurant mit Pizzeria steht hier. Und nicht vergessen: niemals ohne die Schoko-Crème-Brûlée das Restaurant wieder verlassen!

Gschlösstal

Das Gschlösstal liegt direkt hinter dem Felbertauern Tunnel und ist nur zu Fuß, per Shuttletaxi oder Pferdekutsche zu begehen. Vom Parkplatz beim Matreier Tauernhaus sind so so ca 45 Minuten bis Außergschlöß (Almen und ein kleiner Teich mit toller Konstruktion), weitere 10 Minuten zur Felsenkapelle und noch ein paar bis nach Innergschlöss zum Venedigerhaus. Wer trittsicher ist kann von hier den untersten Rand des Gletschers erkunden (ca. 4 Stunden und ca 500 Höhenmeter).

Im Sommer 2014 habe ich dank eines Literatur Stipendiums der Nationalparks Austria hier zwei Wochen in einer kleinen Almhütte im Außergschlöß verbracht. Im Zuge dessen habe ich mich selbst interviewt über den Aufenthalt auf der Hütte (nachzulesen unter „Sagen Sie jetzt nichts…„), bin in der Hütte am Herd über offenem Feuer kreativ geworden und habe meine Sehnsucht nach Kartoffelchips mit selbst gemachten Chips gestillt. Am Ende ist im Magazin der Nationalparks ein Text von mir erschienen: The Simple Life – Zurück auf die Alm.

Virgental

 Das Virgental (V – wie in Vogel gesprochen) ist ua Ausgangspunkt für die Großvenediger Wanderung über die Johannishütte und das Deferegger Haus. Oder aber man fährt mit dem Hüttentaxi (12€ oder 19 für beide Strecken) auf die Wetterkreuzhütte und fängt dort an zu wandern. Hüttentaxis sind eine tolle Erfindung, da man sich die Kräfte des meist 1000m hohen Anstiegs sparen kann und von oben eine schöne Aussicht hat.

Wanderung zur Zupallseehütte

Wir sind von der Wetterkreuzhütte Anfang Juni zum Zupallsee gewandert, teils noch über Schneefelder. Die wildromantische Idee mit dem Biwak am See zu übernachten, hat nur eins nicht bedacht – den Wettergott. Mit einem guten Unterstand wie bei der Zupallsee Hütte allerdings überhaupt kein Problem. Nach einigen Stunden des unbequemen Schlafes gegen 5 Uhr morgens folgte dann das erhoffte Highlight: der Sonnenaufgang. Klare Luft, Blick auf den wolkenfreien Gipfel des Großvenedigers und ein Müsliriegel zum Frühstück. Was kann es Schöneres geben?

Defereggen Tal

Weil die meisten beim ersten Mal gleich bei der Aussprache des Tals hängenbleiben muss ich etwas weiter ausholen. An dieser Stelle möchte ich gerne meinen Gedankenexkurs zum Osttirolerisch teilen.

Osttirolerisch 

Osttirolerisch ist die hohe Kunst des Tirolerisch Verstehens. Neben verunstalteten Wörtern, entfremdeter Aussprache von Vokalen als Umlaute (gut wird zu güat) und neuen Wörtern, kann auch die Geschwindigkeit, mit der die Wörter einem entgegen fliegen, zum Hindernis werden. Natürlich unterschiedlich nach Tal, aber um den Unterschied herauszuhören muss man schon recht talentiert sein. Meine Spezialität sind Telefonate mit zahnlosen Hüttentaxifahrern und Unterhaltungen mit Hirten am Wegrand jedenfalls nicht. Wenn gleich immer alles funktioniert hat, auch wenn die Unterhaltungen recht eintönig (öfters Wiederholen des Anliegens) und dann auch nicht weiterführend waren. Eigentlich schade, denn auch wenn manche etwas eigen sind, sind sie doch sehr nett die Osttiroler. Und noch nicht so 80er-90er Tourismus geschädigt, wie es in Nordtirol doch tief in Mark und Bein (Piefke Saga) steckt. Eine Tatsache, die sich wunderschön auswirkt im Hinblick auf fehlende Kitsch-Dörfer, wie es in Nordtirol (Ischgl) doch oft gibt. Im Defereggental hingegen steht ein prächtiger Bauernhof neben dem anderen. Frei von aufgemalten Schnörkel und Schlosstürmchen-Hotels. Stattdessen wird gerade der Holzgiebel eines Hauses im Ort erneuert als wir in der Früh durchfahren. Ein paar Stunden später hängt ein neuer, aus Holz versteht sich.

Auf der Website mundart-osttirol.net kann man sich durch lange Liste gefüllt mit eingereichten Osttiroler Wörtern klicken. Dabei sind zwar nicht alle so alt und schön wie „Der an Dönndara getun“ („Ein Donnerschlag hat stattgefunden“) Gottfried aus Prägraten (1943), wie zum Beispiel Chiara aus Kals (1996) mit „bam oida“. 

Eigentlich wollte ich ja über das Defereggen Tal sprechen, das man übrigens mit einem schnellen, leicht verschlucktem zweiten „e“ ausspricht: „Def’reggental“. Die, auch unter Einheimischen weit verbreiteten Meinung, der Name des Tals käme von den spöttischen Nachbarn „die varreck’n“ – also wörtlich „die verrecken“ stimmt jedenfalls nicht. Auch wenn es plausibel erscheint, schließlich sehen manche Häuser im Tal im Winter vier Monate lang keine Sonne. Da muss man schon hart sein um nicht zu verrecken. Auf der Website des Tals lässt sich nachlesen, dass der Name vermutlich aus dem slawischen Wort „dober“ (gut) abzuleiten ist. Also gute Gegend. Und auch wen dober von deferregen in meinen Ohren weit entfernt ist – eine gute Gegend ist es tatsächlich.

Im Winter beliebt von Freeride Film Crews auf der ewigen Suche nach Powderhängen, Langläufern und Wintergenießern. Im Sommer bei Wanderern, Fischern und Mountain Bikern. Wer bereits (fliegen)fischen kann gehört deswegen ab in den Jesacherhof, der die Fischrechte an der Schwarzach besitzt.

Oder an den Staller Sattel, ein mit Seesaiblingen, Forellen und Äschen gefülltes Gewässer mit klarem Wasser. Als durchschnittlich sportlicher Mensch – unbedingt ein Mountainbike oder e-Bike (um das verrecken zu vermeiden) ausborgen und damit das Tal erkunden, zum Beispiel die Jagdhaus Alm (mehr ab 18. Juni hier am Blog). E-Bikes gibt’s in Passlers Sportwelt in St. Jakob um 35€ pro Tag.

Staller Sattel

Der Staller Sattel verbindet das Defereggen Tal mit dem Südtiroler Antholz Tal. Direkt auf der Passhöhe auf 2052m liegt der Obersee. Ein idealer Stopp um sich die Füße zu vertreten, eine Runde um den See zu drehen, sich im Restaurant zu stärken oder die Angel auszupacken. Mehr über das Themen Fischen am Staller Sattel gibt es hier.

Hotel Empfehlung in St. Jakob im Defereggen Tal

Ich habe im Garni Grünmoos zwar nur gefrühstückt, aber das war so nett, dass ich die Pension gerne weiter empfehlen möchte. Herrliches Osttiroler Frühstück, schöne Holz-Einrichtung, ein toller Holz-Schuppen nebenan und Klo-Türen mit alten Foto-Prints.

Preise: im Sommer 35-40€ (pro Person, inkl. Frühstück), im Winter 40-45€ oder auch im Ferienhaus nebenan. Tipp: Für Kinder gibt es einen nicht weit entfernten, sehr großzügig angelegten Waldspielplatz! www.gruenmoos.com

Osttiroler Frühstück

Das Osttiroler Frühstück kann man in verschiedenen Betrieben in ganz Osttirol bekommen. Kosten mit Gutschein aus dem Tourismusverband: 12€ pP.

 

Souvenirs

Mehr über meine Mitbringsel aus Osttirol gibt’s am 30. Juni hier am Blog!

Osttirol Bucket List

Das war natürlich nur ein Teil von Osttirol, es gibt noch einiges zu entdecken. Auf meiner Bucket List finden sich folgende Begriffe wieder:

  • Inner und Außervillgraten (Kommen Sie zu uns, wir haben nichts!)
  • Essen am Strumerhof, Kräuterwirtshaus bei Matrei
  • Großglockner (Gipfel, wenn-schon-denn-schon)
  • Stüdlhütte (Großglockner)
  • Adlerlounge (Großglockner)
  • Kleines Philipp-Reuter Biwak, mit Stopp in der Clarahütte, Umbal Wasserfälle
  • Und auch mal im Winter zum Powdern

 

Gesammelte Reisetipps für Osttirol von Matrei bis Lienz, Defereggen Tal, Virgental und das Gschlößtal. Aufgezeichnet von der Reisejournalistin Lea Hajner.

Im Zuge der Recherchen war ich u.a. auch auf Einladung der Osttirol Werbung und den Nationalparks Austria unterwegs, vielen Dank. Meine Meinungen bleiben wie immer meine eigenen. 

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